Das Reisemotiv der neuen Generation: Instagrammability

Auf die Markenentwicklung im Tourismus und im Bereich Destinationsbranding hat sich Engl spezialisiert.

Foto beigestellt

Auf die Markenentwicklung im Tourismus und im Bereich Destinationsbranding hat sich Engl spezialisiert.

Foto beigestellt

Als man in Großbritannien die Zielgruppe der Millennials studierte, um ihre Kriterien für eine Urlaubsentscheidung zu verifizieren, setzte sich mit über 40 % eine Antwort an die Spitze der Motivliste: »Wie gut man das Urlaubserlebnis auf Instagram abbilden kann«. Der neue Begriff »Instagrammability« war geboren.

Weit vor »Sehenswürdigkeiten«, »Lokale Küche«, »Selbstverwirklichungsmöglichkeiten« und ­»Verfügbarkeit und Preis alkoholischer Getränke« sprachen die 1000 Befragten schonungslos ihre ­neuen Bewertungsmaßstäbe aus. Dies legt die ­Vermutung nahe: Die neue Kundengruppe fängt mit den etablierten Qualitätskriterien von Hotel- und Michelin-Sternen offenbar wenig an. Den eintönigen Standardzimmern der großen Hotelketten wird mit ­dieser neuen Motivlage ebenso der Kampf angesagt wie den monotonen nach Vor-, Haupt- und Nachspeise aufgebauten Speisekarten. Doch was bedeutet dies für die touristischen Leistungsträger?

1. Kunden kaufen Sehnsüchte, keine Produkte

Es würde sich lohnen, wenn Hotels mit ihren Ausstattungen und Angeboten auf diese neuen Sehnsüchte ihrer Kunden reagieren. Zur starken Marke wird, wer nicht imitiert sondern kapiert. Die Reiseplattform Airbnb oder der bildliche Kommunikationskanal Instagram können getrost als die Trendsetter dieser neuen Zeit gelten. »Fahre nicht hin. Lebe dort« (Airbnb) adressiert authentische Reiseerlebnisse, »Momente sammeln, nicht Dinge« ­(Instagram) suggeriert, worauf es im gesättigten Markt der Reiseangebote ankommt. Die Menschen kaufen weder ein Kilometer-Angebot an Wanderwegen und Skipisten noch ein Quadratmeter-Angebot an Zimmern und Ferienwohnungen. Menschen kaufen Entdeckung, Abenteuer, Nostalgie, Vertrautheit.

»Der Kunde übernimmt das ­bisherige ­Kommunikationsgeschäft und macht die klassische ­Image­broschüre obsolet.«
Christoph Engl, Managementberatung BrandTrust

2. Marke heißt, eine eigene Identität zum Ausdruck zu bringen

Das Mehr vom Gleichen wird in einer Welt der schonungslosen Vergleichbarkeit kalt abgestraft. Kunden erkennen nur das Eigenwillige als besonders, nicht das Ähnliche. Zu den größten Gefahren der Markenbildung in Hotels gehört, den Erfolg in einer möglichst großen Vielfalt des Angebots für möglichst alle Zielgruppen zu suchen. Gekauft wird aber das unverwechselbar Besondere – und wenn es die spezielle Aufmerksamkeit des Hotelbetreibers für ein großes veganes Speisenangebot ist oder für Wild­gerichte, weil dieser selbst Veganer oder Jäger ist. Jedes Design­hotel ist seelenlos und austauschbar, wenn die Konzeption vom Architekten kam und vom Betreiber weder vermittelt wird noch als Teil der eigenen Überzeugung gilt. Hotels werden zur Identifikationsfläche der eigenen Sehnsüchte und Überzeugungen.

3. Die Kommunikation wird von den Kunden ­übernommen

Die digitalen Möglichkeiten erschaffen eine neue Weltordnung der Kommunikation: Kunden übernehmen das Informations- und Bewertungsgeschäft, filmen und fotografieren in bester Qualität, teilen die eigenen Erfahrungen bildlich und schriftlich mit ihrer Community. Dieser Kommunikation wird mehr geglaubt als den Bildern und Beschreibungen des Anbieters. Dieser muss darauf ­achten, dass sein Produkt einen Anlass hergibt, den es zu kommentieren bzw. zu fotografieren lohnt. Was kann man aus den allermeisten Hotelzimmern schon an die eigene Community als Bild verschicken? Was ist von den aus der Küche getragenen Tellern so, dass es auf einem Instagram-Kanal gegen andere Motive bestehen könnte? Was sollte man als »besonders« kommentieren, wenn es ­flächendeckend »Hot Stone Massagen« und »Regenduschen« gibt, aber die Orchideen aus Plastik sind und die Frühstückskipferl vom Tiefkühl­einheitslieferanten?

