Weinland Montalcino: Während in den Tallagen vorwiegend Weizen angebaut wird, prägt in den höheren Hügellagen die Rebe die Landschaft
Weinland Montalcino: Während in den Tallagen vorwiegend Weizen angebaut wird, prägt in den höheren Hügellagen die Rebe die Landschaft / Foto: Corbis

Bei der Ankunft auf dem Weingut Il Paradiso di Frassina an der nördlichen Grenze des Anbaugebiets kommt Verwunderung auf: Feine Klänge klassischer Musik erklingen. »Questo è Mozart!« – das ist Mozart –, begüßt Carlo Cignozzi, Eigentümer des Weingutes, freudestrahlend seine Gäste. Cignozzi ist unter den Brunello-Produzenten fast schon ein alter Hase: Bereits zu Beginn der Siebzigerjahre hatte der Anwalt mit Kanzlei in der Innenstadt von Mailand ersten Kontakt zu Montalcino und dem Brunello. Mit Gleichgesinnten gründete er Caparzo, das schon bald zu den führenden Weingütern in Montalcino zählte. Mitte der Neunzigerjahre verkaufte Cignozzi seinen Anteil an Caparzo und zog sich zunächst völlig aus Montalcino zurück.

Macht der Musik
Kurze Zeit später machte er sich wieder auf die Suche nach einem neuen, kleineren Weingut und fand eine alte, schon etwas baufällige Fattoria, umgeben von Weingärten.

Die wa­ren zwar schon länger nicht mehr bearbeitet worden, das hatte aber den Vorteil, dass den Böden die »Segnungen« der modernen Landwirtschaft – Insektizide, Pestizide und Herbizide – erspart geblieben waren. Carlo Cignozzi war klar, dass sein neues Weingut ausschließlich nach biologischen Kriterien ­bewirtschaftet werden sollte. Er hatte immer schon eine große Liebe zur Musik, und aus­gehend von der Überlegung, dass Musik auf Tiere eine stimulierende Wirkung hat, wollte er das Prinzip auch auf die Pflanzen übertragen.

Mithilfe eines befreundeten Technikers platzierte er in einem Weingarten mehrere Lautsprecher, aus denen rund um die Uhr Musik erklang. Schon bald konnte er fest­stellen, dass das Wachstum besser war und Schädlinge in bedeutend geringerem Maße auftraten. Seit 2005 interessieren sich auch Wissenschaftler der Universitäten von Florenz und Pisa für das Projekt. Der renommierte Lautsprecherhersteller Bose bekam Wind von der Sache und stattete das Weingut mit seinen Lautsprechersystemen aus. »Für mich kam das ganze Interesse unerwartet, aber nicht ungelegen«, schmunzelt Cignozzi. Er nimmt es leicht, dass ihn Kollegen mitunter belächeln und das Ganze als Marketing-Gag abtun. »Neue Ideen«, so Cignozzi, »haben gerade in der Landwirtschaft schon immer etwas länger gebraucht, sich durchzusetzen.«

Wengüter Loacker leisteten Pionierarbeit
Rainer Loacker war einer der Pioniere des Bioweinbaus. Seit den Siebzigerjahren baut er auf seinem Schwarhof in Südtirol die Weine nach biologischen Richtlinien aus. 1996 erstand die Familie das Weingut Corte Pavone in Montalcino, das heute von den Söhnen Hayo und Franz geführt wird. Auf den 17 Hektar Fläche setzte Rainer ­Loacker alle Erfahrungen, die er in Südtirol gewonnen hatte, um. Heute arbeiten die ­Loackers auf ihren Weingütern biologisch-dynamisch und begleiten die Rebe mit homöopathischen Mitteln anstelle von Pestiziden.

»Alle Pflegemaßnahmen sind prophylaktischer Natur«, sagt Hayo Loacker. Schwefel und Kupfer werden nur in minimaler Konzentration eingesetzt. Bei Kälte, Hitze und in sons­tigen Stressperioden wird die Rebe mit homöopathischen Mitteln unterstützt. Hornmist und Hornkiesel führen dem Boden Energie zu, verschiedene Mikroorganismen sollen die Rebe resistent machen. Vor wenigen Jahren errichteten die Loackers einen neuen, rundum verglasten Degustationssaal. Vor der einladenden Kulisse von Montalcino, das Städtchen liegt auf dem Hügel gegenüber, kann man in dem lichtdurchfluteten Raum die Weine von Corte Pavone ausgiebig probieren.

Ein Deutscher in Montalcino
Auch das Weingut Pian dell’Orino hat Südtiroler Wurzeln. Caroline Pobitzer stammt aus Meran und hatte bis Ende der Neunzigerjahre mit Wein nur wenig zu tun. Ihr Vater kaufte 1997 das Weingut und wollte dort Brunello
erzeugen. Kurzerhand schickte er die Tochter nach Montalcino, um nach dem Rechten zu sehen. Caroline fand Geschmack am Landleben, wollte ihrem Vater beweisen, dass sie sich auch unter der von Männern geprägten Winzerschaft durchzusetzen weiß, und blieb. 2000 holte sie sich den Deutschen Jan Erbach, der damals noch auf Corte Pavone tätig war, als Berater ins Haus. Heute sind die beiden ver­heiratet und führen das Gut gemeinsam.

Pian dell’Orino liegt gleich neben Biondi Santi, jenem Weingut, auf dem der Brunello einst erfunden wurde. Ein Teil der insgesamt sechs Hektar Land befindet sich unmittelbar ums Haus, der größere Teil liegt etwas weiter südlich bei Barbi. Im Keller hält Jan Erbach die Partien der verschiedenen Parzellen bis zur Füllung getrennt. »So kann ich die Eigenheiten der einzelnen Lagen besser kennenlernen«, sagt er. Schon in naher Zukunft möchte er nicht mehr nur einen, sondern zwei Lagen-Brunellos anbieten. Erbach ist überzeugt, dass gerade die Sangiovese-Traube minimale Lagenunterschiede bestens zum Ausdruck bringen kann. Als Beweis bietet er mir Proben der einzelnen Fässer an. Die Unterschiede sind beträchtlich. Zum Teil ist das wohl auf die verschiedenen Hölzer zurückzuführen, jedoch nicht nur. Nach der 15. Probe ist die Zunge vom rauen Tannin gegerbt. Doch ein herrlich seidiger Rosso di Montalcino kann mit Wein wieder versöhnen.


Den vollständigen Text lesen Sie im Falstaff Nr. 2/2011.

> Zu den Verkostungsnotizen


Text von Othmar Kiem

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