Brit Chic – Get the look!

Briten lieben eine bunte Mischung an Stileinflüssen, die den Brit-Chic kreieren. 

© 40Winks

Briten lieben eine bunte Mischung an Stileinflüssen, die den Brit-Chic kreieren. 

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Ein multifunktionaler Meltingpot an Stilrichtungen macht den Brit-Chic so unverwüstlich wie aufregend. Wie holen Sie sich die originellsten Möbel nachhause? Alle Details in unserem Brit-Chic Special ...

Was ist Brit-Chic eigentlich?

Wenn wir in Stilsachen an Brit-Chic denken, denken wir an Klasse, Etikette und einen gewissen royalen Touch. Schlichtweg an die Queen persönlich, wie sie auf Windsor Castle ihre Corgis spazieren führt. Doch Design auf Englisch ist weitaus mehr als überladene Möbel, steifer Einrichtungsstil und konservatives Flair. Ein bisschen Landhausstil, ein bisschen Industrial und auch gerne einige orientalische Einflüsse können mit dem facettenreichen und stets mondänen Interior-Style verbunden werden. Engländer spielen gerne mit ihrem eigenem Image und nehmen sich selbst nicht zu ernst. Die Union Jack Flagge ist das beste Beispiel dafür.  

Ein weiteres wesentliches Merkmal für den Englischen Interior Style ist der geerbte Look. Dem stilvollen Engländer ist ein in einer einzigen Stilrichtung bzw. -epoche durchgestyltes Haus ein Gräuel. Alt und Neu wird gemixt, aber genauso Alt und Alt aus verschiedenen Epochen. Eine allzu große Übereinstimmung bzw. Abstimmung der Farben, Muster und Designs ist gar nicht gewünscht, würde dies doch wieder verraten, dass man sein Interieur nicht wirklich ererbt hat. Gebrauchsspuren werden nicht wegrestauriert. Rotweinspritzer, Hundehaare auf Sofas und Kratzer im Holz stören die Gemütlichkeit nicht. Falls doch einmal eine neue Polsterung eines Sofas nötig werden sollte, greift der Engländer auf Restorer oder Conserver zurück, die jedes Detail originalgetreu restaurieren. Perfektion ist nicht erwünscht.

Gibt es verschiedene Stilrichtungen?

Brit-Chic kommt in vielen Facetten (und Sprachen) daher und das Bild von üppiger Deko, Textilienoverload und Mustermix trifft zwar zu, ist aber längst nicht alles, was Brit-Chic zu bieten hat. Hier das Stilresümee der Falstaff LIVING Redaktion: 

Welche Regeln gibt es?

Durch die vielen Stile und Einflüsse gibt es prinzipiell keine Regeln. Der edle Kolonialstil, der rustikale Country-Stil oder das trendige Industrial-Design kommen allesamt aus dem Vereinigten Königreich Großbritanniens (siehe Slideshow). Der britische Lebensstil ist demnach alles andere als verstaubt. Vielmehr zeichnet er sich durch ein lockeres Nebeneinander verschiedener Stilrichtungen der unterschiedlichsten Epochen aus. Doch egal welcher Stil – bei einem sind sich die Briten einig: Langeweile geht gar nicht. So wie in der Mode leben die Briten nach der Divise »mix & match«. Besonders experimentierfreudig sind sie mit Stoffen und Tapeten. Diese spannende Mixtur ergibt ein fulminates Gesamtbild.

Um etwas Ruhe in die verschiedenen Stilrichtungen zu bringen nutzen die Briten sehr viel Symmetrie bei der Wohnraumplanung. Ein bzw. mehrere Mittelpunkte werden in jedem Raum festgelegt, idealerweise ist dies der Kamin (aber keinesfalls ein elektrischer!), welcher meist schon so im Raum platziert ist, dass Wände, Fenster und Türen einen Mittelpunkt ergeben. Falls ein Kamin fehlt, kann man denselben Effekt mit einer Anrichte oder einem schmalen Tisch erzeugen. Um diesen Mittelpunkt herum wird dann alles andere symmetrisch angeordnet. Sofas und Tischchen werden mittig im Raum aufgestellt, Lampen, Bilder, Spiegel, Kerzenleuchter meist paarweise gekauft. Einzelobjekte finden mittig ihren Platz auf Kaminsimsen, Tischen oder Anrichten.

Diese Symmetrie erfüllt aber durchaus ihren Zweck: Paarweise angeordnete Sofas und Sessel laden zum Hinsetzen und Plaudern ein, ist doch das englische Haus auch immer Repräsentationsobjekt, in dem gern, viel und oft Gäste empfangen werden. Wichtig ist es aber, die Symmetrie nicht bis zur Perfektion zu treiben, da sonst ein Raum, in dem wirklich alles bis zu letzten Detail mittig bzw. symmetrisch steht, auch schnell etwas langweilig wirken kann.

Gibt es Grundelemente?

