Cafe Colombia: Ein Besuch auf der Kaffeeplantage

Uriel Jiminez Aguirre inspiziert die Bohnen auf dem Kaffeefeld.

© Falstaff

Uriel Jiminez Aguirre inspiziert die Bohnen auf dem Kaffeefeld.

Uriel Jiminez Aguirre inspiziert die Bohnen auf dem Kaffeefeld.

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In ihrem Heimatland wird der beste Kaffee der Welt produziert – da sind sich alle Kolumbianer ganz sicher. Klar, dass auch Uriel Jiminez Aguirre diese Meinung vertritt. Seit vielen Jahren arbeitet er auf der Kaffeeplantage »El Bosque del Saman« und weiß alles über Kaffee. Interessierten Besuchern zeigt er den aufwändigen Weg der Kaffeeproduktion und zum Schluss wird auch ein ganz frisch zubereiteter Kaffee verkostet.

Gemächlich schiebt sich der Kaffeebauer seinen Hut in den Nacken und geht in die Knie. Er zündet einen einfachen Gasherd an, stellt eine von Ruß geschwärzte Schale auf die Flamme und wirft zwei Handvoll weißlich-blasse Bohnen hinein. Einige Minuten lang bewegt er die Bohnen gleichmäßig in der Schüssel. Auf die Uhr schaut er dabei nicht. »Ich verlasse mich auf meine Erfahrung. Die Bohnen müssen eine möglichst gleichmäßige gold-braune Farbe angenommen haben und natürlich auch den charakteristischen Duft von frisch geröstetem Kaffee verströmen«, sagt Aguirre. »Erst dann werden die Bohnen gemahlen und zum Zubereiten von Kaffee benutzt.«

Uriel Jiminez Aguirre röstet die Bohnen nach Gefühl.

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Das »Goldene Dreieck des Kaffees«

Wir sind im »Triangulo de Oro del Cafe« westlich der Hauptstadt Bogota unterwegs. Im »Goldenen Dreieck des Kaffees«, im Herzen des Landes gelegen, beherrschen heute Kaffeesträucher die Landschaft. Doch erst Anfang des 19. Jahrhunderts gelangten die ersten Pflanzen nach Kolumbien. Ein katholischer Geistlicher, der auf den Antillen lebte, soll sie damals über Venezuela nach Kolumbien gebracht haben. Schnell wurde erkannt, dass die hitzeempfindlichen Arabica-Pflanzen in Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.000 Metern dank reicher Niederschläge und mineralhaltiger Erde optimale Wachstumsbedingungen fanden.

Ideal sind auch die Temperaturen – sie schwanken meist nur wenig und liegen zwischen 20 und 25 Grad. »Sorgen bereitet uns aber die allgemeine Klimaerwärmung. Sie begünstigt den Kaffeerost und lockt Ungeziefer an«, beklagt Aguirre. Auf einer Tafel sind Bilder der schlimmsten Schädlinge zu sehen: Fadenwürmer, Käfer und Blattrost. »Sie können die Erträge erheblich dezimieren, denn unsere Arabica-Pflanzen sind deutlich empfindlicher als Robusta-Büsche, die vor allem in Indonesien und Vietnam wachsen«, erklärt er weiter.

Die Hügel im Kaffeedreieck sind mit den grünen Kaffeesträuchern bepflanzt.

Die Hügel im Kaffeedreieck sind mit den grünen Kaffeesträuchern bepflanzt.


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Grüne Kaffeekirschen sind noch nicht reif. Bei der »Hand-Picking«-Methode bekommen sie die Zeit, die sie benötigen.

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Hand-Picking-Methode: Grundlage für Spitzenkaffee

Im September beginnt die Erntezeit, die sich bis Anfang Dezember erstrecken kann. Von April bis Juni wird nachgeerntet. »Im Gegensatz zu den überwiegend maschinellen Ernteverfahren im Nachbarland Brasilien pflücken wir hier die Kaffeekirschen per Hand«. Das hat den Vorteil, dass nur die richtig roten Früchte in den Körben der Pflücker landen. Die grünen Kaffeekirschen bleiben zur weiteren Reifung am Strauch. »Die ›Hand-Picking-Methode‹ garantiert, dass alle geernteten Früchte den gleichen Reifegrad aufweisen. Das ist sehr aufwändig, bildet aber die Grundlage für echte Spitzenkaffees«, konstatiert der Kaffee-Farmer.

