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Kein Chlor, keine Chemie, viel Charme – Naturpools boomen. LIVING geht dem Trend rund um den öko­-bewussten Bade­spaß auf den – nun ja – Grund und hat ein paar Best-Practice-Beispiele dazu.

28 . April 2021 - By Manfred Gram

Gute Ideen erkennt man unter anderem auch daran, dass sie überdauern. Vor etwas mehr als 200 Jahren hatte der englische Generalleutnant James Morisset, seines Zeichens Stadtkommandant in Newcastle an der australischen Ostküste, das Bedürfnis nach einem eigenen Badeplatz. Er ließ am Strand ein Becken in den Fels sprengen, das sich mit Meerwasser füllte und ein sicherer Ort zum Schwimmen war. Keine Strömung, keine Haie – ein Safe-Space zum Kraulen quasi. Der Ocean Pool war geboren und damit auch eine Art nachhaltiges Schwimmbad-Konzept. Denn so ein Ocean Pool ist, wenn er gut angelegt ist und nicht allzu groß dimensioniert wird, eine selbstreinigende Angelegenheit. Wenn man will, kann man ihn daher auch als Urform eines Naturpools bezeichnen. 

Saubere Sache 

Das ist bemerkenswert, denn seit einiger Zeit verstärken sich Tendenzen, die den Wasserbereich im eigenen Garten nachhaltiger und ökologischer denken: mit Schwimmteichen, Biotopen und vor allem Living Pools, die nichts anderes als die biologische Variante eines Swimmingpools sind und – um die Nomenklatur zu vervollständigen – auch als Naturpools subsumiert werden. Diese unterscheiden sich jetzt gar nicht so arg von Pools wie man sie seit Jahrzehnten kennt. Dank gefinkelter Filtermethoden kommen sie allerdings ganz ohne Chlor und andere Chemikalien aus. Das freut Haut, Haar, Augen und Nase. Mit einem weiteren großen Vorteil: Das Wasser muss nicht so oft gewechselt werden – auch im Winter muss man es nicht auslassen. 

»Der Trend geht eindeutig zum chemiefreien Pool«, fasst Heimo Kurzmann, Geschäftsführer der »Biofermenta«, zusammen. Das Salzburger Unternehmen mit Sitz in Thalgau hat sich ganz den Living Pools verschrieben und entwickelt u. a. Filter und Skimmer für Naturpools. Kurzmann hat übrigens auch eine Erklärung für die verstärkte Nachfrage: »Einerseits beschäftigt man sich generell mehr mit den Themen Bio und Nachhaltigkeit, andererseits ist man nach jahrelanger Forschung endlich in der Lage, Naturpools in reproduzierbarer Top-Qualität zu bauen, die optisch klassischen Pools um nichts nachstehen.« 

Ein Pionier auf diesem Gebiet ist das Weidlinger Unternehmen »Biotop«. Vor über 35 Jahren startete man mit der Umsetzung natürlicher Schwimmmöglichkeiten mit dem Anspruch, das Baden im naturbelassenen Wasser neu zu definieren. Mittlerweile ist man Weltmarktführer und errichtete mit gut 90 Partnern und Lizenznehmern über 7.000 Bade­anlagen. Pro Monat sind es zwischen 40 und 50 neue Anlagen, die umgesetzt werden. »Der Markt entwickelt sich klar Richtung Naturpools, wobei Living Pools bevorzugt werden, denn sie brauchen weniger Platz als Schwimmteiche. Außerdem legen viele Wert auf eine klare Architektur und ein Badeerlebnis ohne Wassertiere und -pflanzen«, heißt es dazu aus dem Weidlinger Weltkonzern. Zudem hat Corona Naturpools noch einmal einen ordentlichen Schub verpasst. »Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause und im Garten. Sie suchen dabei vor allem mehr Lebensqualität. Ein Living Pool schafft in dieser Hinsicht einen besonders hohen Erholungswert, der mehr denn je geschätzt wird.« 

Der Trend beschränkt sich übrigens nicht nur auf private Gärten, wie die »Biotop«-Experten aus der Praxis erzählen. Auch Gemeinden und die Hotellerie zeigen reges Interesse an naturnahen Schwimmerlebnissen: »Immer mehr Betriebe setzen auf ein nachhaltiges biologisches Angebot und ergänzen ihr Wellness-Angebot mit Naturteichen.« So werden etwa Biotop-Projekte in internationalen Hotspots umgesetzt. 

So soll es sein

Dabei ist es bei kleineren Projekten gar nicht einmal nötig, neu zu bauen oder zu planen. Bestehende Pools können mit wenigen Handgriffen, ganz ohne größere Grabungseinheiten, einfach auf »Natur« umgerüstet werden. »Es scheint, als hätten die Leute im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll vom Chlor«, freut sich »Biofermenta«-Chef Heimo Kurzmann und erklärt das Prinzip von Filter-Boxen: »Die Filtration läuft immer nach dem gleichen Prinzip ab. Das Badewasser wird durch einen Kalk-Kies-Filter gedrückt oder gesaugt, auf dem sich in Folge ein Biofilm bildet, der dem Wasser Nährstoffe entzieht. So kommt es zu keinerlei Algenbildung oder Trübungen.« 

Und wenn man doch lieber neu plant? Dann gilt es zu überlegen, wie man seinen Pool elegant und vor allem stilsicher integriert. Innen wie außen, denn auch indoor werden die Living Pools zunehmend zum Thema, da – prinzipiell gut – das chlorbedingte Hallen 

badfeeling nicht in der Nase sticht. Heimo Kurzmann geht ins stilistische Detail: »Organische Formen sind in den letzten Jahren kaum noch gefragt. Bei Pools sind gegenwärtig vor allem rechteckige und geradlinige Formen gefragt.« Und auch die Experten von »Biotop« haben diesbezüglich ein Fazit parat: »Es sind vor allem Pools in der Infinity-Bauweise beziehungsweise mit Overflow, die von Kundinnen und Kunden stark nachgefragt sind. Zudem wird es sehr geschätzt, wenn der Pool in die Architektur integriert ist. Etwa mit einer Terrasse direkt am Wasser.« 

Clever konzipiert, nachhaltig gedacht – vielleicht ist es ein Sprung ins kalte Prophezeiungswasser, aber gut möglich, dass der eine oder andere Naturpool – wie die australische Urform – auch in 200 Jahren noch steht. 

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