Stefan Winter hat seine 26 Hektar Rebfläche komplett umgekrempelt

»Wenn die Reben vis-à-vis vom Kohlacker stehen, am östlichsten Rand des Pfälzer Weinbaugebiets, und der Weinbauer ein Newcomer mit Spleens und Visionen ist, kann es sich nur um Lukas Krauß handeln.« So beginnen die Texte auf seiner Homepage – und spinnen den Faden poetisch weiter: »Seine Felder liegen wenige Kilometer Luftlinie von der Weinstraße entfernt, wo die liebliche Hügellandschaft in Ackerfläche übergeht.«

Lukas Krauß versteht sich eher als Weinbauer denn als Winzer und ­be­obachtet seine Pflanzen genau / Foto: © Andreas DurstDas trifft den Kern und spiegelt exakt seine Philosophie wider: Lukas Krauß versteht sich als Weinbauer unter den Winzern. Wie sein Großvater und Vater möchte er den Kopf tief in den Acker pressen und die Erde kauen, auf der der Wein wächst – so wie es vor vielen Generationen die Mönche taten, um zu bestimmen, welche Traubenarten am besten zu den Böden passen. Genauso erdverwachsen ist Lukas Krauß. Der erst 23-Jährige macht Wein der alten Schule, er hat sein Handwerk bei Martin Franzen gelernt, dem Weingutsverwalter von Müller-Catoir. Heute übernimmt der sensible Hutträger jedes Jahr nur so viel Anbaufläche von seinem Vater, wie es die Zeit erlaubt, um den Pflanzen die nötige Aufmerksamkeit und Geduld zu widmen – ein weicher Generationenübergang. 

»Wein entsteht im Kopf«, sagt Andreas Schick und könnte mit diesem Satz auch eine Doktorarbeit beginnen. So wie viele Köche die Aromen neuer Gerichte vorher im Geiste schmecken, definiert auch er bereits vor dem Keltern den Geschmack seines Weines. Schick ist mit 47 Jahren zwar der älteste Wilde, aber es ist erst sein dritter Jahrgang seit 2008 in Württemberg. Den 2010er hat er aus Qualitätsgründen ausgelassen. Zehn Jahre lang war Schick Aufsichtsrat der Genossenschaftskellerei Heilbronn. Dann hat der kritische Kopf seine Freiheit gesucht – und das Handelshaus Schick & Springer gegründet. »Ohne diesen Weinhandel und die daraus resultierenden Kontakte zur Spitzen­gastronomie sowie zu den Sommeliers ­hätten wir es mit dem Weinbau Schick nicht so weit gebracht.«

Bei Lukas Krauß weiß jeder ­sofort, was sich im Fass befindet / Foto: © Andreas Durst

Ausbauen lässt der Qualitätsfanatiker seine Trauben aus knapp fünf Hektar mit einem Durchschnittsertrag von nur 60 Hektolitern pro Hektar im Weingut Kistenmacher-Hengerer in Heilbronn. »Ohne Jochen Springer und Hans Hengerer gäbe es die Weine nicht.«

Der Slogan »En Pälzer mit Worzle« bringt es auf den Punkt. Der junge Markus Hinterbichler ist durch und durch Pfälzer. Dem Vater merkt man seine österreichischen Wurzeln direkt an: eine angenehme Mixtur aus Schmäh und Pfälzer Dia­lektkultur. Markus Hinterbichler arbeitet ­gemeinsam mit seinem Vater auf dem eigenen Weingut. Die Wurzeln der Familie liegen in Österreich; der heutige Wirkungsort, Bobenheim am Berg in der Pfalz, prägt die ganze Familie.

Markus Hinterbichler und sein Vater Sylvester –  die perfekte Pfalz-Österreich-Kombination / Foto: © Andreas Durst

Die Kennzeichnung der Weinbergspfähle (rot-weiß-rot) wurde daher in die Etiketten aufgenommen – perfekt für ein Weingut mit österreichischen Wurzeln, an denen die beiden Hinterbichlers wie an einem Strang ziehen. Kommen wir also zum Ende der Wortwitze: Der Sekt trägt den Namen des Vaters – Sylvester.

