Blumendeko: Eine Frage des Stiels

Tradition: Der Geschichte des »Hotels Sacher« zollt Andreas Bamesberger ganz bewusst Tribut: Seine Arrangements fürs Haus sind klassisch mit modernem Twist.

© Lukas Lorenz

Tradition: Der Geschichte des »Hotels Sacher« zollt Andreas Bamesberger ganz bewusst Tribut: Seine Arrangements fürs Haus sind klassisch mit modernem Twist.

© Lukas Lorenz

Sie vermitteln den Gästen das Gefühl, nicht nur willkommen, sondern auch etwas ganz Besonderes zu sein – und das schon seit Zeiten, in denen noch niemand von Customer Experience und Corporate Design gesprochen hat. Der ­Glaube an den Wohlfühlfaktor Pflanze geht so weit, dass an der Rezeption des »Hyatt ­Century City« in L.A. neuerdings ein ganzer Wagen voll Blumen wartet. Hier können die Gäste beim Einchecken aus Tulpen, Marge­riten, Chrysanthemen und Sonnenblumen ihr ganz persönliches Arrangement für ihren Aufenthalt zusammenstellen.

Die Lobby ist auch ohne Selbstversorger-Wagen einer jener Bereiche, denen Floristen bei ihrer Arbeit am meisten Aufmerksamkeit schenken. »Wir arbeiten oft mit floralen Leitsystemen, die den Gast durchs ganze Haus begleiten. Ausgehend vom Eingangsbereich zieht sich dann etwa eine Farbe, eine Blüte oder auch eine Gestaltungsart durch das ganze Haus«, verrät Andreas Bamesberger, der in Wien unter dem Namen Zweigstelle florale Konzepte der Sonderklasse entwirft. Die sind mit viel Fingerspitzengefühl auf die Identität des jeweiligen Hauses abgestimmt – während er im »Sacher« der vielseitigen Geschichte des Hotels in seinen Kunstwerken entsprechend Tribut zollt, verfügt er im »Park Hyatt« über mehr Raum, um zu experimentieren. Die weitläufigen Räumlichkeiten des ehemaligen Bankgebäudes bieten den geeigneten Rahmen für den einen oder anderen Stilbruch und das Hotel darf sich damit rühmen, den aufwendigsten Blumenschmuck der Hyatt-Gruppe europaweit sein Eigen zu nennen.

Make memories. Ein Arrangement mit Wow-Effekt im Eingangsbereich bleibt dem Gast stärker in Erinnerung als 08/15- Blümchen im ganzen Haus.

Doch es muss nicht immer extravagant sein – auch unter dem Motto »Weniger ist mehr« lassen sich Blumen aufregend in Szene setzen. Voraussetzung ist hier, dass man sich für einige Key Pieces entscheidet. Ein Arrangement mit Wow-Effekt im Eingangsbereich bleibe dem Gast stärker in Erinnerung als 08/15-Blümchen im Speisesaal, ist sich Bamesberger sicher. So würden es auch Häuser mit kleinerem Budget schaffen, das Thema Blumenschmuck ästhetisch ansprechend zu lösen. Einzig eines gilt es zu beachten: Blumen kosten Zeit. Als lebender Werkstoff wollen sie nicht nur bewundert, sondern hin und wieder auch gepflegt werden – in welchem Ausmaß, hängt von der jeweiligen Pflanzenart ab. Doch alle paar Tage braucht es einen Wasserwechsel, geschnittene Stiele verlängern die Haltbarkeit.

Polarisierung des Marktes

»Wenn es im Haus jemanden gibt, der gerne mit Blumen arbeitet, erleichtert das unsere Arbeit ungemein«, meint Thomas Simon dazu. Er beliefert mit seinem Unternehmen Bloomerei Betriebe in ganz Österreich. Im Weinviertel stationiert, verhilft er mit seinem Versand auch Häusern in abgelegenen Gebieten oder Orten, in denen kein Florist ansässig ist, zum gewünschten pflanzlichen Aufputz. Anfangs stammten die Bloomerei-Blumen noch allesamt aus der eigenen Gärtnerei, inzwischen ist die Nachfrage so gestiegen, dass man mit Betrieben aus der Region kooperiere. Nur bei Sonderwünschen der Kunden greife man auf die Angebote des internationalen Markts zurück, beschreibt Simon die Entwicklung seit dem Launch des B2B-Modells vor etwa vier Jahren. »Gerade bei Designhotels beobachten wir, dass der Blumenschmuck oft schon vom Designer mitgedacht wurde – da gibt es genaue Vorgaben. Andere Häuser haben wiederum mehr Freiheiten und probieren immer wieder mal was Neues.«

