Alles, was Sie über Amarone wissen müssen

Weite Täler und sanfte Hügel kennzeichnen die Weinlandschaft des Valpolicella – hier entstehen Amarone und Recioto.

© Sara Matthews

Weite Täler und sanfte Hügel kennzeichnen die Weinlandschaft des Valpolicella – hier entstehen Amarone und Recioto.

Weite Täler und sanfte Hügel kennzeichnen die Weinlandschaft des Valpolicella – hier entstehen Amarone und Recioto.

© Sara Matthews

http://www.falstaff.de/nd/alles-was-sie-ueber-amarone-wissen-muessen/ Alles, was Sie über Amarone wissen müssen Mit seiner satten Frucht, seinem mächtigen Körper und dem geschmeidigen Tannin zählt der Amarone heute zu den großartigsten Weinen aus Italien und ist in seiner Art unverwechselbar. http://www.falstaff.de/fileadmin/_processed_/3/c/csm_ALLEGRINI_FIERAMONTE_VINEYARD-c-sara_matthews-2640_b809c39fc4.jpg

Amarone entsteht in einer höchst reizvollen, über Jahrhunderte von Menschenhand geformten Kulturlandschaft, dem Valpolicella. In diesem Gebiet westlich und östlich von Verona treffen die frischen Fallwinde aus den Lessinischen Bergen und die warme Luft vom Gardasee aufeinander und bewirken ein günstiges Mikroklima für den Anbau von Weinreben, Kirschen und Oliven. Zentren des Weinbaus sind Sant’Ambrogio, Fumane, San Pietro in Cariano, San Floriano, Pedemonte, Marano und Negrar. Diese Täler und Orte bilden die sogenannte Classico-Zone. Östlich von Verona schließen daran das Valpantena und die Täler von Mezzane und Illasi an. 

Die Amarone-Methode

Genau genommen ist der Amarone kein eigener Wein, sondern eine Variante des Valpolicella, des klassischen Weins dieser Täler. Beide entstehen aus den gleichen Traubensorten: Corvina und Corvinone bilden den Hauptanteil, dazu kommt noch Rondinella. Zudem dürfen bis zu zehn Prozent der lokalen Sorten Dindarella, Rossignola und Oseleta, aber auch Cabernet, Merlot & Co. enthalten sein.

Während aus den frischen Trauben Valpolicella erzeugt wird, werden für den Amarone die Trauben angetrocknet. Vor der Hauptlese für den Valpolicella werden aus den Weingärten die lockerbeerigsten Trauben ausgelesen. Auf Strohmatten, Maschendraht oder Holzkistchen (die heute immer öfter durch Kunststoff ersetzt werden) lagern die Trauben bis Jänner in gut belüfteten Trocknungsräumen. Während der Trocknung verlieren die Trauben über ein Drittel ihres Gewichts, die Zuckerkonzentration steigt auf mehr als 25° KMW. Für den traditionellen Süßwein des Gebiets, den Recioto della Valpolicella, werden die Trauben noch ein wenig länger getrocknet. Bis zu zwölf Gramm Restzucker darf ein Amarone haben. Was auf den ersten Blick nach viel klingt, ist sensorisch allerdings nicht feststellbar. Auch weil das kräftige Tannin einen gewichtigen Gegenpart spielt. In der Regel bewegen sich die Spitzen-Amarone in weit trockeneren Gefilden um etwa fünf Gramm.

Mehr Restzucker, und zwar deutlich über 100 Gramm, hat der Recioto della Valpolicella – ein richtiger Süßwein also. Das Spannende am Recioto ist das Spiel zwischen Restsüße und Tannin, das bei exzellenten Reciotos ein großartiges Genusserlebnis bringt. Zu einem Schoko-Brownie gibt es nichts Besseres. Amarone hingegen ist zu Geschmortem oder zu Hirsch, Reh oder Taube die erste Wahl. 

Die Aroma-Pioniere

Amarone ist als Weintyp eigentlich relativ jung, ursprünglich war der süße Recioto der große Wein des Valpolicella. Erste Vorläufer des trockenen Amarone gab es in den 1930er-Jahren. Ab dem Jahrgang 1959 erzeugte Bertani dann in regelmäßiger Folge einen eigenen Amarone und setzte damit nachdrücklich auf diese Typologie. Noch heute lagern in den Kellern von Bertani in Grezzana viele tausend Flaschen, bis zurück ins Jahr 1959. Einige Jahrgänge sind nach wie vor im Verkauf, und selbst die Weine aus den 1960er-Jahren präsentieren sich ausgesprochen jung und lebendig. Mit den aktuellen Jahrgängen seines Amarone Classico zählt Bertani nach wie vor zu den Leitsternen am Amarone-Himmel.