Engländer sind ganz verrückt nach Flohmärkten und Antiquitäten. Geht nicht, gibt’s nicht. Eine lustige Tapete im Entree eines Hauses, die Bibliothek im knalligen rot. Die eher konservative Fraktion hält es aber auch elegant und klassisch. Bestes Beispiel dafür ist das Chesterfield-Sofa. Das wuchtige Möbel in antikem Look aus dickem Leder und mit den typischen Nieten ist ein Design-Klassiker, der sofort an ein altes Landschloss mit stilechter Bibliothek denken lässt. Perfekt harmoniert dazu ein Regal im Vintage-Look, das mit Klassikern der englischen Literaturgeschichte – zum Beispiel von William Shakespeare, William Blake oder Jane Austen – bestückt ist. Mit einer Bibliothekslampe aus Messing und grünem Glasschirm, einem großen Perserteppich sowie einem Kamin fühlt man sich im eigenen Wohnzimmer wie in einem klassischen Manor-Herrenhaus.

Wer es etwas moderner mag, der liegt mit einem Teppich mit eingeknüpftem Union Jack genau richtig. Kunst und Skulpturen peppen dann das englische Townhouse zusätzlich ordentlich auf. Neonfarbene Highlights und ultramodern-minimalistische Möbel sucht man hierbei vergeblich.

Ein absoluter Brit-Chic Klassiker: Das Chesterfield Sofa.

© www.chesterfields.co.uk

Welche Farben und Muster werden verwendet?

Auch bei diesem Thema legen sich die Engländer nicht fest. No risk, no fun. Dunkle Farben genießen neben knalligen Akzenten einen hohen Stellenwert. Wer nun allerdings befürchtet, der Brit Style bestehe nur aus alten Klassikern, die schnell wuchtig wirken können, der kann eines Besseren belehrt werden. Denn der Look bedient sich noch weiterer Elemente, wie zum Beispiel Versatzstücken des bekannten Landhausstils. So setzt zum Beispiel das Schlafzimmer mit einem großen, gemütlichen Bett einen Kontrapunkt zum eher gediegenen, dunklen Wohnzimmer. Hier kann man mit verschiedensten Blumenmustern spielen. Vorhänge und Bettwäsche mit einem Druck aus Teerosen sind »very british« und korrespondieren perfekt mit einem großen Kleiderschrank aus Teakholz.

In Verbindung mit puderigen Pastelltönen an den Wänden erinnern sie an das typische Landleben an den Küsten von Cornwall – Rosamunde Pilcher lässt grüßen. Passende Accessoires schaffen eine herrliche Atmosphäre. Man sollte allerdings aufpassen, dass der Gesamteindruck nicht allzu verspielt wirkt! Die Briten haben zwar etwas für Kitsch übrig, aber in einer Puppenstube möchten auch sie nicht leben. Also lieber mit einzelnen Dekoartikeln für ein Highlight sorgen, anstatt sich mit zu vielen Accessoires zu überlasten.

Denkt man an die britischen Inseln, kommt aber auch noch ein weiteres Stilelement in den Sinn: das Karomuster. Der korrekte Begriff lautet allerdings »Tartan« und stammt von den Schotten. Sie trugen schon vor Jahrhunderten dieses typische Muster auf ihren Kilts. Dabei hatte jeder Clan ein eigenes sogenanntes »Check«, dass die Herkunft zeigte. Es ist also als eine Art Abwandlung eines Familienwappens zu verstehen. Wer mutig ist, verziert eine ganze Wand mit einer entsprechenden Tapete. Für den Anfang tut es jedoch schon eine Karo-Decke über dem Chesterfield-Sofa. So holt man sich einen Touch schottischer Tradition in die Wohnung.

Das Kissen von Vivienne Westwood ist ein tolles Beispiel für Tartan Muster mit einem gewissen Twist.

© www.therugcompany.com

Was gibt es Neues?

In England gibt es viele spannende Kollaborationen zwischen der Mode- und Interiorwelt. Vivienne Westwood, Paul Smith und Alexander McQueen sind nur einige Prominente Beispiele. Wir haben die spannendsten Projekte für Sie im Überblick:

Kate Moss x De Gournay

Immer wieder Kate. Das nicht umzubringende Top-Model Kate Moss hat jetzt ihre erste eigene Tapete designt. Die Edelstoff-Schmiede De Gournay weiß, was sie tut.

© De Gournay

TRC20 The Rug Company

Anlässlich des 20. jährigen Firmenjubiläums von The Rug Company entwarfen Top-Designer wie Paul Smith, Alexander McQueen, Vivienne Westwood, Kelly Wearstler und Suzanne Sharp die Capsule Collection »TRC20«.

© Alexander McQueen x The Rug Company

Galvin Brothers x The White Company

Die Galvin Brothers tun sich um. Die handgefertigte Capsule Collection für The White Company ist ihr aktueller Coup. Die Design-Schmiede aus Yorkshire verarbeitete nur Eiche für ihre Entwürfe. 

© Galvin Brothers x The White Company

Sophie Ashby

London hat einen neuen Upcoming-Star in der Interior-Szene. Schlange für Tipps steht man derzeit bei der jungen Britin Sophie Ashby, die mit Trend- und Raumgespür überzeugt.

© Studio Ashby

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