Aus für Thomas Bühner

Stehen ab sofort ohne Job da: Spitzenkoch Thomas Bühner und sein Team aus dem »La Vie«

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Stehen ab sofort ohne Job da: Spitzenkoch Thomas Bühner und sein Team aus dem »La Vie«

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Am Samstagmittag um kurz nach 12 war es still im Restaurant »La Vie«. High Noon in Osnabrück. Soeben hatte Geschäftsführer und Küchenchef Thomas Bühner, 56, seinem Team eine traurige Nachricht verkündet: Das »La Vie« macht nach mehr als zwölf Jahren zu. Ohne Galgenfrist, ohne Zeit, sich zu verabschieden, sondern mit sofortiger Wirkung. Schon am gleichen Abend wurden keine Gäste mehr bewirtet. Die Entscheidung traf nicht Bühner selbst, sondern der Investor im Hintergrund, das Schwerindustrieunternehmen Georgsmarienhütte Holding. Man wolle sich im Zuge einer organisatorischen Neuausrichtung auf die Stahlherstellung- und verarbeitung konzentrieren, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

Tiefschlag für die internationale Gourmetlandschaft

Nicht nur für die deutsche, sondern auch für die internationale Gourmetlandschaft ist das ein Tiefschlag. Gemeinsam mit seinem 28-köpfigen Team hatte Thomas Bühner vor sechs Jahren drei Michelin-Sterne geholt und sie seitdem ausnahmslos verteidigt. Seine kreative Aromenkunst gepaart mit perfektionistischem Handwerk zog Gourmets aus der ganzen Welt nach Niedersachsen. Zwar hatte es immer wieder Gerüchte um die mangelnde Wirtschaftlichkeit des »La Vie« gegeben, doch ist dies bei einem Restaurant dieser Klasse keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Geld verdienen nur die allerwenigsten Drei-Sterne-Restaurants, sie sind vielmehr Prestige-Objekte. Eine Pressesprecherin der Georgsmarienhütte Holding sagte, man habe mit dem Restaurant keine primär ökonomischen Ziele verfolgt. Es sei eine vom Vorstand und dem CEO getroffene Grundsatzentscheidung, sich auf Stahl zu fokussieren und keine Gastronomie mehr zu betreiben. Die qualitativen Ziele des »La Vie« seien jederzeit erreicht worden.

Mir bricht das Herz.
Thomas Bühner

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»Mir bricht das Herz«, sagt Thomas Bühner, als Falstaff ihn per Telefon erreicht. Tatsächlich sucht er während des Gesprächs immer wieder nach Worten, seine Fassungslosigkeit über die abrupte Schließung ist ihm anzumerken. Natürlich respektiere er die Entscheidung, sagt Bühner. »Aber das Ende finde ich maximal unglücklich. Ich hätte mir das anders gewünscht. Ein Ende kann man auch zelebrieren.« Mit der Art, den Betrieb ohne Vorwarnung und unmittelbar einzustellen, habe man ihm und seinem Team die Möglichkeit genommen, sich von den Gästen zu verabschieden.

»Was hätten wir anders machen können?«, sei er am Samstag von vielen Mitarbeitern gefragt worden. Die Antwort laute: nichts. »Alle haben alles gegeben«, so Bühner. Den Abend verbrachte er mit seinem Team gemeinsam, es habe eine Stimmung wie auf einer Beerdigung geherrscht. Emotional und angespannt, zugleich erinnerte man sich an die schönen Momente. Rückblickend sagt auch Bühner: »Ich bin glücklich und stolz, dass ich dies machen durfte.«.

Jetzt gehe es darum, seinen Mitarbeitern eine Perspektive zu vermitteln. Momentan laufen Gespräche mit allen Beteiligten. Da sich etliche Spitzenrestaurants in der Sommerpause befinden, dürfte das nicht so einfach werden. Bühners eigene Zukunft ist noch völlig unklar. Er wird bis Ende des Jahres noch einige Gastkoch-Auftritte in asiatischen Ländern absolvieren. Wie es für ihn dann weitergeht, steht noch nicht fest.

www.thomasbuehner.de

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