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Nach langem Dornröschenschlaf wachen die alpinen Riesen wieder auf: die Grandhotels in Bad Gastein und am Semmering, die Destinationen der High Society um 1900. Mit Sinn für Stil und Atmosphäre und einer guten Dosis Patina werden sie zur neuen Sommerfrische der Städter von heute.

18 . Juni 2020 - By Maik Novotny

So einen Ort gibt es nicht noch einmal. Eine Alpenschlucht, ein wilder Wasserfall, daneben prunkvolle Bauten am Steilhang, die sich bis zu zehn Geschoße hoch auftürmen. Grandhotels aus vergangenen Zeiten der Aristokratie und High Society. Eine surreale Stadt in den Bergen namens Bad Gastein. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts begann der Niedergang. Die ältesten Häuser im Ort, das Hotel »Straubinger«, die »Alte Post« und das »Badeschloss«, fielen in die Hand eines Investors, der die Schätze jahrelang verfallen ließ. Andere, wie der legendäre »Gasteinerhof«, wurden abgerissen.

Doch dann begann sich neues Leben in den morbiden Resten zu regen. Vor etwa 15 Jahren erkannten findige Personen das Potenzial des alten Kurorts. Olaf Krohne aus Deutschland entdeckte schon 2003 den Charme des Orts und übernahm später das »Hotel Regina«. Plötzlich war der Ort in allen Medien, die kreative Szene aus Berlin und Wien entdeckte die Stadt in der Schlucht.

Wir spielen mit dem alten Glamour. Es wird aber keine Rekonstruktion, denn dann würden all die Spuren von Bizarrheit verschwinden.

Erich Bernard BWM Architekten

Neues Leben

Inzwischen bastelt Krohne schon am nächsten Projekt: das »Hotel Astoria« aus dem Jahr 1913. »Das Haus ist denkmalgeschützt, und sehr viel vom originalen Interieur ist noch erhalten«, sagt er. »Wir arbeiten mit einem Art Director zusammen und denken in Richtung ›Chateau Marmont‹ und ›Soho House‹.« Das Wichtigste für den Ort, so Krohne, sei, dass man den Charme in die Neuzeit übersetzt, und kein k. u. k. Disneyland errichte.

Es sieht gut aus, denn seit das Land Salzburg die drei leer stehenden Hotels im Zentrum erwarb und an die Investoren Hirmer und Travel Charme verkaufte, kommt neue Dynamik ins Tal. Konzept und Umsetzung erfolgen durch BWM Architekten aus Wien. »Das Ensemble ist das Herzstück von Bad Gastein. Wir operieren quasi am offenen Herzen«, sagt Erich Bernard von BWM. »Das ›Straubinger‹ wird als 5-Sterne-Hotel mit gehobener Gastronomie wiedererstehen. Hier spielen wir mit dem alten Glamour, es wird aber keine Rekonstruktion, denn dann würden all die Spuren von Bizarrheit verschwinden. Im ›Badeschloss‹ wird das Thema Baden die Hauptrolle spielen, und die ›Alte Post‹ ist der Ort für Concept-Stores, für Meetings und Seminare.« Die Eröffnung ist für 2023 geplant.

Bad Gastein ist nicht die einzige kaiserliche Sommerfrische, die einen zweiten Frühling erlebt. Auch am Semmering mit seinen mächtigen Hotelburgen, den schlafenden Riesen aus vergangenen Zeiten, tut sich etwas. Nachdem auch hier zahllose Investoren kamen und gingen und manche Euphorie wieder in Pleiten endete, ist hier ein erfahrener Macher mit im Spiel: Florian Weitzer, der mit den Hotels »Daniel« und »Grand Ferdinand« in Graz bzw. Wien Stilsicherheit bewiesen hat, erwarb Ende 2019 das prachtvolle »Kurhaus Semmering«. 

»Es ist uns nicht um die Größe gegangen, sondern um die Geschichte und die Lage zwischen Graz und Wien«, sagt Weitzer. Noch ist man mit den Planungen am Anfang, doch eine Generalsanierung sei zu erwarten. »Ziel ist, dem Gebäude ein neues Leben einzuhauchen. Der Rest wird sich von alleine entwickeln«. Warum ist der Semmering jetzt bereit für eine Wiederbelebung? »Er war schon immer bereit für eine Wiederbelebung«, so Weitzer trocken. »Die Menschen kommen gerade jetzt auch darauf, dass es im eigenen Land viele gute Urlaubsmöglichkeiten gibt«. Wer weiß, vielleicht verhilft sogar der Aufschwung des Heimaturlaubs aufgrund des Coronavirus der alten Sommerfrische zum zweiten Frühling?

Der Semmering war schon immer bereit für eine Wieder­belebung. Die Menschen kommen gerade jetzt auch darauf, dass es im eigenen Land viele gute Urlaubsmöglichkeiten gibt.

Florian Weitzer Hotelier

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