Chinas Kapital ist weiter auf dem Vormarsch in Bordeaux. Nach einigen weniger bedeutenden Investitionen  in den vergangenen beiden Jahren hat sich jetzt mit dem Agro-Multi Cofco, zu dessen Portfolio auch die bekannteste chinesische Weinmarke Great Wall gehört, erstmals ein Big-Player aus China in Bordeaux eingekauft. Laut einem Bericht der französischen Zeitung »Sud-Ouest« erwarb das Unternehmen Château Viaud in der AOC Lalande-de-Pomerol. Das 21 Hektar grosse Weingut befand sich seit 2001 im Besitz von Philippe Raoux (Château d´Arsac). Die Kaufsumme ist nicht bekannt, dürfte aber angesichts von Preisen von mindestens 150.000 Euro, die in der Appellation pro Hektar gezahlt werden, bei 3 bis 4 Mio. liegen.

Der Deal

Zwei Jahre lang hatte Raoux mit den Chinesen verhandelt Der Vertrag beinhaltet u.a. auch den Vertrieb seiner eigenen Weine in China. Der Cofco-Konzern mit Sitz in der chinesischen Hauptstadt Beijing ist ein breit aufgestelltes staatlich kontrolliertes Konglomerat von Firmen in unterschiedlichen Branchen wie Nahrungsmittel, ÖL, Im- und Export, Weinbau, Grosshandel für Hotels und Restaurants. Bereits seit einem Jahr arbeitet der Sohn von Raoux dort als Marketingexperte.

Bewegte Familiengeschichte

Philippe Raoux stammt aus einer Familie, die seit vier Generationen im Weinbau und Weinhandel tätig ist. Sein Vater war Weinhändler und Winzer in der Nähe von Oran in Algerien. Er bewirtschaftete dort rund 200 Hektar Weinberge. Nach der Repatriierung im Jahr 1962 liess sich die Familie in Bordeaux nieder, belebte den 1890 vom Großvater gegründeten Weinhandel Chamvermeil wieder und entwickelte daraus den französischen Marktführer im Mailorder-Geschäft mit Wein. Heute beliefert die Firma 600.000 Kunden in Frankreich und Belgien. 1986 erwarb Raoux den Cru bourgeois Château d´Arsac mit 112 Hektar in den Appellationen Haut Médoc und Margaux. Außerdem gehören ihm Château Lestage (Montagne St. Emilion), Château Martignac (Graves) und Château de la Limagère (Bordeqaux supérieur).
 
(von Mario Scheuermann)