© Manolo Yllera

LIVING zu Gast beim Designerduo Apparatus. Die beiden kreativen Masterminds verleihen ihrem Domizil eine ganz spezielle ästhetische Note, indem sie auf geschmackvoll ausgewogene Art und Weise formschöne Objekte mit eigenen Entwürfen kombinieren. Ihre gestalterische Hoch­begabung lässt sich dabei nicht verleugnen.

04 . Dezember 2021 - By Paul Fleischmann

Unser Zuhause ist unser ganzer Stolz«, versichert Jeremy Anderson. »Wir wollten diesen Ort mit einem besonderen Flair erfüllen.« Jeremys Partner, Gabriel Hendifar, der an seiner Seite steht, nickt voller Zustimmung. Dieses innenarchitektonische Konzept haben die beiden fraglos mit Erfolg umgesetzt. Tatsächlich ist es ihnen nämlich gelungen, einen Wohnraum zu erschaffen, der trotz aller stylishen Coolness nie das Wesentliche aus den Augen verliert. Hier kommt auch das herzliche Naturell der Gastgeber zum Tragen, die ein Ambiente kreieren, das sowohl entspannte Gemütlichkeit als auch heitere Gelassenheit vermittelt. Und das mitten in einer der trendigsten und lebendigsten Gegenden des Big Apple!

Extravaganza

Jeremy Anderson und Gabriel Hendifar wissen den modernen New Yorker Lifestyle in ihrem Apartment perfekt umzusetzen.

© Manolo Yllera

Couragiert ans Ziel

Das Apartment der beiden Designer, die 2011 aus dem sonnigen Kalifornien an die amerikanische Ostküste übersiedelten, befindet sich in der obersten Etage eines ehemaligen Industriekomplexes im angesagten Flatiron District von Manhattan, unweit des für das Viertel namens­gebenden historischen Wolkenkratzers, des legendären Flatiron Building. »Wir zogen nach New York und gaben einfach vor, eine Firma zu betreiben«, lacht Gabriel. »Das führte letzten Endes dazu, dass wir tatsächlich unsere eigene Firma leiteten.« Ihr Wagemut und ihre Chuzpe blieben nicht unbelohnt. Heute beliefert Apparatus – so der Name des besagten Geschäftsbetriebs – nämlich namhafte Kunden wie Four Seasons, Soho House oder das Pariser Hotel »Lutetia« mit ausgefallenen wie eindrucksvollen Designerobjekten und betreibt Showrooms in New York und Mailand. Gabriel versteht sich als Kreativdirektor des dynamischen Duos, während er Jeremy »einen Adlerblick für die Details« ihrer gemeinsamen Arbeit bescheinigt. Auf jeden Fall ergänzt sich das kongeniale Paar in allen Lebenslagen ganz ausgezeichnet.

Gleich im Eingangsbereich erwartet einen als Gast im Apartment der inzwischen heimisch gewordenen New Yorker ein ­Mitbringsel aus ihrer Zeit in Los Angeles. Dabei handelt es sich um eine herrliche Vitrine im Art-déco-Stil und »ein lieb gewonnenes Erinnerungsstück an unsere  gemeinsame Geschichte, das wir nicht missen möchten«, schwärmt Jeremy. Das Apartment selbst vereint spielerisch und nuanciert diverse Gegensätze und lässt dabei jeden Designliebhaber voll Bewunderung mit der Zunge schnalzen. Messing, Marmor und Holz geben hier den Ton an. Das Loft wird von einem eichenen Raumteiler, der an der dem Essbereich zugewandten Seite mit einem großformatigen dänischen Gemälde samt ­rustikalem Motiv dekoriert ist, schwungvoll in mehrere höchst wohnliche Segmente getrennt. Ein echter Geniestreich: Gleich nach ihrem Einzug ersetzten Gabriel und Jeremy die ­Rollos der knapp drei Meter hohen Fenster mit Holzläden, durch deren lochförmige Öffnungen ein Licht dringt, das dem Raum eine fast schon ätherische Atmosphäre verleiht. »Hier lässt es sich schon aushalten«, schmunzelt Gabriel. Wer würde ihm da schon ­widersprechen wollen?

Ihre Vorliebe für ausgefallene Lampendesigns und ausgeklügelte Beleuchtungskonzepte, für die sich Apparatus allerorts einen Namen gemacht hat, spiegelt sich auch im Apartment der findigen Firmengründer und fantasievollen Visionäre wider. Überhaupt funktioniert die relaxte Residenz des kreativen Gespanns als eine Art Vorzeigeprojekt für die prächtigen Designs der beiden. Hoher Wohlfühlfaktor inklusive. Schließlich kann man sich auf die todschicken, mit schwarzem  Moiré-Stoff bezogenen Mid-Century-Couchen von Möbeldesign-Ikone Milo Baughman ganz ungeniert fläzen und sich sorglos seinen Tagträumen hingeben. Die Form der marmornen Couchtischplatte erinnert an einen Fuß mit drei Zehen, was dieser Erholungsecke vor allem in Kombination mit den zwei an magische Stammeskunst nordamerikanischer Ureinwohner erinnernden Figuren einen leicht unwirklichen Touch beschert.

Unser Zuhause ist unser ganzer Stolz. Wir wollten diesen Ort mit einem besonderen Flair erfüllen.

