Arty Weekend: Miami

Das Pérez Art Museum Miami (PAMM) öffnet sich einladend zur Biscayne Bay. Seine luftige Architektur ist perfekt auf das subtropische Klima eingestellt.

© Robin Hill

Das Pérez Art Museum Miami (PAMM) öffnet sich einladend zur Biscayne Bay. Seine luftige Architektur ist perfekt auf das subtropische Klima eingestellt.

© Robin Hill

Wer bei »Florida« an nichts als ein schwülwarmes Paradies für Pensionisten und Alligatoren denkt, hat etwas Wesentliches übersehen. Und dieses Wesentliche heißt: Miami. Die Metropole am Atlantik ist der extrovertierte Gegenpol zum verkopften New York und hat dabei seine Sinne besser zusammen als das maßlose Los Angeles. Vor allem sind Miami und besonders Miami Beach ein Konzentrat an Kunst, Design und Architektur, das in der Weltliga mitspielt. Schließlich ist es kein Zufall, dass die Kunstmesse Art Basel ausgerechnet hier ihre erste Filiale eröffnete. 
Bei der Art Basel Miami Beach trifft sich alles, was in der Kunst Rang und Namen hat. Doch die Kultur pulsiert in Miami 365 Tage im Jahr, Museum reiht sich hier an Museum, Art-déco trifft auf Avantgarde, und der lateinamerikanische Einfluss sorgt für eine Extra-Dosis Farbigkeit. Also nichts wie los in ein langes Wochenende voll südlicher Lebensfreude!

Freitag

Kunst, Design, Shopping, Strand und Straßenfest: Kaum eine US-Metropole ist so bunt wie Miami, und der Hedonismus lockt hier an jeder Ecke.

Womit sollen wir starten – Miami oder Miami Beach? Kunst oder Architektur? Wir sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und das heißt: Warum nicht alles gleichzeitig? Denn das Pérez Art Museum Miami (kurz: PAMM) liegt im neu angelegten Museum Park an der Biscayne Bay, genau dort, wo die Brücke nach Miami Beach ihren Anlauf nimmt. Das von den Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron entworfene Gebäude ist mit seinem ausladenden Dach und tropischen Pflanzen bestens für das schwüle Klima Floridas gerüstet. Im wohltemperierten Inneren sind Werke aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwart zu sehen, besonders lohnend dabei die Kunst aus Kuba und Südamerika.

Brückenschlag

Eine Brücke weiter nördlich erwartet uns der Miami Design District in Buena Vista. Bis in die 90er-Jahre noch ein heruntergekommenes Viertel aus Lagerhäusern, hat sich die Gegend zu einer vor Vitalität berstenden Mischung aus Flagship-Stores, Galerien, Antiquitätenhändlern, Bars und Restaurants entwickelt, eine Kunst- und Design-Stadt für sich. Louis Vuitton, Prada und Yamamoto sind hier ebenso zu Hause wie aufregende Kunst der Gegenwart in hippen Art Spaces wie Locust Projects. Ob man auf wilde Einkaufstour geht oder sich einfach nur durch die Fülle von Kreativität treiben lässt – danach sind wir bereit für den Beach. Das »Delano South Beach Hotel«, von Philippe Starck bis zum Rand mit überbordenden Design-Ideen angefüllt, ist der ideale Ort, um sich bei einem Drink ins südlich-entspannte Miami Feeling fallen zu lassen.

Wir beschließen den Freitag in Little Haiti, einem Stadtviertel, das mit karibischer Feierfreude seinem Namen voll und ganz gerecht wird. Auch hier findet sich die Kunst: Die Galerie Emerson Dorsch widmet sich vor allem lokalen Künstlern aus Florida. 

Samstag

Bunte Wände, weiße Wände, Wildes und Provokantes – und ein Hauch von Miami Vice. Eine Reise durch die Stadt- und Kunstgeschichte. 

Noch ganz bunt im Kopf? Dann kurz Luft holen zu Tagesbeginn, denn es geht gleich farbig weiter: Mit dem Wynwood Art District lockt ein weiteres kulturell reiches Stadtviertel. Hier sind es vor allem die von riesigen Graffitis bedeckten Wände der Wynwood Walls, die den Charakter ausmachen. Science-Fiction, Cartoons, abstrakte Motive – hier wird die ganze Straße zur Galerie. 
Danach kühlen wir uns optisch etwas herunter: Die metallische Fassade des Ende 2017 eröffneten Institute of Contemporary Art ist kühl und kristallin, und auch im Inneren lässt die Architektur der Kunst den Vortritt: vor allem Skulptur und Installationen, Abstraktes und Geometrisches von Meistern wie Donald Judd oder Sol LeWitt.

