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Japandi heißt der Interior-Trend der Stunde. Dabei trifft nordischer Scandi-Chic auf japanische Wabi-Sabi-Philosophie. Heraus kommt ein atmosphärischer Feelgood-Minimalismus, der das Beste zweier Welten verbindet. Eine kleine Bestandsaufnahme

16 . September 2020 - By Manfred Gram

Das Verbindende dem Trennenden vorzuziehen, ist grundsätzlich ein guter Ansatz, um durchs Leben zu kommen. Dies mag zwar, sieht man sich den Zustand der Welt so an, im Moment nicht unbedingt immer Grundkonsens sein, aber prinzipiell gilt: Wenn sich zwei zusammentun und sich dabei auf ihre Stärken und Gemeinsamkeiten besinnen, stehen die Chancen gut, dass etwas Ansprechendes herauskommt. Ein gutes Beispiel dafür liefert der Design- und Interior-Kosmos.

Hier geistert nämlich seit einiger Zeit das Kofferwort »Japandi« umher und meint damit die Fusion von skandinavischem mit japanischem Design. Nordeuropäische Gemütlichkeit und Lebensphilosophie, die gerne mit  hygge und lagom umschrieben werden, treffen auf fernöstliche Ästhetik und Sichtweisen auf die Welt, die man unter Wabi-Sabi kennt. Und ja: Scandi-Chic und japanischer Minimalismus haben sich gesucht und gefunden. Sie sind – wenn man so will – ein perfektes Match auf Design-Tinder.

Perfect Match

Zwar mögen rund 8.000 Kilometer zwischen Japan und Skandinavien liegen, aber die Fernbeziehung funktioniert ausgezeichnet. Beide Designstile sind darauf ausgerichtet, möglichst einfach und funktional zu bleiben. Dabei spielen natürliche Materialien sowie die Hochachtung gegenüber qualitativem Handwerk eine große Rolle. »Sowohl in Japan als auch in Skandinavien gibt es eine große Wertschätzung für Dinge, die von Hand mit Sorgfalt hergestellt und auf Langlebigkeit ausgelegt sind.

Beide haben zudem die Natur als gemeinsamen Nenner«, fasst der Schweizer Designer Moritz Schlatter die geistige Verwandtschaft zwischen Japan und Skandinavien zusammen. Der 44-Jährige hat eine hohe Affinität zu skandinavischem Design, lebt und arbeitet aber seit vier Jahren in Tokio und kennt beide Welten sehr gut. Der aktuelle Trend kommt für ihn daher alles andere als überraschend: »Japan hat sich in den letzten zehn Jahren stark geöffnet. Dadurch ist Japan näher in unser Bewusstsein gerückt. Zudem helfen auch soziale Medien wie Pinterest und Instagram dabei, Bilder schnell zu kombinieren und zu verbreiten. Japandi ist nämlich auch sehr fotogen.«

»Japandi mit seinen schlichten Formen und seiner Reduktion aufs Wesentliche hilft, Atmosphäre und Alltagsqualität zu schaffen.«
Moritz Schlatter Designer

Instagramable

Und wie setzt man diese Stilmelange jetzt gekonnt um? Wie trifft man ihren Wesenskern? Am besten mit niedrigen, bodennahen Möbelstücken. Sofas, Wohnzimmertische und Betten sind bei Japandi eine Etage tiefer angesiedelt, sie sind zudem schlicht geformt und weisen eine hohe Funktionalität auf. Denn was bringt einem ein superstylishes Sofa oder ein außergewöhnlicher Designer-Sessel, wenn es sich nicht gut darauf sitzen lässt? Eben. Außerdem ist Japandi vor allem die Reduktion auf das Wesentliche. Überbordendes und Unruhiges wird einfach aus den Wohnräumen verbannt. So schafft man Freiräume. Mit dieser eleganten Abgespecktheit strebt man nach Harmonie, und mit dunklen und hellen Hölzern, geflochtenen Körben, gemütlichen Sesseln aus Rattan, Leuchten aus Papier und exklusiven Stücken aus Leinen und Jute holt man sich die dafür nötige Portion Natur ins Haus.

Vor allem vermeidet dieser harmonische Feelgood-Minimalismus allzu grelle Farbexperimente. Eine fein abgestimmte Ausgewogenheit aus Schwarz-, Weiß-, Beige-, Creme- und Nude-Tönen soll für möglichst viel Ruhe und Gemütlichkeit sorgen. Aber trotz aller Zurückgenommenheit und eleganter Designdiskretion: Japandi darf niemals steril wirken. Mit Wänden, gestrichen in warmen, erdigen Tönen, die auch noch leicht sichtbare Strukturen haben, aber auch mit dunklen Grautönen lässt sich das leicht vermeiden. Ein gut arrangiertes Spiel aus hellen und dunklen Möbeln und handgefertigte Unikate sind bei dieser Rauminszenierung dann das Tüpfelchen auf dem i.

Wider die Hektik

Der skandinavisch-fernöstliche Stilmix ist übrigens durchaus gekommen, um zu bleiben. Ein gutes Indiz dafür ist sein nahtloses Einfügen in die Rahmenbedingungen aktueller, vor allem europäischer Lebenswelten. »Japandi passt gut zu unserem hektischen modernen Lebensstil, denn der Japandi- Minimalismus ermöglicht uns, eine saubere, ruhige Umgebung zu schaffen, in der wir entspannen und uns wohlfühlen können«, erklärt Designer Moritz Schlatter und ergänzt: »Eine gute Atmosphäre zu schaffen, ist ein tieferes Bedürfnis von uns Menschen, das dazu beiträgt, die Qualität unseres Alltags zu verbessern.« Dafür das Gemeinsame und Verbindende zweier Welten zu finden und umzusetzen, ist ein mehr als guter Ansatz.

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