Jeremy Anderson über die eigenen vier Wände

Wie man sich bettet …

Die Farbwahl als Glücksgriff: Die Wände des Schlafzimmers sind mit rostbraunem Samt verkleidet, was einerseits kuschelige Wärme sowie andererseits smoothen Charme vermittelt. Der antike Teppich überzeugt mit klassischen Motiven und stammt noch aus den Anfangstagen des Paares in Los Angeles. Ganz im Fokus des Schlafgemachs steht ­jedoch das aus Messing gefertigte Bett, das von zwei eleganten Beistelltischchen, die als Nachtkästchen fungieren, flankiert wird. Zentral über dem Kopfende prangt ein faszinierendes Detail – ein quadratisches Gemälde eines menschlichen Ohrs. Auf Nachfrage erklärt Jeremy, dass es sich dabei um sein eigenes Hörorgan handelt. Gabriel hat es anlässlich des 40. Geburtstags seines Partners porträtieren lassen und dort platziert. Die Kleiderschränke sind praktischerweise mit Spiegelfronten versehen. Mehrere verspielte Elemente lockern das Ensemble auf und ­tragen ebenfalls zur legeren Stimmung bei.

Wie balancieren die beiden ihre gestalterische Partnerschaft als gefeierte Designer? »Ich bin für die Entwicklung der Konzepte zuständig«, erklärt Gabriel. »Allerdings kann ich mich dabei stets auf das konstruktive Feedback Jeremys verlassen.« Dieser war auch von Anfang derjenige, der die Ideen behände in die Tat umsetzte und sich auch um andere praktische Aspekte kümmerte. »Es war aber auch ein Segen, als wir mit der Zeit noch mehr Leute für all die anfallenden Aufgaben an Bord holten, um uns ein wenig zu entlasten«, ergänzt Jeremy. Heute umfasst das Apparatus-Team fast 50 Mitarbeiter.Begrenzt wird der Schlafbereich von einer deckenhohen Glas-Metall-Wand samt ­Doppelflügeltür sowie ausladenden weißen Vorhängen. Direkt vor dem Eingang befindet sich eine lässig freigeistige Chaiselongue des umjubelten Designers Vladimir Kagan. Trotz aller Funktionalität ein kokettes Statement für gechillte Entschleunigung inmitten einer turbulenten Megametropole. Auch das ­Badezimmer präsentiert sich hinter einer Spiegeltür als gediegene Ruheoase. Auch hier erwarten einen blanke Oberflächen aus ­Marmor, die sich als wiederkehrendes Stil­element durch den gesamten Wohnbereich ziehen. Die Lampen haben die Bewohner des Apartments – wenig überraschend – selbst ent­worfen.

Design als Lebenssinn

»Man muss für die Dinge, die man selbst sehen will, zu kämpfen bereit sein«, betont Gabriel. »Solange bestimmte Objekte einen nichts fühlen lassen, bleiben sie einfach nur Dinge.« Es sind genau diese akribische Arbeitsphilosophie und diese tief empfundene Leidenschaft, die Apparatus-Designs so markant von der breiten Masse abheben. Man muss nur einen Blick auf die plastischen Leuchten aus erlesenen Materialien werfen, um zu verstehen, wie es Gabriel und Jeremy gelang, die Innendesign-Szene im Sturm zu erobern. Auch ihre jeweilige berufliche Vergangenheit erwies sich für die beiden Designer als großer Vorteil. »Meine Erfahrung im PR Bereich hat mir definitiv weitergeholfen, Apparatus als Firma auf Schiene zu bringen«, verrät Jeremy. Gabriel wiederum erlangte während seiner kreativen Tätigkeit bei kalifornischen Fashionlabels wie JMary und Raquel Allegra wertvolle Einblicke in eine Welt auch abseits des Glamours, in der abstrakte Ideen zu hochwertigen Handels­waren umgewandelt wurden.

Ihre Expertise erstreckt sich mittlerweile nicht nur auf Lampendesigns, nein, das Angebot von Apparatus umfasst längst auch nicht minder spektakuläre Entwürfe für Mobiliar und Accessoires. »Während ich am Vormittag erst langsam in die Gänge komme und mir noch die Augen reibe, zeigt mir Gabriel bereits diverse Skizzen, die er angefertigt hat«, staunt Jeremy. »Seiner Kreativität sind offenbar keine Grenzen gesetzt.« Jeremy selbst experimentiert neuerdings mit Keramik und betätigt sich als Töpfer. Die Resul­tate bevölkern bereits das Apartment. Die Wände ziert hingegen eine stringente Auswahl moderner Kunstwerke, die das Power-Couple im Verlauf der Jahre erstanden hat. Der hier vorherrschende Sinn für Ästhetik abseits abgedroschener Klischees erfasst selbst noch die hintersten Winkel dieses Apartments, das getrost als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden darf.

Wenn man nicht nur liiert ist und zusammen wohnt, sondern auch noch geschäftlich gemeinsame Sache macht, lässt sich Berufliches immer vom Privaten trennen? Kommt es da mitunter zu Konflikten? »Wenn wir mal streiten, dann nicht wegen unserer ­gestalterischen Vorstellungen. Da geht es um Kleinigkeiten«, lacht Gabriel. »Wie bei jedem normalen Paar!« Abgesehen von solch minimalen Verstimmungen geht es bei Jeremy und Gabriel jedoch höchst harmonisch zu, was auch ihr Apartment zu unterstreichen imstande ist. Ihr einzigartiger Blickwinkel auf das Thema Design wird aber auch abseits ihrer eigenen vier Wände weiterhin für Furore in kreativen Kreisen sorgen.

Barfuß am Parkett

Dem New Yorker Power-Couple Jeremy Anderson (l.) und Gabriel Hendifar ist nicht nur Ästhetik, sondern auch relaxte Gemütlichkeit ein großes Anliegen.

 

© Manolo Yllera

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