Australiens Weinwelt erfindet sich neu

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Australische Weine sind schwer, plump, und dabei auch noch uniform – so lautet ein oft gehörtes Vorurteil. In der Tat tun manche Supermarktweine wenig dafür, solche Vorbehalte zu zerstreuen. Doch die Winzerelite aus down under ist so ideenreich und begabt wie überall sonst auf dem Planeten Wein. Jüngst lud sie nach London zu einem Tasting ein, bei welchem sage und schreibe 240 Weingüter ihre Weine präsentierten – viele der Winzer waren persönlich vom anderen Ende der Welt angereist, um dem europäischen Publikum ihre Weine vorzustellen.

Eine der bemerkenswerten Erkenntnisse dieses »Australian Day Tasting« war, welch große Fortschritte die Australischen Winzer beim Riesling gemacht haben. Dass Petrolnoten nicht einmal in den wärmeren Klimazonen Australiens unvermeidlich sind, sollte auch die Winzer in Deutschland und Österreich zuversichtlich in die global-warming-Zukunft blicken lassen. Mit Säurekick und kräuterwürzigen Aromen gefiel beispielsweise der 2016er Clare Valley Riesling von Skillogalee, der aus derselben Region und demselben Jahrgang stammende Riesling »God is a DJ« von Claymore brachte beinahe noch mehr Zug und Dichte ins Glas, während der Eden Valley »Rag & Bone« Riesling, ebenfalls 2016, aus der Boutinot Winery mit komplexer Frucht und salzigen Noten überzeugte.

Ronald Brown, Inhaber Maverick Wines.

Ronald Brown, Inhaber Maverick Wines.

© Ulrich Sautter

Sehr europäisch, fast burgunderhaft fein gereift präsentierte sich der 2012er Riesling von Maverick Wines aus dem Barossa Valley. Aus demselben Jahrgang 2012 gab sich der Contours Riesling von Pewsey Vale aus dem Eden Valley komplex würzig mit positiven Petrolnoten, rund und extraktreich hinter dem allerdings durchaus kräftigen Alkohol. In seiner fein ziselierten Art beinahe eine Klasse für sich ist auch im 2016er Jahrgang einer der bekanntesten Riesling-Namen Australiens: Der Lagenwein vom »Isolation Ridge« aus dem Frankland Estate im Gebiet Frankland River.

Oft unterschätzt werden auch die Sémillon-Sauvignon-Cuvées, die mit hochwertigem weißen Bordeaux die komplexe Anlage und die vielseitige Eignung als Speisebegleiter teilen. Ein sehr gutes (und noch dazu in Deutschland, Österreich und der Schweiz einfach verfügbares) Beispiel ist der 2016er von Cape Mentelle, der Stoffigkeit und Geschmeidigkeit auf sehr stilvolle Weise ineinander webt. Von rotem Boden mit viel Kies im Untergrund stammend, belegt dieser Wein zudem, dass auch in Australien Terroir-Weine möglich sind.

Wine Australia Tasting
Wine Australia Tasting

© Ulrich Sautter

Bei den Rotweinen ist die Diversifizierung in vollem Gange. Shiraz wird sicher die Nummer eins bleiben, doch auch die weiteren Rhône-Sorten Mourvèdre und Grenache (sowie Blends aller drei Varietäten) lohnen immer eine Verkostung. Brilliert haben in London beispielsweise die 2013er »The Derelict Vineyard« Grenache von D’Arenberg (zupackende Tanninstruktur, auf langes Leben angelegt) oder die Shiraz-Grenache-Viognier-Cuvée »Henry’s Seven« von Henschke (cremige Eleganz). Cabernet scheint sich deutlich schwerer zu tun, während Versuche mit Tempranillo und anderen spanischen oder süditalienischen Sorten offenbar noch ganz am Beginn stehen.

Stilistisch erstaunlich ausgereift sind einige Pinots noirs – und das auch in Regionen, die in Europa bislang kaum einen Namen haben. So machte beispielsweise die Einzellagen-Kelterung »Coolart Road« des Weinguts »Ten Minutes by Tractor« auf sich aufmerksam: Von vulkanischen Böden auf der Halbinsel Mornington südlich von Melbourne stammend, zeigt dieser Pinot große mineralische Spannung, hat dabei eine Dichte ohne Massivität und ein sehr feines Korn in seinem Gerbstoff. Ein in jeder Hinsicht cooler Pinot noir: Australien hat immer wieder die Fähigkeit zu überraschen.

TASTING AUSTRALIAN DAY

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