Budget Politik

Die Hotelkette »Motel One« betreibt in der Nähe der Staatsoper eines ihrer sechs Häuser in Österreich.

© Franz Pflügl

Die Hotelkette »Motel One« betreibt in der Nähe der Staatsoper eines ihrer sechs Häuser in Österreich.

© Franz Pflügl

Like the price, love the design.« So lautet das Schlagwort der deutschen Hotelkette »Motel One«, die auch in Österreich mit derzeit sechs Häusern vertreten ist. Das sagt eigentlich schon alles über das Unternehmen: Günstige Preise und dennoch ansprechendes Design sind die Eckpfeiler der Strategie der Firmengründer Dieter Müller und Ursula Schelle-Müller, die 2000 ihr erstes Hotel in Offenbach am Main eröffneten. Heute gilt »Motel One« als einer der Vorreiter jenes Trends am Hotelsektor, der mit Budget-Hotels nur unzureichend beschrieben werden kann. Denn immer noch denken viele Reisende bei diesem Begriff an gesichtslose, austauschbare Hotels mit wenigen Sternen, die in verruchten Gegenden mit lieblos eingerichteten Zimmern um die preisbewusste Kundschaft buhlen. 

Design dominiert

Vor wenigen Wochen eröffnete in Berlin das »Motel One Berlin-Upper West«. 580 Zimmer und viel Design brachte man unter. 

© Stefan Maria Rother

Dass Gäste auch bei kleinem Budget heute hohe Ansprüche an Komfort und Design stellen, war die wohl wichtigste Erkenntnis der »Motel One«-Gründer. In Zeiten von Airbnb erwartet man eben eine gewisse Individualität der Unterkunft, gerade bei Städtereisen. Wie das »Motel One« konkret macht, zeigt das Beispiel einer vor Kurzem erfolgten Hotel­eröffnung in Freiburg: In der Stadt im Schwarzwald, rund 200 Kilometer von ­Bregenz entfernt, gibt es seit Kurzem ein Hotel dieser Kette mit rund 250 Zimmern, die pro Nacht ab 69 Euro kosten. Das Design wurde der Umgebung angepasst: Boden aus Eiche und Naturstein, silbern beschichtete Wände (wegen der Silberbergwerke), Holzschindeln und sanfte Beleuchtung sollen Naturromantik aufkommen lassen. Die 13 Kuckucksuhren – allesamt handgefertigte Unikate – in der Lobby unterstreichen das.

»Die Zeiten von Ekelspannteppichen sind vorbei. Preis-bewusste Reisende stellen heute hohe Ansprüche an Design und Komfort.«

Ein anderes Beispiel ist das neue »Motel One Berlin-Upper West«, das rund 580 Zimmer mit Preisen ab 79 Euro pro Nacht anbietet. Das Design-Motto lautet »Cinema« und ist, no na, auf die Filmstadt Berlin ausgerichtet. Das Ganze wurde unter anderem durch die Kooperation mit dem Ledermöbelspezialisten Baxter umgesetzt; es gibt eine Cinema-Lounge und historische Filmkameras. In den Zimmern selbst zieren Schauspielerporträts von Jim Rakete die Wände, es gibt Ledersessel von Freifrau und Steh-leuchten von Artemide. Klingt cool, soll es auch sein – typisch Berlin eben. Das alles sind Details, die man so gar nicht mit günstigen Preisen verbindet – vielmehr waren es davor Ekelspannteppiche, funktionslose Beistelltische und 08/15-Kästen, die preisbewusste Reisende in Kauf nehmen mussten. Es erscheint daher gar nicht verwunderlich, dass »Motel One« weiter expandiert und zu den derzeit 60 Hotels mit 16.500 Zimmern ständig neue dazukommen. Auf 80 Hotels will die Kette anwachsen, in Österreich ist unter anderem ein neues Haus in Linz in Bau, auch Graz und Innsbruck sind bereits fix eingeplant.

Eines von weltweit 23 »Moxy Hotels« gibt es in der Nähe des  Wiener Flughafens. Die Kette engagierte Design-Experten, die eine neue Sachlichkeit umsetzten.   

