Berlin: BrewDog übernimmt Stone Brewing World

James und Martin brennen für Craft Beer.

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James und Martin brennen für Craft Beer.

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Diese Schotten geizen nicht! 2007 gründeten James Watt und Martin Dickie im schottischen Aberdeenshire das Brauprojekt, das sie ihrem Hund widmeten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich aus BrewDog die größte unabhängige Brauerei Schottlands mit einem eindrucksvollen Wachstum rings um den Erdball.

Ein erfolgreiches Crowdfunding-Konzept namens »Equity for Punks«, an dem 97.000 Investoren teilnahmen, spielte bis heute die stolze Summe von 67 Millionen Pfund ein und ermöglichte die Verwirklichung zahlreicher Bier-freudiger Projekte. Aktuell arbeiten 1.500 Menschen für das Unternehmen, das 80 Bars überall in der Welt betreibt. Zwei Brauereien operieren in Schottland, eine weitere inklusive Brauerei-Hotel produziert in Columbus, Ohio und im australischen Brisbane steht der Baubeginn für die dortige BrewDog-Brauerei kurz bevor.

Stets amüsierten und erregten Meldungen und Biere der gälischen Punk-Bier-Rebellen, wie der Wettlauf um das stärkste Bier der Welt mit Namen »End of History«, präsentiert in einem ausgestopften Grauhörnchen oder ein Protest-IPA namens »Hello, my Name is Vladimir« als Antwort auf Putins Anti-Gay-Einlassungen.

Die zahlreichen und vielfältigen Biere von BrewDog, allen voran der Verkaufsschlager »Punk IPA«, munden auch in Deutschland, wie seit 2016 die BrewDog Bar in Berlin an ihren 30 Zapfhähnen alltäglich belegt. Eine weitere Bar an der Hamburger Reeperbahn steht kurz vor der Eröffnung.

Doch die Meldung, die am 5. April die deutsche Bierszene derzeit aufhorchen ließ, wendet die Blickrichtung erneut nach Berlin, der hiesigen Kreativbier-Hauptstadt. Im Süden der Metropole, in Mariendorf, übernimmt BrewDog die Brauerei der kalifornischen Kollegen von Stone Brewing. Unerwartet kam die Meldung, dass Stone Brewing CEO Greg Koch die Brauhaus-Schlüssel an seine Freunde von BrewDog weiterreicht.

Trial – and Error

Stone Brewing, insbesondere bekannt für kraftvolle und experimentelle India Pale Ales, investierte zur Grundsteinlegung 2014 25 Millionen Dollar in den Berliner Standort. In das historische Gaswerk zog eine Brauanlage mit einem Potenzial für die Herstellung von 150.000 Hektolitern, ein gigantischer Restaurant- und Barbereich mit 65 Zapfhähnen und einem Biergartenbereich von 5.000 Quadratmetern. Kühn, energisch, gigantisch. Womöglich zu groß, wie Greg Koch nun resümiert: »Mein Herz ist gebrochen. Es wird heilen, aber ich werde es für eine Weile gebrochen lassen. Wir haben viel Zeit und Geld in Berlin investiert und es hat nicht funktioniert.« Koch hadert mit Abläufen und Bürokratie in Berlin und die Frustration, die dadurch für einen amerikanischen Unternehmer einhergeht.

Auch zeigt er sich enttäuscht von dem langsamen Wachstum von Biervielfalt in der Gastronomie und dem deutschen Biertrinker, der durch viel zu niedrige Preise verdorben und verwöhnt ist. »Unser Stone Brewing-Taproom in Prenzlauer Berg wird weiterhin geöffnet bleiben und nun wünsche ich meinen Freunden von BrewDog viel Erfolg mit der wundervollen Location, die wir in Mariendorf zum Leben erweckt haben. Unsere Pläne waren vermutlich zu groß, zu gewagt, zu früh.«, resümiert der Stone-CEO.

Zum 1. Mai wechseln nun die Betreiber, und James Watt verströmt vielversprechenden Optimismus: »Wir können es kaum erwarten, ein kleiner Teil der Craft Beer-Bewegung in Deutschland – und der deutschen Bierszene – zu werden. Bier, Menschen und Gemeinschaft bildeten stets die Basis unseres Unternehmens und deshalb werden wir uns darauf auch in Berlin fokussieren. Immerhin wollen wir unsere Leidenschaft für Craft Beer mit so vielen Menschen wie möglich teilen!«

Offene Brauanlage

Nach einer sechs- bis achtwöchigen Umbau- und Neustrukturierungsphase wird BrewDog dort nicht nur eigene und Stone Brewing Biere fertigen, sondern auch eine 10 Hektoliter Brauanlage allen Brauern zugänglich machen, um gemeinschaftliche und experimentelle Sude anzusetzen. Ihren Sinn für die Gemeinschaft der Brauer beweist BrewDog seit geraumer Zeit, indem sie alle ihre Braurezepturen detailliert veröffentlichen.

Im Herbst wird es dann die BrewDog-Variante einer Aktionärsversammlung in Berlin geben. Und wie bereits zur Einweihung der amerikanischen Brauerei wird dann ein Flugzeug als »BrewDog Airlines« gechartert, um die Briten nach Berlin zu fliegen.

In Mitte wird zum Bier Steinofenpizza gereicht. Was es in Mariendorf geben wird, verrät BrewDog in Kürze.

Info

Lankwitzer Straße 45
12107 Berlin-Mariendorf

www.brewdog.com
www.stonebrewing.eu

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