© Sophie Kirchner

Essensräume von morgen sind ein wichtiges Thema im Produktdesign. Mit dem Fokus auf Lebensmittelproduktion und Ressourcen forschen Designer:innen und Thinktanks nach neuen Nahrungsquellen und liefern Tableware aus Gemüseabfällen und 3D-Printern gleich mit.

06 . Mai 2022 - By Florentina Welley

Kreislaufwirtschaft, Zero Waste und Climate Care sind Schlagworte, mit denen sich Produktdesigner:innen längst auseinandersetzen. Sie arbeiten an Lösungen für eine klimafreundliche Lebensmittelproduktion, tüfteln an alternativen Nahrungsmitteln und nachhaltigen Materialien und produzieren aus Gemüseabfall Designobjekte. Dass die Welt umdenken muss, ist die DNA ihrer Entwürfe. Mit jedem Griff ins Regal eines Geschäfts entscheiden wir darüber, welche ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen der Kauf eines Produkts hat.

EIN LACHS IM V&A

Wie Umdenken gelingen kann, zeigen Lösungsvorschläge von Kunstinitiativen und Design-Thinktanks, die Essenskultur und Design global, regional und lokal miteinander verbinden. So gründeten die Designer Daniel Fernández Pascual und Alon Schwabe 2013 die Bewegung Cooking Sections. »Essen ist einer der Hauptfaktoren, der die Ökologie des Planeten prägt«, sagten Cooking Sections anlässlich der Eröffnung ihrer Londoner Ausstellung »Salmon: A Red Herring« im V&A Museum.

Ihr für den Turner-Preis nominiertes Konzept »Climavore« beschäftigt sich künstlerisch und wissenschaftlich mit Ernährung und Klimawandel. In einem Filmprojekt zeigten sie, dass Lachs, der ­normalerweise rosarot ist, als Zuchtlachs heute grau wäre. Daraufhin strich die Tate Zuchtlachs aus ihren Restaurants. Auch einige Londoner Lebensmittelgeschäfte wurden Mitglied von Climavore und bieten nur mehr Lachs an, der aus regenerativen Aquakulturen stammt. In ihrem ersten ­Projekt »On Tidal Zones« luden Cooking Sections Gäste zu einem performativen Meerestisch ein. Gegessen wurde das, was sie als nachhaltiges »Climavore-Menü«
definierten, nämlich Austern, Muscheln und regenerative Küstenzutaten wie Algen.

DESIGN AUS GEMÜSEABFALL

Auf Suche nach alternativen Lebensmitteln ist auch Julia Schwarz. »Ich wollte wissen, wovon sich Menschen in Notzeiten ernährten, und bin auf Flechten gestoßen. Sie können unter widrigsten Bedingungen wachsen«, so die Designerin, die gemeinsam mit Lisi Penker das Design-Research-Studio unseenedibles.com gründete. »Wir arbeiten an Lebensmittel-Perspektiven für die Zukunft. Als Teil der Essens- und Tischkultur entwickeln wir dabei auch Produkte wie Geschirr und Interior-Design.« Steingläser aus Steinabschnitten, aus denen Flechten-Gin-Tonic geschlürft wird, oder eine Naturstein-Plating-Serie werden bei Experience-Dinners getestet. Am Start ist auch ihr Teeprojekt »Chado«, das im Herbst bei der Vienna Design Week gezeigt wird.

Lebensmittel mit Design zu verknüpfen ist auch Produktdesignerin Barbara Gollackner wichtig. 90 Millionen Tonnen Lebensmittel und 26 Millionen Tonnen Einweggeschirr landen in Europa jährlich im Müll. Sie nimmt an, dass in Zukunft jeder Haushalt über einen eigenen 3D-Drucker verfügen wird, und erforschte gemeinsam mit Peter König, Leiter des Food and Beverage Lab an der New Design University, Essensreste als organisches Druckmaterial für Geschirr. Ihre Schalen aus Gemüseabfall hat sie bereits seit drei Jahren in Verwendung.

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