Der anerkannte deutsche Weinjournalist Mario Scheuermann veranstaltet in Kooperation mit Falstaff den »deutschen Spätburgunderpreis 2010«. Spätburgunder ist hierzulande besser als Pinot Noir oder Blauburgunder bekannt und gilt als eine der anspruchsvollsten Rebsorten, was ihr auch den Beinamen »Diva« eingebracht hat. Für den Wettbewerb wurden bislang fast 260 Weine aus allen Weinregionen Deutschlands gemeldet. Vor dem Finale werden für elf Gebiete Regionalsieger ermittelt, und zwar für die Ahr, Baden, Bergstrasse, Franken, Mosel/Saar, Nahe, Pfalz, Rheingau/Mittelrhein, Rheinhessen, Sachsen/Saale-Unstrut sowie Württemberg. Der erste Finalist stammt aus Franken und kommt vom Fürstlich Castell’schen Domänenamt: Spätburgunder Schlossberg 2008.

Terroir
Deutsche Spätburgunder wachsen je nach Anbaugebiet auf höchst unterschiedlichen Bodenformationen. Das reicht von schweren Lösslehmböden in Rheinhessen, Buntsandstein in der Pfalz, vulkanischen Böden in Baden bis zu Gips in Württemberg oder den Schieferformationen an Rhein und Ahr. Dies sorgt für eine sehr große Vielfalt der Charaktere von filigran oder fruchtbetont bis extrem mineralisch oder auch südlich opulent. Eine Sonderstellung nehmen die fränkischen Spätburgunder ein, die entlang des Mains und im Schutz des Steigerwaldes auf unterschiedlichen Keuperböden  gedeihen – einer in der Trias entstandenen geologischen Formation. Ein typischer Vertreter dieser Art kommt aus der Lage Schlossberg in Castell und hat die diesjährige Vorentscheidung für Franken beim deutschen Spätburgunderpreis gewonnen.

Franken-Sieger: Schlossberg 2008
Der Wein wurde nach zweiwöchiger Maischegärung für 18 Monate in neuen und gebrauchten Barriques aus französischem Eichenholz ausgebaut und kommt erst jetzt im September 2010 auf den Markt. Der nach Süden geneigte, fünf Hektar umfassende Hang des Casteller Schlossbergs ist in drei übereinanderliegende Parzellen aufgeteilt, die man auf dem Weingut hausintern »Schilde« nennt. Die Reben des Siegerweins stammen aus einer 30 Ar grossen Parzelle des mittleren Hangs, auch »zweites Schild« genannt. Die Reben wachsen hier auf einem Gipskeuper, der von Adern weißen Alabasters durchzogen ist. Dieser von Bildhauern begehrte, weiche Bruder des Marmors wurde früher in einem nahe gelegenen Steinbruch abgebaut. Unter anderem wurde daraus der barocke Altar der Casteller Schlosskirche gefertigt.

Die Geschichte des Weinguts
Das Fürstlich Castell’sche Domänenamt gehört mit 65 Hektar zu den großen deutschen Adelsgütern und zu den ältesten deutschen Weinerzeugern überhaupt. Das Gut befindet sich seit dem 11. Jahrhundert im Besitz der Familie. Die beiden Lagen Schlossberg und Hohenart sind seit 1258 dokumentiert. 1659 wurde hier nachweislich der erste Silvaner in Franken angepflanzt. In den Archiven der Kanzlei fanden sich Dokumente, die den Rotweinanbau bereits für das 16. Jahrhundert belegen. In einer Kellerbestandliste vom 9. November 1566 werden neben »3 1/2 Eimer 12 Maß Trawiner und 3 Eimer Muscatell« auch "3 Eimer rot wein" aufgelistet. Das entspricht nach heutigem Maß ca. 240 Litern, also etwas mehr als dem Volumen eines Barriques.

Heilende Wirkung: Frankenwein – Krankenwein
Auch wenn die Region um Castell – wie weite Teile Frankens – meist als Weißweinregion gesehen wird, genossen die Casteller Rotweine früher bereits einen geradezu legendären Ruf, und zwar als Medizin. So wurden beispielsweise 1875 vom Bezirksamt in Schweinfurt »ein bayrischer Eimer 74er Rother, viermal abgelassen« gekauft, der ausdrücklich zur Behandlung von Typhuspatienten bestimmt war. Schon ein mittelalterliches Sprichwort besagte »Frankenwein – Krankenwein«.

Wein-Daten und Kostnotiz
Gelesen am 13. Oktober 2008 mit 95 ° Oechsle und 30 hl/ha
Rebenalter: vor 4 Jahren auf 16 Jahre alte Rieslaner-Unterlagen gepfropft.
Flaschen: 450 Flaschen
Preis: 33 Euro  
Dunkles Rubinrot, etwas Violett. In der Nase zunächst sehr verschlossen. Verhaltene dunkle Beeren und zunehmend Kirschduft. Am Gaumen konzentriert, ausgewogen mit einer kompakten Tanninstruktur, vitaler Säure und Süße vom Alkohol aber auch von der reifen Frucht. Sehr schöne samtige Textur, dicht verwoben, im Abgang ein schokoladiger Nachgeschmack.
weingut@castell.de

Speise-Empfehlung
Die Verkostungen zum deutschen Spätburgunderpreis finden im Restaurant »San Michele« in Hamburg statt. Patron Franco Bianca empfiehlt zum ersten Sieger ein Bresaola vom Wildschwein, eine Spezialität aus den Abruzzen, angerichtet als Carpaccio mariniert mit feinstem extra vergine Olivenöl aus Sizilien mit etwas Zitrone, Pfeffer, Staudensellerie und Minze. Der kräftige, leicht salzige Geschmack des luftgetrockneten Fleisches in Verbindung mit der frischen Marinade wirkt wie ein Weckruf für diesen noch recht verschlossenen Wein.
www.san-michele.de   

 

Die weiteren Platzierungen der Regionalentscheidung Franken

Eine Liste aller teilnehmenden Betriebe finden Sie auf der Wettbewerbsseite im Internet unter: www.best-of-wine.com

(von Mario Scheuermann/bed)

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