Blühende Konzepte

Der japanische Künstler und Florist Azuma Makoto liebt unkonventionelle Effekte. Für seine Ausstellung »Iced Flowers« steckt er opulent Gebundenes hinter Glas und Eis. azumamakoto.com

© AMKK

Der japanische Künstler und Florist Azuma Makoto liebt unkonventionelle Effekte. Für seine Ausstellung »Iced Flowers« steckt er opulent Gebundenes hinter Glas und Eis. azumamakoto.com

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Schon einmal daran gedacht, einen ganzen Strauß Blumen mit einem Heliumballon in die Stratosphäre zu befördern? Oder riesige Blüten-installationen in Eisblöcke einzufrieren und den Auftauprozess zu dokumentieren? Der Künstler und Florist Azuma Makoto kommt auf derartige Ideen und zählt zu Recht zur Avantgarde in der Floristik. Der 41-jährige Japaner, der sich in frühen Jugendtagen als Rockmusiker versuchte, entdeckte in den Nullerjahren seine Liebe zur Flora, als er, um Geld zu verdienen, in einem Blumengeschäft als Aushilfe jobbte. Diese Liebe kombinierte er mit seinem Talent, außerhalb von Normen zu denken, und heute ist er quasi der Rockstar unter den Floristen, der für Fendi oder Dries Van Noten blühende Welten konzipiert. Nicht ganz im Alleingang, denn gemeinsam mit seinem Partner Shunsuke Shiinoki betreibt er in Tokio die Blumen-Boutique »Jardins de Fleurs«. Er denkt sich neue Zugänge zur Blumenkunst aus, und Shiinoki fotografiert die fragilen und morbiden Inszenierungen, die immer wieder die Vergänglichkeit thematisieren.

Blumenstrauß, gebunden im holländischen Stil. Ein blumiger Klassiker, hier umgesetzt von dollsblumen.at.

Blumenstrauß, gebunden im holländischen Stil. Ein blumiger Klassiker, hier umgesetzt von dollsblumen.at.

Foto beigestellt

Vergängliche Schönheit

Das ist für Betrachter aus dem Westen oft nicht ganz einfach nachzuvollziehen, wie Makoto gerne erwähnt. »Im Westen stehen die Blumen den Menschen näher. In Japan sind Pflanzen höhergestellt, fast schon göttlich. Man sieht die Natur als Einheit beseelter Wesen – das hat mit dem Shinto-Glauben zu tun.« Diese Gefühle, dass alles Teil eines großen Ganzen, einer kosmischen Ordnung ist, verbindet Makoto mit dem Geist der japanischen Blumensteckkunst­ ­Ikebana. Das heißt auch: Bei aller Extravaganz verliert man doch nie ganz den Bezug zur Tradition und ehrt Wissen, das sich über die Jahrhunderte angereichert hat. 

Bei den zahlreichen Unterschieden in den Denkstrukturen zwischen Asien und dem Westen ist das ein verbindendes Element, eine Brücke zwischen den Kulturen. Egal, ob man sich in einem Hipster-Flower-Power-­Laden im Brooklyner Williamsburg befindet oder sich in London die neuesten Trends bei Blumen ansieht.  

Wo kommen die Trends her?

Da drängt sich natürlich die Frage auf, wie Trends bei Blumen eigentlich entstehen?
Karin Doll, Floristin und Chefin bei »Doll’s ­Blumen«, einem der ersten Concept Stores der Branche in Wien, hat eine mögliche Antwort: »In sozialen Medien werden emotionale und perfekt inszenierte Bilder präsentiert, und Follower nehmen diese an.« Das entwickelt eine Eigendynamik. Und natürlich reagiert man im Blumenbusiness auch auf Kundenwünsche, wie Doll erzählt: »Wir haben heuer eine vermehrte Nachfrage für ultraviolette Blumen erhalten, den Farbton, den Pantone zur Farbe des Jahres kürte.«

Ähnlich sieht es Christine Fink von der Wiener Blumeninstitution »Blumenkraft« und verdeutlicht: »Trends entstehen in unserer Branche wie in anderen Branchen auch. Es ist ein Spiel von Angebot und Nachfrage und ein Zusammenspiel von innovativen Gärtnern mit innovativen Floristen.« 
Was bedeutet das für heuer? »Nachdem in den letzten Jahren das Dschungelthema sehr präsent war und man mit vielen Grüntönen und exotischen Blättern spielte, wird es dieses Jahr wieder eindeutig blumiger«, analysiert Fink. Dabei kann man durchaus Stillinien folgen, darf aber seinen Innovationsgeist dabei nicht vergessen, wie Lisa Schadauer von »Blumengestalten« erzählt: »Das Aufbrechen von floristischem Regelwerk ist ein wichtiges Prinzip, um Neues und Originelles zu schaffen. Man muss aber natürlich die Regeln kennen und beherrschen, um sich darüber hinwegzusetzen.« 

In der Praxis im Blumengeschäft sieht das dann mitunter so aus: »Wir Floristen folgen beim Zusammenstellen von Blumenensembles mittlerweile den Formen und Richtungen, die uns die Natur vorgibt. Dabei kommen wildromantische, aber auch oft sehr naturnahe Resultate heraus«, so Schadauer. Man bringt quasi wilde Natur leicht gezähmt in die heimische Vase. 

»Floristisches Regelwerk zu brechen ist wichtig, um Neues und Originelles zu schaffen.« Lisa Schadauer Floristin bei »Blumengestalten«

Die Vase macht’s auch

Überhaupt spielt die Vase eine sehr wichtige Rolle beim perfekten Blumenstrauß: »Blumen können ihre Eleganz erst im passenden Gefäß zeigen«, so Karin Doll, die für ihre Kunden auf einen Lagerbestand von über 5000 Vasen zurückgreifen und mit diesem Bataillon an Gefäßen jedes Dekothema umsetzen kann. Chris­tine Fink bietet fertige Arrangements überhaupt gleich auch mit der passenden Vase zum Verkauf an. »Man hat zu Hause nämlich immer das falsche Gefäß.« Zudem setzt Fink gerne Kontrapunkte und liebt das Spiel mit den Proportionen. »Kleine Knubbelsträuße stecke ich gerne in überdimensionierte Vasen oder mache es einfach umgekehrt.«

Bleibt noch die Frage zu klären, ob es bei den schnellen Trendhalbwertszeiten Farben und Farbkombinationen bei Blüten gibt, die nie aus der Mode kommen, also Evergreens sind, wenn man so will. Die Expertinnen sind sich da alle einig. Rosa, respektive die Kombination von rosaroten mit gelben Blüten. Das wirkt allerorts gut – und auch in allen Kulturen. Denn einer jener Sträuße, die vom japanischen Zauberfloristen Azuma Makoto ins All befördert wurden, war in dieser zeitlosen Farbsprache gehalten.

 

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