Analyse: Der Wein-Jahrgang 2019

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Deutschland: Besser als gedacht

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Der Jahrgang 2019 kostete die Winzer Nerven – und Geld. Am Ende standen Ertragseinbußen von 20 bis 30 Prozent. Und das nach einer Achterbahnfahrt an Wetterextremen: Im Winter regnete es kaum, sodass die Wasserreserven von Anfang an ungenügend waren. Der frühe Austrieb machte die Winzer unruhig, und in der Tat waren vor allem an der Ruwer, an der Obermosel und in einigen kühleren Lagen Frankens Frostschäden in teils erheblichem Ausmaß zu beklagen. Rudolf May beispielsweise in Retzstadt in Franken hat des Frosts wegen einen Betriebsschnitt von nur 17 Hek­toliter pro Hektar geerntet. Die Blüte ­erfolgte zeitlich etwa im langjährigen Mittel, war aber verzettelt. Im Sommer wurde es sehr heiß, was mancherorts Probleme ­mit Sonnenbrand mit sich brachte, die Vegetation beschleunigte sich zunächst, kam dann aber Ende Juli und Anfang August durch die starke Trockenheit fast zum Erliegen.

Als die Winzer unter dem Eindruck dieser Reifeverzögerung mit Leseterminen in einem üblichen Zeitfenster zu rechnen begannen, setzte Regen ein. Durch den Regen begann die Lese dann doch schon verbreitet Anfang September. Da nach kurzen trockenen Intervallen stetig weitere Niederschläge fielen, beschleunigte sich die Lese am Ende deutlich. Zuletzt war eine skrupulöse Sortierung erforderlich, die Winzer berichten von hohen Ertragsausfällen durch die stark einsetzende Fäulnis. Die Jungweine probieren sich trotz der erlittenen Wetterkapriolen überraschend gut, sie haben lebendige Säuren und strahlen bei guter aromatischer Dichte Frische aus. Am besten sind Sorten und Einzellagen, die vor dem Regen reif wurden.

Österreich: Die tolle Neuner-Serie ist prolongiert

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In Österreich sind 2019 die Mengen im Vergleich zum Weinjahr 2018 leicht gesunken, dennoch kann man von einer sehr guten Ernte sprechen. Das Jahr begann ungewöhnlich trocken, bis Anfang Mai fielen in manchen Weinbaugebieten Österreichs keine 20 Millimeter Niederschlag. Dadurch verzögerte sich auch der Austrieb, und die Gefahr des Spätfrosts war gebannt. Im Mai kam der Regen – Reben werden bei steigenden Temperaturen sehr rasch aktiv, und während der Blüte kommt es zu Unregelmäßigkeiten, die sich auf die Mengen auswirken. Speziell bei den Sorten Chardonnay und Blaufränkisch gab es Einbußen. Das bleibt aber das einzige Manko des Jahrgangs. Der Juni verlief verhältnismäßig kühl – wichtig für eine gute Säurestruktur –, der Sommer zeig­te sich von seiner besten Seite, es gab kaum Trockenstress, im September etwas Regen, dafür anhaltend perfektes Wetter bis zum Ende der Weinlese. Es war – fast möchte man sagen zur Abwechslung – ein einfaches Jahr für die Win­zer. Oder wie es ein Produzent auf den Punkt bringt: »Das Jahr 2019 hat uns einen perfekten Sommer und Herbst für einen großen Jahrgang beschert. Allerdings ist es auch ein Jahr, das nicht dazu geeignet ist zu zeigen, was man kann – also kein Profilierungsjahr.«

Die Jungweine zeigen im Allgemeinen eine hohe Reife und einen sehr guten Säurespiegel, das Niveau des Jahrgangs ist sehr hoch einzuschätzen. Die Qualität ist in allen Regionen da, von den Weißen bis zu den komplexen Rotweinen. In der Steiermark war auch die Menge sehr gut, der Sauvignon Blanc brilliert vor allen anderen Sorten. In einer langen Reihe von großartigen »9er«-Jahrgängen schließt 2019 nahtlos an, die Weine sind reif und vibrieren vor Lebendigkeit und Ausdruckskraft, so viel ist jetzt schon sicher. Ein Jahrgang, mit dem wir sicher lange viel Freude haben werden. Obwohl es noch zu früh ist, über die Lagerfähigkeit zu philosophieren, verweisen die Eckdaten der Weine klar in diese Richtung. Geduld ist allerdings gefragt, denn nichts deutet auf einen sich schnell entwickelnden Jahrgang hin. Mutter Natur hat angerichtet, sie bietet uns trotz eines heißen Sommers 2019 elegante und frische Weine.