Die beiden Rotweinmacher Meike Näkel (Ahr) und Markus Klumpp (Baden) wollen einfach nur zusammen Wein machen – so wie sie zusammen Hand in Hand durchs Leben gehen. Entstanden ist dabei das Spätburgunder-Projekt »Hand in Hand«. Beide Winzer können – neben Leidenschaft und Herzblut – mit ihrem Wissen aus den zwei bekannten Regionen punkten. Die Reben wachsen auf den für die ­badische Region so typischen Löss-Lehm-Böden, die sich mit hohem Kalkgehalt hervorragend für Rotweine mit Mineralik und Tiefe eignen.

Christian Stahl ist kein Fan von Folklore – stahlhart zubeißen ist seine Devise / Foto: beigestelltNach selektiver »Hand-in-Hand-Lese« der Trauben und traditioneller Maischegärung von 16 Tagen folgt eine Barriquereifezeit von acht Monaten. Das Resultat ist ein wunderschön ausbalancierter Spätburgunder mit Substanz, Tiefe und einnehmender Eleganz.

Christian Müller gehört mit seinen 24 Jahren und auch erst drei Jahrgängen – die aber ohne Pause – zu den Jüngsten unter den Wilden. Er geht wie sein Bruder Toni noch in Geisenheim auf die Weinschule. Papa Rainer Müller vom Weingut Max Müller I gab ihm 2008 im Escherndorfer Lump zwei Hektar mit altem Rebbestand zum Experimentieren – und war »unendlich skeptisch«, wie Christian Müller sich erinnert. Denn der Filius wollte mit dem Silvaner provozieren: Er reduzierte die Erträge extrem und baute den Wein spontan im großen Holzfass aus. Das Ergebnis mit dem Namen Eigenart spricht für sich: 1500 Flaschen eines sehr konzentrierten und komplexen Silvaners, der in ganz Deutschland seinesgleichen sucht. Sein Geheimnis? »Ich mache ihn wie früher der Großvater.«

Nicht nur ein »Junger Wilder«, sondern gar ein jugendlicher Held ist Benedikt Baltes. Oder bedarf es nicht Heldenmutes, ein defizitäres Weingut mit zwölf Hektar im Herzen Churfrankens zu übernehmen und aufzuräumen? Der Jungwinzer von der Ahr und ein angehender Mikro­elektroniker aus China, sein stiller Teilhaber Xu Xianzhong, kauften vor einem knappen Jahr das traditionsreiche Weingut der Stadt Klingenberg und wollen nun dem Klingenberger Rotwein zu neuer alter Größe verhelfen. »Wir wollen nicht weniger, als Spitzenweine von Weltrang zu produzieren«, sagt der 26-jährige Baltes.

Die ersten Resultate sind vielversprechend. Die Erfahrung dazu holte er sich im elterlichen Betrieb in Mayschoss, seine Ausbildung machte er auf dem Rotweingut J. J. Adeneuer. Weitere Sta­tionen waren das Weingut Juris in Gols am Neusiedler See, Österreich, sowie ein Gut am Balaton und das Weingut Villa ­Juris in Badacsony, Ungarn.

Erfolgreicher ­Balanceakt: Eva ­Vollmer und Robert Wagner / Foto: beigestellt

Nicht nur im Weinberg legt Baltes Wert auf Handarbeit. »Auch im Keller versuchen wir, jeglichen Einfluss von außen zu vermeiden. Wo es geht, wird auf Pumpen, Maschinen, Filter, Reinzuchthefen und andere Hilfsmittel verzichtet.« Die Fässer, die für die Spätburgunder verwendet werden, sind ausschließlich aus Hölzern der Region gefertigt: »Unser höchstes Ziel ist es, nicht nur große Weine zu machen, sondern auch solche, die durch Authentizität einzigartig werden.«

Den ganzen Artikel lesen Sie im Falstaff Nr. 6/2011 - Jetzt im Handel!

Zu den Verkostungsnotizen



Text von Nikolas Rechenberg
www.nikos-weinwelten.de
Aus Falstaff Nr. 6/2011