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Zukunftsprognosen: Die neuen Regeln des Facility Management

Covid-19 stellt Büros und Arbeitsplätze vor Herausforderungen. Was bedeutet das für das Facility Management? Wir haben führende Experten gefragt, und ihre Zukunftsprognosen sind keineswegs düster. Denn viele Änderungen waren schon längst im Gange.

26 . Februar 2021 - By Maik Novotny

Wie funktioniert ein Arbeitsplatz? Diese Frage hat in den letzten zwölf Monaten eine besondere Bedeutung bekommen. Abstand halten, lüften, reinigen oder gleich von zu Hause arbeiten. Covid-19 hat nicht nur medizinische, sondern auch technische Konsequenzen. In den Bereichen Facility Management und Gebäudereinigung wurden die Leistungen in vielen Objekten von einem Tag auf den anderen eingestellt. Dennoch müssen auch geschlossene Objekte weiterhin gewartet und instand gehalten werde oder brauchen zusätzliche Sicherheitsleistungen.

»Das Homeoffice wird uns auch nach der Pandemie erhalten bleiben, wobei ich nicht glaube, dass sich das Arbeiten von zu Hause komplett durchsetzt. Es wird eher Mischformen geben.«

Markus Woratschek Geschäftsführer, IMV Immobilien Management

Achtung, Sicherheit

Haustechnik ist auch für Mitarbeiter elementar geworden, wie eine im Jänner von Honeywell Building Technologies veröffentlichte Studie zeigt. Fast jeder vierte Remote-Arbeiter würde nicht an einen Standort zurückkehren, an dem notwendige Sicherheitsmaßnahmen nicht umgesetzt wurden. »Arbeitnehmer achten sehr genau auf entsprechende Maßnahmen, vor allem, wenn es um Luftqualität und Sicherheitsrichtlinien geht«, sagt Vimal Kapur, Präsident und CEO von Honeywell.

»Natürlich ist die Pandemie an keiner Branche spurlos vorbeigezogen«, meint Florian
Danner, Partner und Experte für Facility Management bei den Unternehmensberatern und Büroplanern M.O.O.CON. »Zum einen hat es viele Unternehmen im Dienstleistungsbereich wirtschaftlich hart getroffen, da viele Leistungen aufgrund leer stehender Flächen gekürzt wurden und die Einhaltung aller Vorgaben eine große Herausforderung war. Auf der anderen Seite war vielen Unternehmen die Erbringung der Dienstleistungen, vor allem der Reinigung, noch nie so viel wert wie heute. Man sieht: Facility Management unterstützt das Kerngeschäft nicht nur, sondern ermöglicht es auch.«

»Die Pandemie hat das Facility Management beeinflusst, denn es ist allen bewusst geworden, dass dies systemerhaltende Dienstleistungen sind«, sagt auch Harald Steinberger, Geschäftsführer des FM-Consulters immovement. »Die Dienstleister gewähren organisatorische und hygienische Sicherheit, erstellen Notfallpläne und Kommunikationskonzepte, passen die technische Betriebsführung an, wenn Gebäudeinfrastrukturen weniger genutzt werden.«

Covid-19 und seine Folgen befeuerten auch die Digitalisierungsbereitschaft im Facility Management, so Steinberger, denn speziell -die technischen Prozesse würden großteils mittels digitaler Werkzeuge durchgeführt und vor allem dokumentiert – hier sind Modelle wie Predictive Maintenance und Augmented Reality Maintenance im Kommen. »Diese Digitalisierungsmöglichkeiten im Facility Management werden sukzessive erst erkannt. Dazu kommt, dass die nachkommende Ge-neration gut gerüstet ist, mit diesen digitalen Prozessen umzugehen.« Man sieht: Corona kann hier also durchaus als Innovationsbeschleuniger wirken.

Neue Freiräume

»Das Thema Homeoffice wird uns sicher auch nach der Pandemie erhalten bleiben, wobei ich nicht glaube, dass sich das Arbeiten von zu Hause aus komplett durchsetzt. Es wird eher Mischformen geben, je nach Position und Aufgabe der Mitarbeiter. Geschäftstermine online durchzuführen, hat sich bewährt, da man sich so Weg, Zeit und Kosten spart«, erklärt Markus Woratschek, Geschäftsführer der IMV Immobilien Management, einer der führenden Hausverwaltungen in Österreich. »Was die Büroorganisation betrifft, gab es den Trend zur Reduzierung der Arbeitsplätze schon vor Corona, etwa mit Desksharing-Konzepten. Die technischen Änderungen an und in Objekten wie Trennwände oder zusätzliche Lüftung werden sicher aus rein praktischen Gründen teilweise erhalten bleiben.«

Auch bei Vitra hat man sich unter dem Motto »Back to the Office« schon detaillierte Gedanken über das Büro der Zukunft gemacht. »Die Post-Corona-Innovationswelle vollzieht sich bisher vornehmlich digital und bleibt daher unsichtbar – wie das Virus selbst. Vertrautes und Bewährtes gewinnen an Bedeutung«, heißt es im Vitra-Manifest. Sichtbare Veränderungen: Der Gesundheitsschutz erhält Vorrang, das Homeoffice setzt sich durch, Besprechungen finden seltener statt, und neue Richtwerte bestimmen die gemeinsame Nutzung von Räumen. Fazit: Es gibt neue Freiräume, die nun genutzt werden müssen.

Florian Danner Partner, M.O.O.CON

MOOCON

»Vielen Unternehmen war die Erbringung der Dienst-leistungen noch nie so viel
wert wie heute. Facility Management unterstützt das Kerngeschäft nicht nur, sondern ermöglicht es auch.«

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