Schweiz: Spektakulär unspektakulär

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In der Schweiz war das Weinjahr 2019 ein leises. Im deutschsprachigen Teil des Landes wird die Erntemenge wohl etwa zehn Prozent niedriger als im Vorjahr ausfallen, so die Aussage der Forschungsanstalt in Wädenswil. Die Winzer wird’s kaum kümmern, denn 2018 glänzte schweizweit mit einer Rekordernte von 111 Millionen Litern, einem Wert, den man zuletzt im Jahr 2011 erreichte. Im Gegensatz zum Rekordjahr 2018, das von hohen Temperaturen und dadurch bedingtem Wassermangel geprägt war, verlief 2019 verhältnismäßig ruhig. Frost und Hagel machten sich zwar bemerkbar, jedoch in nur wenigen Regionen des Landes.

In Basel fielen die Temperaturen im Frühjahr dramatisch und sorgten vereinzelt für Ausfälle. Im Zürcher Weinland wur­den die Winzer vom Hagel heimgesucht, der teils empfindliche Schäden hervorrief. Manch Winzer verlor gar bis zu 80 Prozent der Ernte in einzelnen Lagen. Der Austrieb war spät und die Temperaturen im Frühjahr verhältnismäßig kühl, weshalb das Wachstum der Pflanzen nicht so recht in Fahrt kam und sich erst im Sommer auf ­extreme Art manifestierte. Hier mussten ­die Schweizer Winzer zum Teil schnell im Wein­berg agieren.

Im Wallis, der größten Weinbauregion der Schweiz, zeigt man sich mit der Qualität der Weine zufrieden. Mehr Säure als im letzten Jahr besitzen sie – und besonders reifes Tannin, heißt es. Stär­kere Regenperioden als im Vorjahr sorgten im Wallis jedoch für hohen Pilzdruck, der vor allem den biologisch arbeitenden Winzern zu schaffen machte. Aufgrund der Überproduktion im Vorjahr senkte man im Wallis die Produktions­quoten gar um bis zu 16 Prozent vor der Ernte. Auch im Waadtland ergriff man diese Option, im Lavaux, der Prestigeregion des Kantons, wurde die Erntemenge um 15 Prozent gesenkt – ein außergewöhnlicher Schritt. Mit der Qualität zeigt man sich bisher einhellig zufrieden.

Frankreich: Provence Herausragend

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In Frankreich ist die Trockenheit des Sommers 2019 das Thema Nummer ­eins unter Winzern und Weinfreunden. Im Bordeaux betonen die Winzer vor allem die positiven Aspekte der trockenen Witterung: Mehltau sei ausgeblieben, zudem hätten die Regengüsse zu Beginn des Herbsts die Wachstumsblockade gelöst, sodass auch der Cabernet zuletzt noch zu guter Reife gelangt sei. Die meisten Weingüter melden reichen Ertrag zwischen 50 und 55 Hektoliter pro Hektar. Die Jungweine sollen bezüglich Frucht und Gerbstoffreife nicht hinter den 2018ern zurückstehen. Sehr zufrieden sind auch die Winzer in Burgund, die vor allem die stabilen Säuren und tiefen pH-Werte ­der Jungweine hervorheben. Allerdings zwang die um sich greifende Botrytis zu relativ früher Lese.

Durchwachsen fällt das Resümee in der Champagne aus, wo rund 5000 Hektar Reben von Frühjahrsfrösten betroffen waren. Im Sommer setzte trotz der Trockenheit auch Pilzdruck ein, ehe kühle, sonnige Tage zur Lese bessere Stimmung aufkommen ließen. Entlang der Rhône berichten die Winzer von guten Mengen und guten Qualitäten, die Herausforderung bestand darin, die Alkoholgehalte im Zaum zu halten. Auch im Languedoc, wo die Lese bereits um den 20. August begann, berichten die Winzer, dass die Trauben am Schluss der Lese zwei Prozent potenziellen Alkohol in einer Woche zugelegt hätten. Die Trauben seien gesund gewesen, die Phenolreife wechselhaft. Sehr gut ist der Jahrgang im Roussillon und in der Provence ausgefallen. Vor allem die roten Sorten hätten von der Trockenheit profitiert und probierten sich außergewöhnlich dicht, so Stimmen aus der Region. Der Wermutstropfen ist die niedrige Menge: 20 bis 25 Prozent unter einer Normalernte.