Sonny Crockett auf der Spur

Spartanisch ist auch das Zuhause der Rubell Family Art Collection, doch weht hier ein Hauch von Miami Vice: Seit 1993 ist die private Sammlung in einer ehemaligen Lagerhalle der Drogenpolizei für konfiszierte Waren untergebracht. Echte Schätze birgt das Innere auch heute: Mit Werken von Jean-Michel ­Basquiat, Keith Haring, Jeff Koons und Cindy Sherman ist das Museum ein Hochkaräter unter Miamis Kunstsammlungen. Ihm steht das Museum of Contemporary Art North Miami (MOCANOMI) um nichts nach. Was 1981 in einer kleinen Galerie begann, umfasst heute Werke von Alex Katz bis Ed Ruscha und zeigt jedes Jahr drei Ausstellungen aufregender neuer Künstler, darunter Provokantes aus Europa wie Tracey Emin und Jonathan Meese. Noch dazu gibt es uns Gelegenheit, auch den Norden der Stadt zu erkunden.

Sonntag

Wir surfen auf der Kulturwelle: Art-déco, zeitgenössische Kunst und einer der besten Konzertsäle der Welt. 

Wer an Miami Beach denkt, hat vor allem ein Bild vor Augen: Art-déco-Fassaden hinter Palmen. Und ein Wochenende hier wäre nicht komplett ohne einen Besuch des Art-déco ­Historic District. Was als Wiederaufbauprogramm nach dem zerstörerischen Hurrikan von 1926 begann, ist heute die größte Ansammlung von Art-déco-Architektur der Welt. Pastelltöne und schnittige Details prägen die rund 800 Bauten, die bis in die späten 30er-Jahre entstanden, als sich hier urbane Eleganz und Strandleben-Laissez-faire vermischten. In einem besonders prachtvollen Exemplar aus jener Zeit, der ehemaligen Bücherei, residiert seit 1964 das Bass Museum of Art, kurz: The Bass. Das 2002 vom japanischen Architekten Arata ­Isozaki erweiterte Museum ist das Zentrum für zeitgenössische internationale Kunst am Beach. 2011 fand hier die erste US-Show des österreichischen Künstlers Erwin Wurm statt.
Von hier ist es ein kurzer Spaziergang an der Strandpromenade oder an der Washington Avenue zur kleinen, aber feinen Galerie, die David Castillo seit 2004 betreibt. Er entwickelt seine Ausstellungen in enger Zusammenarbeit mit seinen Künstlern und nimmt das Kuratieren als ganzheitliche Aufgabe ernst.

Zum Abspann Musik

Im langsam herandämmernden subtropischen Abend queren wir die Straße zum letzten Highlight des Wochenendes, zu einer der jüngsten architektonischen Perlen in der Krone von Miami Beach: dem New World Center. Bei dieser 2011 eröffneten Konzerthalle hat Stararchitekt Frank O. Gehry Miami Beach zuliebe seine wilden Formen etwas gebändigt und auf coole Eleganz gesetzt, dafür ist das Innere spektakulär: Die Zuschauer sitzen nah am Orchester und die Akustik gilt als eine der besten der Welt. Eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Adressen

Liliana Porter, 8. 6.–29. 9. 2018
Tipp: der Museum Park direkt nebenan.
pamm.org

Design District
Permanente Ausstellungen und zahlreiche Shops.
Tipp: die gratis geführte Kunst-Tour zweimal im Monat.
miamidesigndistrict.net

Galerie Emerson Dorsch
Brookhart Jonquil, bis 25. 5. 2018
Tipp: Erkundungstour rund um die Galerie. 
emersondorsch.com

Institute Of Contemporary Art (ICA)
Sol LeWitt, bis 15. 10. 2018
Tipp: nicht die im Außenraum verteilten Skulpturen vergessen!
icamiami.org

Museum Of Contemporary Art, North Miami
Lionel Smit, bis 6. 5. 2018
Tipp: Am letzten Freitag im Monat gibt’s Jazz im MOCA.
mocanomi.org

Rubell Family Art Collection
»Still Human«, bis 25. 8. 2018
Tipp: Ende 2018 vollzieht das Museum seinen lange erwarteten Umzug.
rfc.museum

The Bass
»Deste Fashion Collection 1 to 8«, bis 3. 9. 2018
Tipp: Das Gebäude selbst ist alleine schon sehenswert!
thebass.org

New World Center
Tipp: Konzertkarten besorgen. Egal, wofür. Es lohnt sich, schon alleine wegen der Akustik.
nws.edu

Galerie David Castillo
Wendy White, bis 31. 5. 2018
Tipp: danach in den Soundscape Park gegenüber. Hier trifft sich Miami Beach! davidcastillogallery.com

 

 

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