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Luxusgut »begehbare Garderobe« – kaum ein anderer Raum verrät so viel über die Persönlichkeit wie der Kleiderschrank. LIVING befragte internationale Experten für Dressing-Room-Ästhetik.

12 . September 2016 - By Luisa Siller Barbara Brandtner

Ganz oben auf der Wunschliste modebewusster Wohnungsbesitzer steht der eigene, begehbare Kleiderschrank. Weil sich sowohl die Flächenwidmung im Wohnbereich wie auch die Kunst der
Selbstverwöhnung in den letzten Jahren stark verändert haben, bekommen Garderoben und Bad bei der Planung weit mehr Priorität zugedacht als früher – der Kleiderschrank ist gar zu einem Ort der Persönlichkeitsentfaltung de luxe avanciert. Das obere Segment der »Walk-in Wardrobes«, wie sie auf Englisch heißen, beherrschen einige ausgewählte Hersteller exzellent. Die italienische Design-Manufaktur Arte Veneziana etwa ist mit ihren Modellen von London bis Schanghai erfolgreich unterwegs.

Glamourös

Die Eigentümer Nicola und Alessandro Zanin wissen sowohl bei den Herren als auch bei den Damen um die Wirkung einer perfekt gestalteten Garderobe und bringen die Philosophie auf den Punkt: »Der begehbare Schrank ist ein intimer Ort der fashionablen Persönlichkeitsentwicklung. Es ist ein Ort, der uns Tag für Tag selbstbewusster macht. Wir können uns dort entfalten und unserer Fantasie freien Lauf lassen. Wir probieren aus, testen und können unseren Wunsch nach Boutiquen-Design zu Hause realisieren.« Nicola Zanin verrät weiters: »Unsere Garderoben sind maßgeschneidert. Bevor wir sie bauen, setzen wir uns mit dem zukünftigen Besitzer wochenlang auseinander, um seine Wünsche und persönlichen Bedürfnisse umzusetzen.«

Nicola Zanin 
Miteigentümer bei Arte Veneziana.

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Minimalistisch

»Was ist bei der idealen Garderobe ganz besonders wichtig?«, bohrt LIVING nach. »Ein vollgepackter Schrankraum bringt gar nichts. Wichtig ist ein System, eine strukturierte Aufteilung, wo und wie Kleidungsstücke sortiert werden: Ich spreche von unterschiedlichen Schubladen, verschiedenen Hängemöglichkeiten sowie Ablagen in verstellbaren Höhen. Man muss sich nach Farben oder sogar Marken orientieren können, die sofort sichtbar sind. Gut angebrachte Spiegel und beste  Beleuchtung sind ein weiteres Must.« Fazit: An einem aufgeräumten Ort lassen sich Gedanken gut ordnen, man ist kombinierfreudiger und in der Lage, abwechslungsreichere Outfits zusammenzustellen. Denn der spezielle Moment am Morgen soll an einem ganz speziellen Ort zelebriert werden, um am Tag die maximale Wirkung zu erzielen.

Romantisch

Marie und ihre Magie

Das, was also Zanin bereits vor und während der Herstellung predigt, sollte auch unbedingt vom Kunden gewünscht und letztlich realisiert werden. Denn was nützt das perfekte Set-up, wenn es an der Ordnung hakt? Das Problem ist altbekannt: Im Laufe der Jahre häufen sich Kleider, Schuhe und Taschen an. Ein Bruchteil wird getragen, und dennoch können wir uns von den Schrankleichen einfach nicht trennen. Eine radikalere Lösung heißt: Marie Kondo. Jene zierliche Japanerin, die sich das Ausmisten unserer Wohnräume zur Lebensaufgabe gemacht hat und bei verzweifelter Kundschaft selbst Hand anlegt. Schon als Kind war sie fasziniert davon, Ordnung zu schaffen – aber vor allem sie auch zu halten. Daraus entwickelte sie ihr spezielles System. Und der Erfolg gibt ihr recht. Das renommierte »Time«-Magazin zählt sie zu den 100 einflussreichsten Menschen weltweit. Stars wie Kate Hudson, Gwyneth Paltrow und Jamie Lee Curtis schwören auf die sogenannte KonMari-Methode. Auf Instagram und YouTube dokumentieren begeisterte Kondo-Jünger ihre jüngsten Erfolge. Wer einen der heiß begehrten Termine bei der Aufräum-Fee ergattern will, muss derzeit mit mehreren Monaten Wartezeit rechnen. Schnellere Abhilfe sollen ihre Bü­cher schaffen, die sich millionenfach verkauft haben und in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. In ihnen erklärt sie sukzessive, wie wir unseren Wohnraum von unnötigem Ballast befreien. Das Prinzip ist ebenso simpel wie knallhart. Bei jedem einzelnen Stück stellen wir uns die Frage »Does this spark joy?« – »Macht mich das glücklich?« Wird dies nicht mit einem eindeutigen Ja beantwortet, danken wir dem Kleidungsstück für seine Dienste und schicken es auf die Reise. Ist die Reinigung erst einmal vollzogen, geht es zu Schritt zwei: der richtigen Aufbewahrung. Auch hierfür hat Kondo ein System entworfen. Gehängt wird nur, was unbedingt hängen muss. Alles andere wird, präzisen Anweisungen folgend, gefaltet und – Achtung! – vertikal sortiert. Was auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig klingt, erweist sich in der Praxis als Segen: So haben wir alle Kleidungsstücke sofort auf einmal im Blick. So radikal Marie Kondo mit ihren strengen Regeln wirkt – die KonMari-Methode verändert unser Leben für immer. Oder zumindest unsere Garderobe.

Maskulin

Die goldenen KonMari-Regeln

1.
Jedes einzelne Kleidungsstück wird in die Hand genommen. Fällt die Antwort auf die Gretchenfrage »Does this spark joy?« positiv aus, darf es bleiben.

2.
Hängend aufbewahrt werden Jacken, Kleider, Röcke, Hemden und Oberteile. -Geordnet wird von links nach rechts, von schwer nach leicht, von hell nach dunkel.

3.
T-Shirts, Hosen, Socken, Unterwäsche etc. werden gefaltet oder gerollt und vertikal geschlichtet. So hat man auf Anhieb alles im Blick und nichts wird zerknautscht.

4.
Ausgemistet wird immer alleine. Freunde oder Familienmitglieder verleiten uns oft zu falscher Nostalgie oder beeinflussen unsere Entscheidungen.

5.
Außerdem streng verboten: Ablenkungen wie Telefonieren, Musik oder Fernsehen. Aussortiert und geräumt wird nach den Regeln von Marie Kondo: in Ruhe.

 

Aus Falstaff LIVING 03/2016

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