Kaffeepflücken ist Schwerstarbeit. Noch vor Sonnenaufgang versammeln sich rund 30 Männer und Frauen. Alle tragen helle, landestypische Ponchos. Sie schützen vor Sonne ebenso wie vor Regen und natürlich gegen Insekten. Damit nicht genug – zur Kluft gehört noch mehr. Traditionell haben die Bauern noch eine Art Tasche dabei, eine »Cariel«. Erstaunlich, was sich darin verbirgt.

200 Kilogramm Kirschen pro Erntehelfer

»Neben Tabak und Feuerzeug haben die Männer immer auch einen Kamm und einen Spiegel dabei«, weiß Aguirre. »Es könnte ja sein, dass man neben einer hübschen Kaffeepfückerin arbeitet«. Geübte Erntehelfer bringen es auf 200 Kilogramm am Tag. Vom Lohn könne man ganz gut leben, sagt einer der Bauern, betont aber auch, wie anstrengend die Arbeit ist. Übrigens, drei Kilo Kirschen schrumpfen nach der Verarbeitung zu gerade mal 500 Gramm Röstkaffee.

Auch außerhalb der Erntezeit gibt es viel zu tun. So müssen zum Beispiel Sträucher beschnitten und über 20 Jahre alte Pflanzen gerodet und durch neue Setzlinge ersetzt werden. Und dann müssen die Käfer bekämpft werden, die winzige Löcher in die Kirschen bohren und die Früchte von innen aushöhlen.

Der Rohkaffee wird in Jutesäcken verkauft.

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Zurück zu den reifen Früchten. Zunächst werden sie maschinell gewaschen. Dann ruhen sie gut 30 Stunden in der Sonne. Diese Fermentation verstärkt das Aroma und den Koffeingehalt der Bohnen. Danach werden Fruchtfleisch und Pergamenthäutchen entfernt. Nach dem Polieren, Sortieren und Verlesen kommt der Rohkaffee in Einheiten von 60 Kilogramm in Jutesäcke und wird in alle Welt verkauft.

»Leider sind die meisten Südamerikaner keine Kaffeegourmets. Sie trinken selbst nur wenig Kaffee, und der ›Tinto‹, der klassische kolumbianische Kaffee, der an jeder Straßenecke verkauft wird, ist eher was zum Abgewöhnen«, ärgert sich der Kaffeeexperte. Für ihn braucht es sieben Gramm frisch gemahlenes Pulver für 100 Milliliter Wasser, das aber nicht kochen darf. 90 Grad sind die ideale Temperatur.

»Tinto«, der klassische kolumbianische Kaffee, wird an jeder Straßenecke verkauft, zum Beispiel in mobilen Kaffeestationen auf dem Marktplatz.

»Tinto«, der klassische kolumbianische Kaffee, wird an jeder Straßenecke verkauft, zum Beispiel in mobilen Kaffeestationen auf dem Marktplatz.

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Nachdem Kolumbien wieder als sicheres Reiseland gilt, kommen viele Touristen ins Land und besuchen dabei auch die landschaflich schöne Region des Kaffeedreiecks. »Die meisten Besucher glauben tatsächlich, dass die braune Kaffeebohne schon so am Strauch wächst, wie sie aus der Tüte kommt. Dabei ist es von der Frucht bis zum fertigen Produkt ein langer Weg«, beschreibt Aguirre seine Erfahrungen.

Info

Anreise

Zum Beispiel mit Avianca ab München oder Lufthansa ab Frankfurt direkt nach Bogota. Von dort weiter im Rahmen einer organisierten Rundreise (zum Beispiel mit Hauser-Exkursionen, www.hauser-exkursionen.de) oder individuell mit dem Mietwagen.

Einreise

Ein gültiger Reisepass genügt.
Klima und Reisezeit: In den Monaten Dezember bis März sowie Juli und August ist es überwiegend trocken. Von April bis Juni sowie von Oktober bis November sind normalerweise stärkere Regenfälle zu erwarten.

Übernachtung

Die einfachen, aber sauberen Zimmer in den Fincas des Kaffeedreiecks kosten zwischen 40 und 80 Euro, zum Beispiel »El Bosque del Saman« in Alcala ab 45 Euro, www.bosquedelsaman.com.

Weitere Informationen

Procolombia
Fürstenbergstr. 223
60323 Frankfurt
www.procolombia.co

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