Italien: Warmer Sommer und sonniger Herbst bewirken Wunder

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Nach einem niederschlagsreichen und kühlen Mai zogen die Winzer in ganz Italien nur lange Gesichter. Auch die Blüte war in vielen Teilen des Landes verregnet. Anfang Juni aber hatte der Wettergott plötzlich ein Einsehen: Vom Spätwinter ging es direkt in den Hochsommer. Innerhalb einer Woche schnellten die Temperaturen von kühlen 18 auf hochsommerliche 38 Grad hoch. Den Weinbergen tat das gut, Pflanzen und Böden konnten endlich trocknen. Der restliche Sommer verlief sehr ausgeglichen und ohne die Temperaturspitzen des Juni, auch während der gesamten Leseperiode herrschte sonniges und trockenes Wetter. ­So konnte der Vegetationsrückstand, der zu Beginn des Sommers noch fast einen Monat betrug, aufgeholt werden.

Im Vergleich zu den Vorjahren lag der Lesezeitpunkt aber doch deutlich später. Pio Boffa von Pio ­Cesare im Piemont: »2019 können wir als klassischen Jahrgang definieren, mit einem Lesezeitpunkt wie in der großen Zeit vor 30 Jahren. Unseren Nebbiolo haben wir erst Mitte Oktober eingebracht – großartige Qualitäten!« Ähnlich euphorisch ist die Stimmung in der Toskana. Giovanni Manetti von Fontodi im Chianti Classico: »Wir haben erst Ende September mit der Ernte unserer Sangiovese begonnen – wie in alten Zeiten. Die Qualität war hervorragend!« Und an der Küste pflichtet Axel Heinz von Ornellaia bei: »Das wird ein großartiger Jahrgang!« Und im Süden? Gianfranco Fino in Apulien: »Durch das stabile Wetter konnten wir die Lese gelassen angehen. Die Ernte der Roten war spät bei optimaler phenolischer Reife.« In Sizilien war die Qualität sehr gut, die Menge etwas geringer. Topqualitäten brachte vor allem Nero d’Avola.

Spanien: Extrem in allen Belangen

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Spaniens Winzer hatten im Jahr 2019 mit den Extremen zu kämpfen. Nach einem glühend heißen Sommer verloren die Winzer in der Region Priorat, einer Region, in der nicht bewässert wird, in einigen Mazuelo-Weinbergen knapp die Hälfte aller Trauben. Waldbrände von den Kanarischen Inseln bis nach Madrid kamen den Rebbergen gefährlich nahe, und in Alicante regnete es in wenigen Tagen so viel wie in zwei Jahren auf einmal. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass sich die spanischen Winzer in diesem Jahr mit geringeren Erntemengen zufriedengeben mussten. Schuld daran war zum einen die Trockenheit, zum anderen teils starke Verrieselung und die reduzierte Leistungsfähigkeit ­d­­er Rebstöcke im Allgemeinen nach der großzügigen Ernte im Vorjahr.

Während die Alkoholwerte in einigen Regionen sehr hoch sind, fallen die pH-Werte überraschend niedrig aus. Das ist gut, denn trotz Trockenheit und Hitze fehlt es den Weinen nicht an Säure. Die Winzer aus Navarra und Aragon sprechen gar von einem der besten Jahrgänge in den letzten zehn Jahren. In der Prestigeregion Rioja ­hatten die Winzer vor der Ernte mit nahezu tropischen Zuständen zu kämpfen. Hierfür sorgten starke Regenfälle und hohe Tem­peraturen. Die Trauben reiften darauffolgend relativ schnell. Auch wenn die Erntemenge im Vergleich zum letzten Jahr fast um 25 Prozent niedriger ausfällt, liegt man in der Rioja nur etwa zehn Prozent unter einem Standardjahr. Man spricht hier sogar von einem der besten Jahrgänge der letzten fünfzehn Jahre, genauso wie in der Region Ribera del Duero.

