40 Jahre und kein bisschen alt

Stoßen auf den Gschleier an: Hartmuth Spitaler (l.), Gerhard Kofler (r.).

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Stoßen auf den Gschleier an:  Hartmuth Spitaler (l.), Gerhard Kofler (r.).

Stoßen auf den Gschleier an: Hartmuth Spitaler (l.), Gerhard Kofler (r.).

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»Aus der Lage Gschleier kam schon immer ein besonderer Wein. Einer mit Dichte und Intensität«, erinnert sich Hartmuth Spitaler. Er war langjähriger Kellermeister der Kellerei Girlan in Südtirol und war einer der ersten, der auf hochwertigen Vernatsch setzte. »Vernatsch wird immer als Leichtwein angesehen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Er kann wesentlich mehr.« Um das zu beweisen, hatte die Kellerei Girlan zu einer beeindruckenden Vertikalverkostung in den neuen Verkostungsraum geladen: 40 Jahre Vernatsch aus Gschleier 1975-2015. Im Jahr 1975 wurden die Trauben zum ersten Mal getrennt eingekeltert. Fast ein Jahr reifte der Wein auf der Feinhefe. Es entstand ein Wein mit unbändiger Kraft, so Spitaler. Der begeisterte auch den bekannten Paul Flora. Nachdem er ihn verkostet hatte, bot er sich gleich an, eine Zeichnung für das Etikett zu gestalten. Die Zeichnung mit den drei knorrigen Kellermeistern wurde zum Markenzeichen.

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Die Vertikale war zweigeteilt. Zuerst kamen die Weine aus der Ära Spitaler, 1997-1976. 1990 war toll, auch 1983, am meisten beeindruckte aber der Gschleier 1976. In der Nase schön gereifte Noten, feine Würze, am Gaumen frisch, noch immer satt und dicht, zeigt er feinen Schmelz. Er erinnert da mehr an einen Blauburgunder als an einen Vernatsch, wirklich grandios. Seine Qualitäten hatte der 76er bereits in vorangegangen Blindverkostungen mit anderen Weinen aus diesem Jahrgang gezeigt. Neben einem 1976er Grand Cru der Domaine Damoy Chapelle oder einem 76er Figeac stand er wunderbar da. Die zweite Serie waren Weine aus der Hand von Gerhard Kofler, der Spitaler als Kellermeister nachfolgte: 2015-1999. Da zeigten sich vor allem die jüngeren Jahrgänge beeindruckend: 2009, 2012 und 2015. Alle mit feiner Frucht und viel geschliffenem Tannin. Kofler erweist sich da als würdiger Nachfolger Spitalers. Wie die Erfahrung lehrt, sollten diese Weine aber nicht zu rasch geöffnet werden. Jedenfalls zeigt der Gschleier beeindruckend, welch großes Potential im Vernatsch steckt!

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