Kolumne aus Falstaff KARRIERE 03/2018.

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Führungswechsel im Münchner »Mandarin Oriental«

Das Luxushotel besetzt Führungspositionen neu: Swen Ehlender ist nun Director of Marketing & Commerce und Rabea Keller steigt zur Hotel-Managerin auf.

News

Zigarrenlounge: Smokers Paradise?

Ist sie ein gediegenes Refugium für Genießer oder eher die nicht mehr zeitgemäße Umsetzung einer qualmenden Angewohnheit? PROFI hat nachgefragt.

News

Jeff Maisel: Aus Liebe zum Bier

Jeff Maisel ist einer der bekanntesten Weißbierbrauer in Bayern. PROFI verrät er, was man tun muss, um eine Brauerei überlebensfähig zu gestalten.

News

Matthias Berger: Maître im »Hangar-7«

Der Beruf des Mâitre ist heutzutage moderner, gelockerter, näher am Gast und verstärkt durch ein gutes Team definiert.

News

Barbara Englbrecht über guten Service

Die junge Mâitre verpasst dem Berufsbild eine Imagepolitur. Mit Charisma und Empathie kehrt sie der steifen Etikette den Rücken zu.

News

Ciccio Sultano im Interview

Der aus Sizilien stammende Zwei-Sterne-Koch Ciccio Sultano hat mit »Pastamara« – einer Bar mit Küche – die Kultur des italienischen Aperitivo ins »The...

News

Tossmann: Was guten Service ausmacht

Ist der Service entspannt, sind es auch die Gäste. Dafür sorgen Restaurantleiter, die autoritären Anweisungen und steifer Etikette den Rücken...

News

Vintage Menu Designs

Funktionale Liste oder stylisches Werbemittel: Speisekarten können vielfältig sein. Auch Sammlerstücke. Ein Design-Buch widmet sich amerikanischen...

News

Sommelier René Antrag im Interview

René Antrag spricht mit PROFI über den Nachwuchs, tägliche Herausforderungen und den Sommelier Beruf.

News

Hotel »Bayerischer Hof«: Eine Welt für sich

Das vielfach ausgezeichnete Traditionsunternehmen, im Zentrum der Altstadt in München, ist auf der Suche nach neuen Teammitgliedern. Unter anderem...

Advertorial
News

Klimawandel und Tourismus

Der Hitze entfliehen, dem Schnee hinterherfahren – was der Klimawandel aus Sommer- und Wintertourismus macht.

News

Richtiges Englisch für die Hotellerie

Missverständnisse, Kommunikationsdefizite und Informationslücken können in einem touristischen Betrieb aufgrund einer falschen Übersetzung schnell...

News

Sommelier Andreas Jechsmayr im Interview

Der Oberösterreicher Andreas Jechsmayr vom »Landhotel Forsthof« in Sierning, sicherte sich den Titel »Bester Sommelier Österreichs«.

News

Delikatesse: Bienenlarven statt Honig

Bienenlarven gelten in Asien als Delikatesse. Hierzulande kommt man erst langsam auf den Geschmack. Dabei ist ihr natürliches Vorkommen so zahlreich...

News

Philipp Florian über Tradition und Luxus

In Zeiten, in denen viele in der Hotellerie auf Low-Budget setzen, definiert Philipp Florian, Eigentümer des »Parkhotels« in Graz, den Luxus-Begriff...

News

Kochen mit Feuer

Sie meistern die Temperatur, die Grundlage des Kochens, meisterlich und das immer häufiger indoor. »Live fire« ist kein neues Gastro-Konzept einiger...

News

Dresscode: Alles, nur nicht Uniform

Mit 08/15-Lösungen gibt man sich längst nicht mehr zufrieden. Die Arbeitskleidung in Hotels und Restaurants soll heutzutage vor allem eines sein:...

News

Marble Mania: Wohnen, Essen und Mode mit Marmor

Es lebe die Struktur! Wir haben mit diesem Trend eine derartige Affinität entwickelt, dass wir mit ihm wohnen, von ihm essen und ihn sogar tragen...

News

Evergreens: Die Farbe grün im Trend

Pantones »Greenery« bestimmt die Tonlage des Jahres. Die Farbe der Hoffnung blüht 2017 wieder so richtig auf.

News

Let's go for Asia

Sehnsucht nach Fernost? Mit unseren ausgesuchten Design-Inspirationen hält der Asia-Trend in den eigenen vier Wänden Einzug!