Foto beigestellt

Andere wollen da nicht tatenlos zusehen. So kombiniert beispielsweise die »Marriott«-Kette mit ihren »Moxy Hotels« ebenfalls Design und Budget. Es wurden nach eigenen Angaben einige der weltbesten Design-Teams engagiert, deren vorrangige Aufgabe es war, die ganzen unnötigen Platzhalter aus den Zimmern zu verbannen und Platz für das wirklich Wichtige zu schaffen, zum Beispiel extragroße Betten. Weltweit gibt es derzeit 23 »Moxy Hotels«, eines davon in Österreich (»Moxy ­Airport Vienna«), im kommenden Jahr soll die Expansion kräftig vorangetrieben werden.

Traditionell sind auch die »Ibis Budget«-Hotels eine Möglichkeit, vergleichsweise preisgünstig zu übernachten. »Ibis« ist die größte Hotelkette in Europa und gehört zum Accor-Konzern. Früher befanden sich die Budget-Häuser dieses Anbieters vor allem in gut erreichbaren, aber unattraktiven Lagen wie in Industriegebieten oder nahe der Autobahn – zunehmend dringen die Hotels aber auch in interessantere Innenstadtzonen vor. In Österreich gibt es in Wien zwei Hotels dieser Art, außerdem je eines in Graz und Salzburg. Etwas hochpreisiger, dafür ansprechender sind die Häuser der Marke »Ibis Styles«. Der Design-Faktor wird jedenfalls für Hotelketten mit einem hohen Anteil an Städtereisenden immer wichtiger, das haben auch andere Großanbieter längst erkannt: »Best Western« will mit seiner Marke »Vib« im Bereich der Urban-Boutique-Hotels Land gewinnen. Das Motto dabei: viel Design, viel Schick, wenig Schnickschnack – und niedrige Preise. 

Der Markt wächst

Die Hotelkette »Ibis« hat mit der Marke »Ibis Styles« auch ein leicht kostenintensiveres Angebot. Auf Style legt man umso mehr Wert, wie das Hotel in Kuta auf Bali zeigt.

© Agus Darmika

Der Konkurrenzkampf wird dadurch jedenfalls noch härter, nicht nur wenn es um Wochenendreisen von Familien oder Freundesgruppen geht: Vorwiegend Geschäftsreisende mit Design-Ansprüchen haben beispielsweise die »B&B Hotels« im Visier, von denen es bereits 390 Standorte in Europa gibt, davon alleine 250 in Frankreich – was nicht verwunderlich ist, denn diese Marke gehört zu einer französischen Hotelgruppe. Minimalismus lautet hier das Grundkonzept, verzichtet wird unter anderem auf Restaurants oder bisweilen auch auf Rezeptionen – Check-in und Check-out werden vielfach am Automaten durchgeführt. Dafür können die Gäste sicher sein, dass sie modernes Design und funktionelle Annehmlichkeiten in den Zimmern vorfinden. Weil genau das offenbar tatsächlich gewünscht wird, will »B&B« in den kommenden Jahren kräftig expandieren, vor allem in Deutschland. So ist unter anderem ein Hotel in Magdeburg geplant.

Die »B&B Hotels« haben in Europa 390 Standorte. Die Zimmer in der Banker-Stadt Frankfurt sind mit Geld tapeziert.

Foto beigestellt

Ein etwas anderes Beispiel aus dieser Kategorie sind die »a-ja Resorts«, die zugleich den Beweis antreten wollen, dass die Zauberformel »Budget plus Design ist gleich Expansion« nicht unbedingt auf Städte konzentriert sein muss: Leistbarer Wellnessurlaub lautet das Motto dieser Kette, die derzeit zwar nur drei Hotels in Deutschland hat, für nächstes Jahr aber insgesamt sechs neue geplant hat. Die Besonderheit: Es gibt zwei Tarifklassen zur Auswahl, die entweder diverse Inklusivleistungen umfassen oder nur das Basisprogramm enthalten. Mit einem ersten Hotel in Zürich dringt »a-ja« nun auch in Städte vor. Uns kann das nur freuen: je mehr Konkurrenz, desto mehr Design.

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