Aufruhr in Italien wegen geplanter »Wein-Verwässerung«

Der Vorschlag, Weine teilweise oder vollständig zu dealkoholisieren, stößt auf breiten Widerstand.

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Der Vorschlag, Weine teilweise oder vollständig zu dealkoholisieren, stößt auf breiten Widerstand.

Der Vorschlag, Weine teilweise oder vollständig zu dealkoholisieren, stößt auf breiten Widerstand.

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Verwässerten Wein als Qualitätsprodukt verkaufen – das könnte bald als »gute Praxis« in der europäischen Weinproduktion gelten. Zumindest nach den neuen Plänen der EU, die eine Dealkoholisierung von Wein mittels Wasserzugabe erlauben sollen. Dahinter stehe laut Medienberichten ein Aktionsplan der EU zum Gesundheitsschutz der Europäer

Der Vorschlag lässt die Alarmglocken in Italien läuten ­– dem mengenmäßigen Wein-Weinweltmeister mit einem jährlichen Umsatz von elf Milliarden Euro. Befürchtet werden Konsumententäuschung und die Benachteiligung des traditionellen Weinsektors, wie mehrere Medien berichten

»Mega-Betrug« für Konsumenten

Die Dealkoholisierung als neue önologische Praktik wäre ein »sehr gefährlicher Präzedenzfall«, sagt Ettore Prandini, Präsident des Landwirtschaftsverbands Coldiretti. Mit der Verwässerungs-Methode sieht er die Identität des italienischen und europäischen Weins gefährdet. Eine Sorge des Verbands ist zudem, dass der Wein aus den Förderprogrammen der EU genommen werden könnte, um die neuen dealkoholisierten Getränke zu begünstigen. 

Geäußert werden auch Nachteile für die Verbraucher. Coldiretti spricht hier von einem »Mega-Betrug«: Konsumenten würde verwässerter Wein mit invasiver Behandlung verkauft werden. Senator Dario Stefano, Italiens Präsident der parlamentarischen Kommission für Europa-Politik, warnte vor »Verwirrung auf dem Markt« und Fälschungen. 

Rom kündigte an, sich gegen die Einführung der EU-Pläne zu stellen. »Die Pläne Brüssels wären, wenn umgesetzt, ein Schlag ins Gesicht für die vielen Arbeiter in diesem Sektor«, sagt Stefano. Zuvor wurde bereits die Zuckerzugabe in Wein in Nordeuropa legalisiert und auch die Erlaubnis für Wein ohne Trauben erteilt, wodurch etwa gegärte Himbeeren zum Einsatz kommen können. 

Verkauf in arabische Länder

Nach der heftigen Gegenreaktion auf die EU-Vorschläge bemüht sich Brüssel um Besänftigung und betont, dass von Wasser ausdrücklich nicht die Rede sei. Potenzial für den Nullprozentwein gebe es in arabischen Ländern, wie Stimmen aus Italiens Weinsektor zu Bedenken geben. Die möglicherweise guten Geschäfte solle man nicht anderen überlassen, heißt es.

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