Der große Farben Trend-Report 2018

Ultraviolett lässt niemanden kalt. Die Farbe spaltet die Gemüter. Richtig verwendet, zieht mit ihr aber einiges an Glamour im Raum ein. 

© Eric Piasecki Photography LLC

Ultraviolett lässt niemanden kalt. Die Farbe spaltet die Gemüter. Richtig verwendet, zieht mit ihr aber einiges an Glamour im Raum ein. 

© Eric Piasecki Photography LLC

Polarisierung hat auch positive Seiten. Vor allem, wenn dadurch eine Diskussion in Gang gesetzt wird. Als die einflussreiche Farbfirma Pantone Ultraviolett zur Farbe des Jahres kürte, ging ein lautes Raunen durch die Reihen der Trendsetter und Stylepäpste: Habemus colorem! Und was für eine. Ultraviolett, landläufig Lila, weltläufig Ultra Violet genannt, ist zur Farbe gewordene Dramatik. Erhabenheit pur. Verfassungsrichter und Bischöfe in Amt und Würden tragen fancy Lila. Kapazunder der Popkultur wie Jimi Hendrix und Prince wirkten darin gewandet zu Lebzeiten schon ein wenig unsterblich. 

Kein Wunder also, dass mit Gucci-Stardesigner Alessandro Michele die momentan höchste Glamour-Instanz kräftig in den lila Farbtopf greift, wenn es ans Designen geht, und die Vorreiter auf dem Textil- und Interiorsektor die Farbwahl dankend aufgreifen. Natürlich gibt es auch Skeptiker, denen der pompöse Farbton, der nun ein Jahr lang das bunte Treiben in allen seinen Schattierungen mitprägen wird, nicht recht ins Konzept passt. Genau da wird es spannend. Denn wer setzt und bestimmt Farbtrends eigentlich? »Farbtrends werden von der Fashion- und Möbelindustrie entschieden und sind ökonomische, pragmatische Entscheidungen. Das unterscheidet sie von Trends, die aus großen soziodemografischen Veränderungen entstehen«, erklärt Trendforscherin Oona Horx-Strathern. »Dennoch spiegeln Farbtrends natürlich auch gesellschaftliche Stimmungen wider und können als eine Art Resonanz des Zeitgeists gesehen werden.«

Farbcodes

Violett, so will es die Farbpsychologie, ist zudem die Farbe des Geistes und der Spiri­tualität, und betrachtet man sie vor einem zeithistorischen Hintergrund, schwingt auch noch eine sexualpolitische Konnotation mit. Sowohl im Feminismus als auch in der Homo­sexuellenbewegung spielt Lila eine wichtige Rolle. Die Wahl der Farbe des Jahres könnte man also auch als starke Ansage für Toleranz interpretieren. So gesehen fügt sich da auch ein weiterer Farbtrend 2018 harmonisch hinzu: Millennial Pink, oder anders: sanfte, weiche Rosatöne von Apricot bis Lachs. Der Farbton geistert schon seit geraumer Zeit herum, im Fahrwasser von Ultraviolett, mit dem er auf absurd-schöne Weise harmoniert, ist er dieses Jahr noch öfter zu sehen. Warum? »Nach einer extrem maskulinen Wolf-of-Wallstreet-Atmosphäre, geprägt durch Glas, Chrom und Schwarz, und einem kurzen Gegentrend, der sich in Minimalismus flüchtete, sind wir heute in einer Trendwelt angekommen, die weicher und wärmer ist«, analysiert Horx-­Strathern. Man will es also wieder gemütlicher mit einer kräftigen Portion Cosiness. »Es geht bei diesen Farben vor allem auch um die Erfüllung von Rückzugsbedürfnissen. Dieser Trend richtet sich gegen Minimalismus und Digitalisierung.«

»Trends haben eine gewisse Vorlaufzeit und werden nicht selten schon ein Jahr im Voraus bestimmt.«
Oona Horx-Strathern Trendforscherin

Erdiges Burgunderrot

In diesem Kontext ist es kaum verwunderlich, dass heuer auch verstärkt Terrakotta-Töne in den Farbwelten und vor allem auch Materialwelten auftauchen. Diese neue, erdverbundene Natürlichkeit sorgt für ein Maß an Grundwärme in den Räumen. Positiver Effekt: Richtig eingesetzt verleiht Terrakotta auch den pastelligen Tönen der Millennial-Pink-Palette eine solide Basis. Dabei wird auch ein Statement gegen unseren aalglatten Alltag gesetzt, wenn man sich archaische Naturfarben zwischen Rost und Sand ins Haus holt.

Das kräftige, satte Rot war einst nur der hohen Aristokratie vorbehalten. Heute zaubert man damit Opulenz und erdverbundene Gemütlichkeit in den Raum. 

Eine Übung, die übrigens auch perfekt mit Burgunder- bzw. Bordeauxrot und den zahlreichen Schattierungen dieser Farbfamilie gelingt. Auf einschlägigen Informationskanälen ist die Farbe schon länger bekannt. Das hat einen guten Grund, wie Oona Horx-Strathern weiß: »Trends haben eine gewisse Vorlaufzeit und werden nicht selten schon ein Jahr im Voraus bestimmt, damit Produkte hergestellt werden können.« Ähnlich einem gut gelagerten Rotwein hat die Farbe nun ihren Höhepunkt erreicht. Denn das kräftige Rot, einst der Hocharistokratie vorbehalten, zaubert Glamour, Opulenz und Gemütlichkeit in den Raum und fügt sich so dem Zeitgeist. Der ändert sich zwar, aber das muss kein Grund sein, um in Panik zu verfallen: »Starke Farbtrends halten länger als ein Jahr und tauchen in Variationen immer wieder auf«, so Horx-Strathern. Mal schauen, wie es Ultraviolett in dieser Hinsicht ergeht, oder ob lila Kühe bald wieder alleine auf weiter Flur grasen.

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