Die Appellation Graves liegt im Süden Bordeaux, links des Flusses Garonne zwischen dem Stadtrand und Sauternes. Hier wurde bereits wesentlich früher mit dem Weinbau begonnen als im damals noch sumpfigen und unwirtlichen Médoc. Bereits im 12. Jahrhundert wurde von hier Wein nach England exportiert und man kann zu Recht behaupten, dass Weine aus dieser Zone den frühen Ruhm Bordeaux begründeten. Im Jahr 1663 trägt Samuel Pepys in London in sein berühmtes Tagebuch ein, er habe einen »Ho Bryan« verkostet und meinte damit einen Haut-Brion, der auch unter dem Namen seines Besitzers Pontac zum Synonym für guten Claret wurde. Der Name Graves leitet sich von den Schotterböden ab, die hier gemischt mit Sand und Lehm dominieren und die Weine prägen. Das Graves ist flächenmäßig größer als das Médoc, erzeugt aber deutlich weniger Wein und weist weniger klassifizierte Gewächse auf. Eine erste offizielle Klassifikation erfolgte erst 1953, im Jahr 1959 wurde diese bestätigt. Im Jahr 1987 wurde aus dem Graves die Unterappellation Pessac-Léognan herausgelöst, wo die besten, und jenen des Médocs recht ähnliche Weingärten zu finden sind. Die Haut-Brions oder Pape Cléments zählen zu diesen, sie liegen heute samt ihren Weingärten mitten in der Stadt Bordeaux. Klimatisch sind die südlichen Gefilde natürlich begünstigt, das wärmere Wetter gibt dem Graves gegenüber den nördlichen Anbauzonen oft bis zu zwei Wochen Vorsprung. Die tiefen Kiesböden bieten auch bei stärkeren Regenperioden einen Vorteil, weil sie das überschüssige Wasser besser ableiten.

Die Fortsetzung der Verkostungen der gefüllten klassifizierten Gewächse des linken Ufers in Bordeaux fand im Jänner 2014 auf der Domaine de Chevalier statt, wo sowohl die weißen wie roten Crus Classés aus Graves blind probiert wurden. Ergänzend wurde auch Château Haut-Brion ein Besuch abgestattet, um 2011 gefüllt zu probieren und, das will ich nicht verhehlen, die genialen beiden 2010er von Haut-Brion und La Misssion Haut-Brion wieder zu erleben, die ganz ohne Zweifel zum besten zählen, was der ohnehin große Jahrgang hervorgebracht hat. Sehr gut wie immer präsentierten sich Pape Clément, Smith Haut-Lafitte, die Domaine de Chevalier und Haut-Bailly, wobei letzter Wein im Jahrgang 2011 schwierige Muster vorlegte und aus diesem Grund nicht bewertet wurde. Ich werde das Weingut im April besuchen und dann den gefüllten Haut-Bailly 2011 nochmals nachverkosten. Die Weingüter in der Appellation Graves haben stark in die Qualität investiert, Bemühungen die ohne Zweifel erste Früchte tragen. Auffällig sind die Steigerungen bei Château Olivier und Bouscaut, die immer konstanter sehr gute Weine in einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten können.


FALSTAFF EXPERTENTIPPS

La Clarté de Haut-Brion blanc 2011 / Foto beigestellt
La Clarté de Haut-Brion blanc 2011 / Foto beigestellt

92
La Clarté de Haut-Brion blanc 2011
Helles Grüngelb, Silberreflexe. Zart rauchig-kräuterwürzig unterlegte Nuancen von rosa Grapefruit, nussiger Touch, ein Hauch von Stachelbeeren. Saftig, reife gelbe Tropenfrucht, nach Kapstachelbeeren und Passionsfrucht, feiner Säurebogen, zart nach Honig im Finale, bereits gut antrinkbar, elegant und vielseitig als Speisenbegleiter.
Noblesse oblige: für rund 60 Euro kein ganz billiger Wein, aber dafür aus bestem Hause.


Château de Fieuzal 2011 / Foto beigestellt
Château de Fieuzal 2011 / Foto beigestellt


92
Château de Fieuzal 2011
Dunkles Rubingranat, violette Reflexe, dezente Randaufhellung, intensive Röstaromen, ein Hauch von Karamell, mit frischen Preiselbeeren unterlegtes Bukett. Saftig, elegante Textur, zarte Extraktsüße, feine Tannine, gute Frische, schokoladiger Touch im Abgang, dunkle Mineralik, Nougat im Rückgeschmack, sicheres Reifepotenzial.
Viel Bordeauxspaß für unter 30 Euro.


Château Olivier 2010 / Foto beigestellt
Château Olivier 2010 / Foto beigestellt
93
Château Olivier 2010
Dunkles Rubingranat, violette Reflexe, dezente Randaufhellung, angenehme dunkle Beerenfrucht, ein Hauch von Nougat, kandierte Orangenzesten, zart nach Dörrfeigen. Kraftvoll, wieder zart nach Dörrfeigen, schokoladige Textur, präsente, gut eingebundene Textur, bleibt gut haften, gute Extraktsüße, im Moment noch etwas monolithisch, frischer Säurebogen unterlegt, bleibt gut haften, süßer Rückgeschmack, sicheres Zukunftspotenzial.
Einer der Preis-Leistungs-Hits aus diesem tollen Jahrgang, kostet mit Glück nur knapp über 22 Euro – da lohnt sich die Suche wirklich.




Zu den Verkostungsnotizen

Pessac – Graves Grands Vins 2010 Rouge
Pessac – Graves Grands Vins 2011 Rouge
Pessac – Graves Grands Vins 2011 Blanc




Weitere Bordeaux-Arrivages Jahrgang 2011
Barsac & Sauternes
St. Julien
Margaux
St. Estèphe
Pauillac

Text von Peter Moser

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