Bühne frei für das große Bauhaus-Jubiläum

Das Thema »Bauhaus« ist derzeit in aller Munde in der Design-Welt. 

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Das Thema »Bauhaus« ist derzeit in aller Munde in der Design Welt.

Das Thema »Bauhaus« ist derzeit in aller Munde in der Design-Welt. 

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Asketisch oder minimalistisch? Das eine mutet negativ, das andere zeitgeistig an. Man kann die Schule des Bauhaus so oder so sehen, aber kalt lässt die »neue Sachlichkeit« von damals keinen. Obwohl sie nur 14 Jahre bestand (von 1919 bis 1933), prägte sie die Zeiten und ist heute aktueller denn je. Der Bauhaus-Gründer Walter Gropius experimentierte mit Kollegen und Schülern im Spannungsfeld zwischen Handwerk, Kunst und Industrialisierung. Sowohl Architektur- als auch Möbelentwürfe stellten die Funktionalität in den Vordergrund und waren doch Gesamtkunstwerke. »Form follows function« – ein Leitspruch, der zwar originär nicht aus der Ära des Bauhauses stammt, aber damit assoziiert wird. Die Gestalter in Weimar prägten ihre Version: »Verzicht auf jegliches Ornament.« Revolution statt Dekoration! Wobei das zumindest in der Architektur nicht mit einem Fehlen von Farbe gleichzusetzen ist. Rot, Gelb und Blau (kein Grün!) kamen neben Schwarz, Weiß und Grau großflächig zum Zug. Aber auch hier ging es nicht um Behübschung. Farbe schafft Struktur – so einfach ist das. Beeinflusst wurde die Schule für Gestaltung massiv vom niederländischen Maler Piet Mondrian, dessen grafisches Color-Blocking heute noch gerne zitiert wird – von Teppichen (z. B. Läufer »Mondrian« von Samuele Mazza) bis hin zu Sesseln (z. B. »Charles Chair« von Marcel Wanders für Moooi).

Stahlrohr und Perlglanz

Aber zurück zur Bauhaus-Bande. Zu Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe (den drei Direktoren), Marcel Breuer, Wilhelm Wagenfeld, Paul Klee, Wassily Kandinsky, den Österreichern Herbert Bayer und Margarete Schütte-Lihotzky. Letztere war zwar nie am Bauhaus, aber vom »Neuen Bauen«, der Erneuerung der Gesellschaft, beeinflusst. Die erste Einbauküche der Welt – die sogenannte »Frankfurter Küche« – geht auf ihr Konto. Überhaupt leisteten die Frauen am und rings um das Bauhaus Gewaltiges, stiegen aber nur selten innerhalb der Schule auf und landeten allzu oft in der Weberei. Heute will man das – wenig überraschend – nicht mehr so stehen lassen, und so zollt etwa Möbel-fabrikant Walter Knoll der Textilkünstlerin Anni Albers Tribut – der Stoff »Anni« ziert den »Votteler Chair« (ein Midcentury-Stück). Von wegen Materialien: Neben Chrom und Alu­minium dominierte vor allem das Stahlrohr das Bauhaus. Und wer Stahlrohr sagt, muss auch Freischwinger hinterherschicken. Der hinterbeinlose Stuhl wurde zur Ikone, zum absoluten Designklassiker. Der erste Entwurf wird Mart Stam zugerechnet, sowohl Marcel Breuer als auch Mies van der Rohe entwickelten das gute Stück weiter. Das Unternehmen Thonet vertreibt die »Jahrhunderterfindung« (O-Ton auf der Website) mit den etwas komplizierten Urheberrechtsangaben bis heute – anlässlich des 100-Jahre-Bauhaus-Jubiläums in einer slicken Re-Edition. Das Designduo Besau-Marguerre verpasste dem »S 533 F« von Ludwig Mies van der Rohe Armlehnen und pimpte ihn mit Perlglanzchrom und anthrazitfarbenem Leder. Re-Editionen: ein großes Thema in Sachen Bauhaus. Auch Marcel Breuers Stuhl »D4« und der »Beugel Stoehl« erfreuen sich zeitgemäßer Interpreta­tionen. Was dabei auffällt: Die einst verpönten Ornamente, die Muster, sie sind jetzt erlaubt. Bei den Re-Editionen, aber mehr noch bei den Hommagen ohne direkten Bezug. Das »Ardent Sofa« von Kelly Wearstler etwa – eine Explosion der Farben und Muster und dennoch eine klare Referenz. Dazu kommen gerne Materialen der Jetztzeit, wie etwa Messing (z. B. Gesa Hansens Sideboard »Back to Bauhaus«). 

Auch das Unternehmen Tecta, das 30 Bauhaus-Ikonen führt, huldigt – genauso wie das Gestalter-Kollektiv der Zwischenkriegszeit – dem Experiment. Unter dem Titel »bauhaus nowhaus« dürfen die Jungen im Thinktank Hand anlegen und interpretieren. Da wird Stahlrohr gespalten und Holz in Glanzlack getaucht. Warum auch nicht? Denn Fakt ist: Nostalgie ist einfach, aber nicht im Sinne des World Wide Weimar.

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