Masi in Gargagnano wiederum hat wesentlich zur Verbreitung des Amarone in der Welt beigetragen. Sandro Boscaini – Patron von Masi – hat als Erster den nordamerikanischen Markt gezielt für Amarone bearbeitet. Heute ist das der Hauptmarkt. Masis Lagen-Amarone Campolongo di Torbe und Mezzane zeigen Präzision und Geschliffenheit. Giuseppe Quintarelli in Negrar schließlich machte seinen Amarone zum Kultwein. Er verwendete für seine Weine ausschließlich Trauben aus eigener Produktion und legte im gesamten Produktionsprozess eine bis dato nicht bekannte Sorgfalt an den Tag. Sein Amarone und seine Riserva sind Meilensteine und bei Weinsammlern heiß begehrt. Bepi Quintarelli verstarb 2012; seitdem wird das Weingut von seiner Tochter Fiorenza und deren Söhnen Francesco und Lorenzo geführt. Wie unsere Verkostung zeigt, verstehen auch sie ihr Handwerk ausgezeichnet. 

Die Arrivierten

Romano dal Forno in Cellore d’Illasi ist der moderne Gegenpart zu Quintarelli. Erstmals brachte er vom Jahrgang 1988 einen Amarone auf den Markt, ausgestattet mit großer Dichte und Fülle. Im Gegensatz zu Quintarelli, der seine Weine immer im großen Holzfass ausbaute, legte Dal Forno seine Weine ins Barrique und arbeitete mit noch geringeren Erträgen. Auch bei Dal Forno hat der Generationswechsel längst stattgefunden, und die Söhne Luca, Marco und Michele sind fest in den Betrieb eingebunden. Dal Forno hat in diesem Jahr allerdings keinen Amarone anzubieten, weshalb er in unserer Verkostung fehlt.

Auch Allegrini in Fumane gehörte in den 1980er-Jahren zu den großen Erneuerern des Amarone. Marilisa, Franco und Walter Allegrini zeigten eine elegantere, geschliffenere Version des Amarone und machten ihn so für viele Weingenießer im Ausland zugänglicher. Allegrinis Amarone und vor allem der Recioto zählen zu den Top-Weinen der Region. Ähnliches gilt für Zenato und Speri, beides ebenfalls Familienbetriebe mit langer Tradition.

Zur Spitze zählt auch Tedeschi in Pedemonte. Die Geschwister Sabrina, Antonietta und Riccardo führen die Arbeit ihres Vaters konsequent fort. Mit der Riserva Capitel Monte Olmi und Fabriseria erzeugen sie zwei grandiose Amarone. Celestino Gaspari ist der Schwiegersohn von Giuseppe Quintarelli und arbeitete lange mit ihm zusammen. Dann machte er sich als Berater vieler heute bekannter Weingüter selbstständig. Schließlich gründete er seinen eigenen Betrieb, Zým¯e. 2015 wurde der überaus sehenswerte Keller in San Pietro in Cariano eröffnet, der gekonnt in einen alten Steinbruch gesetzt wurde. In Gasparis Weinen ist eindeutig der Stil Quintarellis erkennbar, sie sind aber etwas geschliffener und auch runder – moderne Klassiker eben. 

Die Neuen

Mit dem Erfolg des Amarone entstanden im Valpolicella viele neue Betriebe. Einiges davon ist leider Mittelmaß und recht kommerziell ausgerichtet. Einige spannende neue Namen gibt es aber auch: An ihre erste Ernte kann sich Noemi Pizzighella gut erinnern. Sie war acht, und der Duft des Mosts prägte sich ihr ein. 15 Jahre später gründete Noemi Pizzighella ihr eigenes Weingut, Le Guaite di Noemi in Mezzane di Sotto. Die selbstbewusste junge Frau kann eine beeindruckende Kollektion präsentieren. Nicht nur Amarone und Recioto sind hervorragend, auch ihr Ripasso und Valpolicella können sich sehen lassen.

Jago ist eine berühmte Lage nahe der Ortschaft Negrar. Die Familie Damoli betreibt hier schon seit Jahrhunderten einen Weinhof. Die Trauben wurden stets an Händler verkauft, erst Bruno Damoli begann mit eigener Flaschenproduktion. Bruno besorgt immer noch die Arbeit im Weingarten, Keller und Verkauf haben mittlerweile seine Kinder Daniele und Lara übernommen. Ihr Amarone Checo, so benannt nach dem Kosenamen des Großvaters, sticht sehr positiv heraus.

Flavio Prà ist ein gesuchter Önologe, der viele Betriebe in Venetien berät. 2006 gründete er seinen eigenen kleinen Betrieb in Illasi im östlichen Valpolicella. Schon sein Amarone Campi Lunghi kann mit seiner satten Frucht und dem feinen Tannin überzeugen. Richtig herausragend ist aber sein Amarone Campo Marna Cinquecento, der über zehn Jahre im Keller reift. Weitere sehr interessante Betriebe sind Massimago in Mezzane, Cà dei Maghi in Fumane und Giovanni Ederle in den Hügeln hinter der Stadt Verona. Alles Namen, von denen man in Zukunft noch viel hören wird.

ZUM AMARONE-TASTING

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Falstaff Nr. 09/2020
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