Insgesamt beobachtet er eine Polarisierung des Markts. Während früher beinahe jedes Haus über eine Art von Blumenschmuck verfügt hat, gibt es heute beides: Die einen lassen die Blumen ganz weg, andere wollen immer ausgefallenere Kompositionen. Sophisticated oder klassisch: Die Pflanzen der Bloomerei werden stark gekühlt und lichtgeschützt gelagert, oft wird mit dem Kunden noch per Fotoaustausch das letzte Feintuning vorgenommen, bevor sich die Blumen auf die Reise machen. Auf dem Weg zum Bestimmungsort erwachen sie langsam aus ihrem Dornröschenschlaf und erfreuen bei Ankunft die Gäste in voller Pracht.

Zauberhaft: Die Installation am Eingang zum »Salonplafond« ist ebenso unkonven­tionell und aufsehenerregend wie das dort kredenzte Essen.

© Lukas Lorenz

Gewusst wie: Blumendeko

KARRIERE hat sechs Tipps für gelungene Blumendeko:

  • Künstliche Aufreger.
    Kunstblumen gelten nach wie vor eher als No-Go – auch wenn sie hochwertig ­verarbeitet sind. Möchte man aus Budgetgründen doch darauf zurückgreifen, sollte das als klares Stilbruch-Statement erfolgen und nie in Kombination mit dem lebendigen Original.

  • Solo.
    Wer überschaubare Mittel zur Verfügung hat, kann den Blumenschmuck monochromatisch gestalten. So wird Geld gespart und trotzdem Eindruck gemacht.

  • Es werde Licht.
    Aber bitte nicht zu viel. Direktes Sonnenlicht und dadurch entstehende Hitze strapazieren Schnittblumen unnötig und lassen sie schneller welk werden.

  • Mit dem Messer geht’s besser.
    Stiele ­freuen sich, wenn man sie mit einem scharfen Messer kürzt anstatt mit der Schere.
    Beim Scherenschnitt werden die Pflanzen gequetscht und können so nur schlecht ­Wasser aufnehmen – essenziell für ihre ­strahlende Schönheit.

  • Pflegeleicht.
    Angenehm im Alltag und ­deswegen besonders beliebt sind folgende Pflanzen: Chrysanthemen, Gerbera, kleine Orchideenblüten oder etwa Nelken.

  • Zu viel des Guten.
    Lilien, Studentenblumen und Flieder sind mit ihrem intensiven Geruch nicht jedermanns Sache. Vor allem im Restaurantbereich sollten sie gemieden werden.

Drei Fragen an Andreas Neudahm

KARRIERE Im »Hyatt Century City« in L. A. können sich Gäste ihr persönliches ­Blumenarrangement zusammenstellen – was halten Sie von solchen Ansätzen?
ANDREAS NEUDAHM
Wenn es zum Thema des Hotels passt, ist das eine gute Sache. Der Benefit muss aber gegeben sein, sonst kann es kontraproduktiv sein. Dinge, die umsonst sind, machen den Gast durchaus auch stutzig.

Sie planen als Interior-Designer die Blumen von Anfang an mit. Was halten Sie von ­Jahreszeiten-Gestecken, von Kunstblumen und wie wichtig sind die Vasen?
Ich persönlich bin kein Fan von Blumenschmuck, der unbedingt den Jahreszeiten entsprechen muss. Ich verwende am liebsten Blumen, die einen hellen, freundlichen Eindruck machen. Zu den Kunstblumen ist zu sagen, dass es mittlerweile sehr hochwertige gibt. Einzeln in ein Regal gesetzt, können sie durchaus ihre Berechtigung haben, aber bitte nicht auf Augenhöhe. Ich arbeite zum Beispiel hin und wieder mit Kunstgräsern und getrockneten Pflanzen – eine Kunstpalme würde ich aber nie verwenden. Zu den Vasen ist zu sagen, dass sie Teil der Innenarchitektur sind, der von uns mitgeplant wird. Auch leere Vasen können eine Idee sein.

Wie entgegnen Sie dem Totschlagargument, dass wöchentlich frische Blumen ­einfach zu teuer sind – zum Beispiel für einen ­kleinen Hotelier?
Gäste heutzutage sehen viel mehr, sie sind anspruchsvoller. Frische Blumen im Hotel sind wie ein Geburtstagsgeschenk für den Gast, er wird es zu schätzen wissen. Ich würde dem Hotelier daher raten, nicht ­darauf zu verzichten.

www.neudahmdesign.com

Artikel aus Falstaff Karriere 05/17.

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