Coffee & Company: Coworking im Restaurant

Junge Menschen sitzen mit ihrem Laptop zwischen Weinregalen oder am Bartresen und arbeiten.

© Helena Lopes / unsplash

Junge Menschen sitzen mit ihrem Laptop zwischen Weinregalen oder am Bartresen und arbeiten.

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Habe Arbeit, suche Tisch, Strom und W-Lan. So sieht sie aus, die Welt der »Digital Nomads«. Sie sind meist jung, arbeiten als Freelancer oder versuchen ihr Start-up in die Wege zu leiten und haben kein Geld für ein eigenes Büro. Oder sie schätzen einfach die Gesellschaft anderer Office-Hopper. Und: sie sind viele! In seiner »Global Coworking Survey 2018« prognostizierte das Arbeitsplatz-Magazin Deskmag.com, dass mit Ende 2018 1,7 Millionen Menschen in ungefähr 19.000 Coworking-Spaces weltweit arbeiten werden. Die Umfrage wird jährlich durchgeführt, die Prognosen für 2019 liegen aktuell noch nicht vor. Im Internet kursieren »Nomad lists«, in denen Städte nach Faktoren wie Internet-Geschwindigkeit, Mietkosten und Wetter gereiht werden.

Wien und München finden sich auf Rang 39 und 40, ganz vorne finden sich auffällig viele Destinationen in Südostasien. Das Wetter dürfte doch recht stark gewichtet worden sein, aber zurück zum Thema. In der Studie von Deskmag.com geht es um das Schaffen einer Community, aber für viele Einzelunternehmer ist die Nähe viel wichtiger. Die Nähe zur eigenen Wohnung, die Nähe zum nächsten Termin – in diese Richtung. Sich mit dem Laptop ins nächste Kaffeehaus setzen? Das machen viele, aber optimal ist anders. Es ist laut, die Konzentration leidet. Und genau hier setzen seit einiger Zeit Plattformen wie »Spacious« an.

Faktor Manpower

»Spacious« bietet »Drop-In«-Plätze auf Basis von Tagespässen an – in New Yorks und San Franciscos Restaurants. Richtig gelesen. In Restaurants. Genauer gesagt Lokalitäten, die tagsüber ansonsten geschlossen haben – bzw. hätten. Da sitzen die jungen Menschen mit ihren Laptops zwischen den Weinregalen oder am Bartresen und arbeiten. High-Speed-Internet ist Standard, der gratis Kaffee zum Eintritt ebenso. Die Idee hat was. Tische und Stühle sind vorhanden, geheizt wird vermutlich auch sowieso. Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Tourismusberatung Prodinger ist zurückhaltend. »Restaurants an erstklassigen Adressen unterliegen teuren Mieten und sind betriebswirtschaftlich schwierig zu führen. Der 1. Wiener Bezirk etwa ist voll mit Restaurants, die erst abends öffnen. Die ungenützte Zeit könnte also sehr gut für Coworking verwendet werden.« Hier kommt das aber: »Die Umsetzung stellt eine logistische Herausforderung dar, die Einsätze vor und nach der Restaurant-Öffnungszeit sind völlig anders. Ein möglicher Zusatzumsatz muss mit teurer Arbeitszeit erkauft werden.« Kann man es mit dem Mise en place verbinden? Mit der Bürotätigkeit des Chefs? Das kann nur jeder für sich selbst beantworten.

»Unsere Coworker genießen die Rundumbetreuung durch die Bar und können auch spät nachts Kaffee und Gulaschsuppe bestellen.«
Anita Komarek PR & Marketing, »Hotel Schani« Wien

Einer, der es probieren möchte, ist Martin Rohla, geschäftsführender Gesellschafter der Goodshares Beteiligungs- und Beratungs GmbH. Er ist der Mann hinter dem Projekt »Weitsicht Cobenzl«. Das Areal rings um das Wiener Schloss Cobenzl soll ab Frühsommer 2021 neu genutzt werden. Geplant sind Café, Pop-up-Küche, Eventlocation und Coworking-Plätze. PROFI spricht mit Rohla über letztere: »Der Cobenzl ist eine besondere Location, er hat Aura.« Tagungen, Kongresse, Hochzeiten – aus dem geschichtsträchtigen Ort wird eine flexible Location. Die wird aber – eh klar – nicht immer gebucht sein.

»Wir denken an die ›Meierei‹ und auch ans große Schloss. Wir möchten hier Coworking-Plätze anbieten, die tageweise buchbar sind.« Ein Problem im Handling sieht der erfahrene Investor nicht. Sehr wohl dagegen in der Unregelmäßigkeit. »Wir müssen uns überlegen, wie wir das kommunizieren.« Ein sehr gutes Stichwort – das Marketing ist Um und Auf. Das weiß man auch in den Hipster-Hotels, die – meist in der Lobby – schon länger Coworking-Tische anbieten. Wie im »25hours Hotel The Trip« in Frankfurt oder im »Hotel Schani« in Wien. Anita Komarek, PR & Marketing Director des »Hotel Schani«: »Wir haben anfänglich Schwierigkeiten gehabt, die Zielgruppe zu erreichen, aber durch das Community Building und einige Veranstaltungen können wir nun treue Coworker verzeichnen.« Einheimische müssen, so Komarek, erst sensibilisiert werden: »Viele erwarten keinen Coworking-Space in einem Hotel.« Die Wiener nutzen hauptsächlich die »Flex Desk«-Tagespässe um zehn Euro. Komarek: »Unsere Coworker genießen neben einem 24/7 Zugang die Rundumbetreuung durch die Bar und können auch spät nachts Kaffee und Gulaschsuppe bestellen.«

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Falstaff Profi Magazin 3/2019
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