Benoit Gouez präsentierte die neue Prestige-Cuvée in Berlin. / © Moët & Chandon
Benoit Gouez präsentierte die neue Prestige-Cuvée in Berlin. / © Moët & Chandon

Es sei im Jahr 2000 gewesen, erinnert sich Benoit Gouez, als die Idee für eine neue Prestige-Cuvée Gestalt annahm. Damals war gerade zum Jahrhundertwechsel die Luxus-Cuvée »Esprit du Siècle« auf den Markt gekommen – ein Champagner, der Grundweine aus jedem Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts enthielt. Und da fragte sich das Team bei Moët: Warum nicht auch mal ohne einen Jahrhundertwechsel eine ungewöhnliche Cuvée aus verschiedenen Jahrgangsweinen ausprobieren?

Eine Cuvée, drei Bestandteile
Benoit Gouez sagt, in den 15 Jahren, die seither vergangen seien, und bei all den Experimenten, die das Projekt vor allem am Anfang begleitet haben, da »habe er eine Menge gelernt«. Erst lächelt er milde, dann muss er doch auch richtig lachen: »Ehrlich gesagt, ist auch so manches schief gegangen.« Doch das Ergebnis von trial and error steht nun leibhaftig auf dem Tisch, in einer von einem stählernen Fuss beschwerten Flasche.

»MC III«, heißt das neue Kind: »MC« für Moët & Chandon, »römisch 3« für die drei Komponenten, die in jeder dieser Flasche vereint sind: Erster Baustein sind Weine, die im Stahltank gereift wurden. Bei den aktuell degorgierten Flaschen waren dies Chardonnay- und Pinot noir-Grundweine aus dem Jahrgang 2004. Als zweite Komponente kamen im Holzfass ausgebaute Grundweine aus den Jahren 2002, 2000 und 1998 hinzu. Zu guter Letzt wurden für die Cuvée auch bereits in Flaschen gereifte Champagner aus den Jahren 1999, 1998 und 1993 hinzugegeben. Immerhin 20 bis 25 Prozent macht dieser Teil der Cuvée aus. Im Jahr 2004 wurde die fertige Assemblage zur Flaschengärung abgefüllt. Und erst im letzten Herbst, nach einem zehnjährigen Hefelager, wurden die ersten Flaschen versandbereit gemacht – also vom Hefepropf befreit und mit einer sehr dezenten Dosage – fünf Gramm Restzucker pro Liter – versehen.

»Zweite Zweitgärung«
Eine der Rafinessen dieser Cuvée liegt darin, dass ihre ältesten Bestandteile bereits schon einmal eine Flaschengärung durchlaufen hatten: Bei den Komponenten aus den Jahren 1999, 1998 und 1993 handelte es sich ja um fertigen (allerdings erst zur Herstellung der Cuvée degorgierten) Champagner. Diese Weine durchlaufen also bereits – wenn man das so formulieren kann – ihre zweite Zweitgärung.

Um zu illustrieren, wie die Komponenten eines MC III alleine schmecken, hatte Benoit Gouez überdies Proben von 2013er Weinen aus dem Edelstahltank und von 2012er und 2006er Weinen aus dem Holzfass mitgebracht. Diese Weine werden demnächst, zusammen mit einem Anteil älterer Champagner, in Flaschen gefüllt, um nach Flaschengärung und Hefelager eines fernen Tages zu MC III zu werden.

MC III / © Moët & Chandon
MC III / © Moët & Chandon
Wein mit Sauerstoff-Bedürfnis
Und wie schmeckt sie denn nun, die aktuell im Verkauf befindliche, so genannte Cuvée 001.14 des MC III? Benoit Gouez ließ den Wein im Zalto-Bordeauxglas ausschenken – in einem Glas mit großer Kontaktfläche von Wein und Luft. Schon an dieser Glaswahl zeigt sich das Sauerstoff-Bedürfnis dieses Weins. In der Berliner Verkostung blieb er dennoch sehr zugeknöpft. Erst nach 20 Minuten im Glas gesellte sich zu dezenten Hefetönen und einem Anflug von Heu eine leichte Honignote. Am Gaumen zeigt der Wein einen linearen Aufbau: in der Säure zurückgenommen, mit feiner, anhaltender Mousse, kräftig in den Extraktreserven und schon jetzt von großer Länge. »Es ist ganz schwer, das Alter dieses Weins zu schätzen: er hat Elemente der Reife, aber auch Frucht und Frische«, so Gouez.

Unterm Strich wirkt dieser Champagner aber letztlich doch eher jung: Angesichts des Verkaufspreises von 450 Euro pro Flasche braucht der Champagner-Freund allerdings schon etwas Kleingeld, um sich Kellerbestände für eine langfristige Lagerung anlegen zu können.

www.moetmc3.de

(Von Ulrich Sautter)

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