Portugal: Gute Säuren im ganzen Land, Alentejo Top

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In Portugal blieben im Sommer 2019 ­paradoxerweise genau jene Hitze-Ex­treme aus, die viele Regionen Mittel­europas zum Schwitzen brachten. In den ­Symington-Weingütern Quinta dos Canais und Quinta do Vesuvio im Douro-Tal lagen die Juni-Temperaturen sogar vier Grad Celsius unter dem langjährigen Mittel. Ab 25. August lösten Regenfälle die Blockade durch die Trockenheit, die auch den Douro heimsuchte. Die Lese für Portwein und die trockenen Tischweine begann Anfang September und dauerte sechs Wochen – doppelt so lang wie beispielsweise in Deutschland in der Pfalz. Grund waren vor allem die Regengüsse um den 20. September, die die Lese für ein paar Tage unterbrachen, bis die Trauben wieder komplett abgetrocknet waren. Die Erträge liegen bei Portweintrauben höher als in den beiden ertragsarmen Vorgängerjahren, aber immer noch tief bei durchschnittlich 30 bis 40 Hektoliter pro Hektar. ­

Mit Aussagen zur Qualität halten sich ­die Weingüter noch bedeckt, man hört ­al­lerdings von großen Unterschieden innerhalb des Gebiets. Die Säuren der Weine sollen tendenziell kräftig ausgefallen sein, was bei extraktreichen Weinen eine schöne Balance ergeben dürfte. Auch die anderen Gebiete Portugals geben ein gemischtes Bild: Im Alentejo sollen herausragende Rote entstanden sein, auch im Dão sind die Winzer zufrieden, die Trauben seien lange gesund geblieben. Bairrada sah eine kleine Baga-Ernte. Minho und Vinho Verde berichten von guten Weißen mit knackiger Frische.

Kalifornien: Napa und Sonoma Top

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Die vielen in Erinnerung gebliebenen Waldbrände, von denen im Vorjahr auch die kalifornischen Spitzenweinbauregionen Napa Valley und Sonoma County betroffen waren, hatten keinen Einfluss auf die 2019er-Weinernte, weil im Oktober, als die ­Feuer wüteten, bereits der Löwenanteil in den Kellereien lag. Die zuständigen Behörden meldeten mit rund 4,2 Millionen Tonnen Trauben eine um etwa zwei Prozent geringere Ernte als im Vorjahr, ­sie liegt aber über dem historischen Schnitt von 3,9 Millionen Tonnen.

Das Weinjahr hatte in Kalifornien mit kühlem, regenreichem Wetter begonnen, auch während der Blüte gab es viele Niederschläge, insgesamt verlief der frühe Sommer vergleichsweise kühler als in den vorangegangenen Jahren. Die Trauben konnten unter diesen Bedingungen langsam Zucker und Extrakt ausbilden, die Weinlese wurde in vielen Teilen des Landes nach hinten verlegt. Schlussendlich entstand so ein Traumjahrgang mit höherer Säure und etwas geringeren Alkoholwerten, die aromatische Tiefe und Balance ist gut, die Jungweine geben sich zugänglich.

Argentinien: Punktet mit Leichtigkeit

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In der südlichen Hemisphäre – sie macht etwa 20 Prozent der weltweiten Weinproduktion aus – endete die Weinernte bereits im Frühjahr 2019. Das Szenario ist dem der nördlichen Hemisphäre ähnlich, das heißt, die Weinproduktion fiel im Allgemeinen geringer als im Vorjahr aus, entspricht aber insgesamt dem letzten Fünfjahresdurchschnitt. In Argentinien betrug die konkrete Einbuße gegenüber dem tollen Vorjahr gute zehn Prozent.

Qualitativ erwartet die Weinfreunde ein guter, sehr ausgewogener Jahrgang. Kühlere Temperaturen und mehr Niederschlag als üblich führten zu Weinen, die gekennzeichnet sind von lebendiger Frische und etwas geringeren Alkoholwerten. Dank eines recht warmen April konnten die Trauben schließlich unter guten Bedingungen geerntet werden, speziell die Rotweine aus Malbec und Cabernet Sauvignon zeigen sich struk­turiert und mit guter Frucht ausgestattet. Alles in allem reicht die Qualität aber nicht an jene auf der anderen Seite der Andenkordillere heran. Man erwartet trinkfreudige Weine, die früher zugänglich sind, aber auch einige Spitzenweine.

Chile: Reife Weine mit guter Frische

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In Chile spricht man voller Enthusiasmus vom Jahrgang 2019, der völlig problemlos verlaufen ist und mit ausgezeichneter Qualität aufwarten kann. Nach dem sehr schwierigen Jahr 2017 hat sich bereits 2018 die Situation wie­der normalisiert, und nun freut man ­sich umso mehr über die ausgewogenen 2019er, die vor allem im Rotweinbereich exzellent ausgefallen sind. Zwar sind die Mengen aufgrund der geringen Niederschläge im Winter und der hohen sommer­lichen Temperaturen etwas weniger hoch ausgefallen, dafür präsentiert sich der Cabernet Sauvignon mit tiefer Farbe, ­guten Extraktwerten und reifen, sam­tigen Tanninen von seiner Schokoladenseite. In den küstennahen Gebieten sorgte das kühlere Frühjahr in Kombination mit dem warmen Sommer für Weißweine mit guter Säurestruktur auf der einen und solche mit reifer tropischer Frucht auf der anderen Seite. Alles in allem ein exzellenter Jahrgang für Chile, aus dem man sich ein breites Spektrum an gelungenen Weinen aus allen Sortenbereichen erwarten darf. Die Erntemenge lag rund acht Prozent über dem Fünfjahresschnitt.

