Alles ist erleuchtet

© Oliver Heinemann

© Oliver Heinemann

Schublade auf, einsortieren, Schublade zu. So läuft es bisweilen, wenn irgendwo ein Restaurant eröffnet und Gäste sich ein Bild davon machen. Im Falle des Konzepts, das sich Jirko Bannas, 38, und Oliver Heinemann, 39, in Hamburg erdacht haben, ist es nicht so einfach. Das beginnt schon beim Namen. »Soné Art Bar« und »Soné Art Restaurant« nennen beide ihre Neueröffnung nahe der Laeiszhalle – was soll das bedeuten? Irgendwie so eine Art Bar? Kann sein, immerhin gibt es hier Drinks. Gegen diese Lesart spricht der Akzent über dem e. Ein Restaurant für Kunstinteressierte? Vielleicht. Oder bezieht sich der Name auf die Galerie, die sich nebenan befindet und ebenfalls zum Konzept gehört? Alles ist möglich. Man weiß es nicht so genau. Exakt das ist das Ziel der beiden Macher: Sie wollen sich nicht kategorisieren lassen. »Das ist Liebe«, sagt Jirko Bannas schlicht, wenn man ihn fragt.

Architekturfotograf und Designer

Er und sein Geschäftspartner sind nicht die klassischen Gastronomen. Heinemann ist Architekturfotograf und stellt in der Galerie nebenan seine großformatigen Bilder aus, die dank einer eigens entwickelten Hintergrundbeleuchtung spektakulär wirken. Bannas ist ein Tausendsassa, der sich von Badewannen-Bau über Design bis hin zu Bierbrauen schon mit etlichen Themenfeldern (erfolgreich) auseinandergesetzt hat. Er ist zudem Schlossermeister, die Böden in der Galerie hat er größtenteils selbst gebaut, ebenso die Treppe, die von dort in den Keller führt sowie etliche andere Interieur-Elemente im gesamten Ensemble.

Was beide offenkundig im Übermaß haben, ist Stilbewusstsein und ein Händchen für Stimmungen. Die aufgearbeiteten Räume des Restaurants atmen, hier wurden nicht nur Wände und Stuck freigelegt, auch der Geist längst vergangener Zeiten kehrte zurück. In Kombination mit den einfachen Eichentischen à la DDR-Kombinat und der Lichttechnik, die Fotos (etwa an der Decke) großflächig hintergrundbeleuchtet, entsteht eine eigenartige, fast schon feierliche Atmosphäre. Eindrucksvoll auch das Flaschenregal: Ausgeschaltet scheint es Teil der Wand zu sein, kann dann aber stufenlos aufgehellt werden – gleichsam, als würde die Wand von innen leuchten. Der Tresen aus Messing ist ein Schmuckstück, die alte Faema-Maschine aus den 1960ern ebenso, überall erkennt man Liebe zum Detail.

Hochkarätige Unterstützer an Bord

© Oliver Heinemann

Vieles ist noch unklar, etwa, wann genau die Bar starten oder wie die Abendkarte aussehen wird. Was man sagen kann: Der Betrieb wird langsam hochgefahren, derzeit gibt es einen Mittagstisch mit Gerichten wie Backhähnchen mit Gurkensalat oder Kartoffelsuppe mit Wiener Würstchen, ab der nächsten Woche auch Frühstück. Später soll das Angebot erweitert werden, abendliches Abhängen in der Bar und Dinner sind dann möglich. Fabian Huber steht als Küchenchef hinterm Herd. Er bringt Erfahrungen aus der Sterneküche mit (u.a. »Bareiss«), fängt aber unprätentiös an – was nicht heißt, dass nicht noch mehr kommt. »Die Qualität muss stimmen, wir wollen selbst wursten und gute Produkte anbieten«, sagt Bannas. Stephanie Döring, bekannt vom Weinladen St. Pauli, wählt die Weine aus, Bar-Legende Jörg Meyer steht als »Freund des Hauses« beratend zur Seite, wenn es um Drinks geht. Könnte gut werden, diese Art Idee.

Info

Kaiser-Wilhelm-Str. 73
20355 Hamburg

Öffnungszeiten: 11.30 Uhr bis 15 Uhr

www.soneartrestaurant.de

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