Südafrika: Kleine Menge, Top Qualität

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Lange anhaltende Dürreperioden und unberechenbare Wetterbedingungen führten in der Weinregion am Kap Afrikas 2019 zu einer sehr geringen Ernte. Nach der ohnehin schon kleinen Weinlese 2018 ging es nochmals etwas nach unten. Unterstützt wurde ­die Entwicklung noch von der Tatsache, dass in Südafrika die Rebflächen verkleinert wurden. Obwohl im vergangenen Jahr die Regenfälle gar nicht so gering ausgefallen sind, leiden die Weingärten noch immer an den vorangegangenen drei Dürrejahren und konnten nach der Lese 2018 keine Reserven aufbauen.

Die Regionen Nor­thern Cape, Swartland, Paarl und Worcester konnten ganz leicht zulegen, Breedekloof und Cape South Coast waren ähnlich schwach wie 2018, Stellenbosch und Robertson ernteten etwas weniger, während Olifants River und Little Karoo zum zweiten Mal nach 2018 hart von der Dürre getroffen wurden. Die Weinfreunde hingegen erwartet in der Flasche Erfreuliches. Die Bedingungen führten zu kleinbeerigen Trauben und Fruchtkonzentration, guten Extrakten und bemerkenswerter Säure.

Australien: Die neue Normalität

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Der Jahrgang 2019 sorgte in Aus­tralien für äußerst gemischte ­Gefühle. Manche Winzer sprachen von einem Desaster, wieder andere zeigten sich durchaus zufrieden mit der Weinqualität. Vor allem in Südaustralien – McLaren Vale, den Adelaide Hills, Barossa und Clare Valley – war es schwierig. Nach Frost im Frühjahr und Hagel in einigen Teilen folgte ein Rekorde brechender, heißer Sommer. In Adelaide regnete es von Jänner bis April gerade einmal 18 Millimeter, was zuletzt in den 1880er-Jahren vorkam.

Dementsprechend niedrig fiel auch die Erntemenge aus, in einigen Weinbergen gab es bis zu 90 Prozent Mengeneinbußen. In Victoria lag die Erntemenge nur zehn Prozent unter der des Vorjahrs, aber auch hier machte den Weinbauern der heiße Sommer zu schaffen. Das Weinjahr 2019 scheint in vielerlei Hinsicht die neue australische Normalität im Zuge des Klimawandels abzubilden, wie man aus der hiesigen Weinbranche hört. Nach außen hin gibt man sich bisher zufrieden mit der Qualität des Jahrgangs, aber das könnte täuschen. Alles in allem kein Spitzenjahrgang.

Neuseeland: Schwüle Bedingungen

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In Neuseeland dürfen sich die Winzer vom Norden bis in den Süden über exzellente Qualitäten freuen, auch wenn die Erntemenge zum dritten Mal in Serie kleiner als erwartet ausfällt. ­Dabei war die Lese bei der wichtigsten Sorte des Landes, dem Sauvignon Blanc (er macht drei Viertel der Ernte aus), etwas besser als im Vorjahr. Schwieriger war der sehr warme Sommer für den ­Pinot Noir, wo die Menge um ein Viertel geringer ausgefallen ist als 2018.

Was die Qualitäten betrifft, kommen aus allen Anbaugebieten sehr positive Rückmeldungen, der Wachstumsverlauf war nahezu überall perfekt, kaum Druck durch Krankheiten, tolles Wetter ohne besondere Einzelvorfälle. Die Jungweine zeigen sehr gute Konzentration, ausgewogene Säu­restruktur und klaren Sortencharakter. In zwei Regionen konnten im Vergleich zum Vorjahr und entgegen dem Trend größere Ernten verzeichnet werden, Nelson legte um 32 Prozent und Gisborne um 25 Prozent an Menge zu. Dennoch wird es in den europäischen Märkten nicht einfach werden, an die allerbesten Weine des Landes heranzukommen.

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