Einmal auf der Île Saint-Louis wohnen! Wie Innenarchitekt Damien Langlois-Meurinne ein konventionell gestaltetes Pariser Apartment in einen Wohntraum verwandelte.

08 . November 2019 - By Ian Phillips

Bei der Vorstellung, auf der Île Saint-Louis in Paris zu leben, gerät der französische Innenarchitekt Damien Langlois-Meurinne ins Schwärmen: »Dieser Teil der Stadt ist für mich einzigartig. Es ist ein Ort, der aus der Zeit gefallen scheint, so wie Venedig. Sobald man in eine Seitengasse einbiegt, ist man plötzlich fast alleine – obwohl man sich mitten im Herzen der Hauptstadt befindet. Das hat etwas geradezu Magisches.«

»Ich betrachtete jeden der Nebenräume wie eine eigene Box und behandelte Wände und Decke jeweils gleich. Das verleiht ihnen eine warme, heimelige Atmosphäre.«

Damien Langlois-Meurinne Innenarchitekt

Sein erster Besuch in der eindrucksvollen 246-Quadratmeter-Wohnung, die er für ein französisches Paar um die sechzig umgestalten sollte, war ähnlich märchenhaft und hat spürbaren Eindruck bei ihm hinterlassen. Es war an einem Wintermorgen, davor hatte es geschneit. »Alles war vollkommen weiß und die Stille fast überwältigend. Ich kam mir vor, als würde ich ein Schloss auf dem Land betreten. Es war, als wäre ich an einen anderen Ort versetzt worden.«

Innenarchitekt Damien Langlois-Meurinne entwarf zahlreiche Objekte für die Wohnung selber, so etwa den Teppich und die Hängeleuchte im Esszimmer.

© Stephan Julliard

Die Vier-Zimmer-Wohnung befindet sich in der Beletage eines zwischen 1637 und 1642 errichteten Gebäudes – dieses war einst Teil eines prächtigen Stadtpalais, dessen weitläufiger formaler Garten direkt an die Seine grenzte. Mittlerweile erfolgt der Zugang zum Haus etwas weniger pompös über einen gepflasterten Hof, der sich hinter einer Mauer verbirgt. Die Wohnung selbst verfügt über eine eigene kleine Terrasse und kann in manchen Räumen mit einer beeindruckenden Höhe von rund 4,5 Metern aufwarten. Das amerikanische Paar, dem sie zuvor gehörte, hatte vor rund 15 Jahren Jacques Garcia mit der Innenausstattung betraut. Es dominierten helle Rot- und Gelbtöne, stoffbezogene Wände, Stilmöbel aus dem 17. Jahrhundert und kunstvoll drapierte Vorhänge. »Auf mich wirkte es konventionell und erstickend«, erzählt Langlois-Meurinne im Rückblick. »Es fehlte jegliche Lebendigkeit.«

Licht und Farbe

Während er der Wohnung gestalterisch neues Leben einhauchte, beschränkte er sich bei den baulichen Veränderungen auf ein Minimum. Irgendwann in ihrer jüngeren Vergangenheit hatte ein Immobilienentwickler die Wohnung erworben und im Großteil der Nebenräume Zwischendecken eingezogen, um ein zweites Geschoß zu schaffen – und wertvollen zusätzlichen Raum zu gewinnen. Langlois-Meurinne wollte diese Einbauten eigentlich entfernen, um die ursprünglichen räumlichen Dimensionen wiederherzustellen. Zu seiner Überraschung wurden die erforderlichen Genehmigungen jedoch nicht erteilt. Er blieb unbeirrt und beschloss, die räumlichen Beschränkungen in einen Vorteil zu verwandeln und Gästezimmer, Küche, Wirtschaftsraum und Fernsehzimmer in ebendiesen Nebenräumen unterzubringen. »Ich betrachtete jeden davon wie eine eigene Box«, erklärt er, »und behandelte Wände und Decke jeweils gleich. Das verleiht ihnen eine warme, heimelige Atmosphäre.« Zudem wird dadurch auch die Größe der Haupträume betont. »Kommt man vom Fernsehzimmer ins Wohnzimmer, wirkt dieses noch imposanter.«

»Die Firmengründer sind jung und haben eine hervorragende Nase für vielversprechende neue Künstler. Ich gehe an Kunst völlig unspekulativ heran. Es geht einzig darum, was ich mag.«
Damien Langlois-Meurinne über die Arbeit mit Aster

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Historisch relevante architektonische Elemente waren keine vorhanden – sogar die Wandverkleidung stammt laut Langlois-Meurinne vermutlich von Garcia. An ihr nahm er nur einige kleine Änderungen vor, um sie symmetrischer wirken zu lassen, und strich sie in einem hellen Creme-Ton: »Ich wollte den Raum mit Licht füllen und seine Eleganz und Größe feiern.« An anderer Stelle setzte er Farbtöne ein, die auf den Ursprung des Gebäudes verweisen: ein sattes Grün im Eingangsbereich und ein Ziegelrot auf der Gästetoilette. »Sie erinnern mich an alte Schlösser. Genau diesen Grün-Ton findet man auch in Tapisserien des 17. Jahrhunderts.«

Moderne Kontraste

Abgesehen davon verfolgte der Innenarchitekt aber einen dezidiert modernen Ansatz: »Ich wollte die Wohnung wirklich im 21. Jahrhundert verankern.« Ein gelungenes Beispiel
dafür ist der große Kamin aus Calacatta-Oro-Marmor im Wohnzimmer mit seinen wunderschön proportionierten, schlichten geometrischen Formen. Bei den Böden setzte er in manchen Räumen, wie etwa dem Badezimmer, auf den grafischen Effekt von Panda-White-Marmor. Dessen markante schwarze Adern erinnern an mit breitem Pinselstrich hingeworfene kalligrafische Muster. »Für mich sagt diese Geste: ›Wir befinden uns im Jahr 2020!‹ Ein lebendiger Stein wie dieser gibt einem Raum sofort ein Gesicht. Er hat eine sehr bildhafte Qualität, fast wie ein Gemälde.«

Für die Einrichtung zog Langlois-Meurinne auch das dynamische Pariser Kunst- und Design-Beratungsunternehmen Aster bei, mit dem er seit einigen Jahren regelmäßig zusammenarbeitet und für das er voll des Lobes ist: »Ich schätze sie ungemein. Die Firmengründer sind jung und haben eine hervorragende Nase für vielversprechende neue Künstler, die man noch nicht unbedingt kennt.« Seine eigene Einstellung in diesen Dingen ist relativ entspannt: »Ich gehe an Kunst völlig un­spekulativ heran. Es geht einzig darum, was ich mag.« Zwei dynamische Fotos stechen besonders hervor und setzen Akzente in seiner Lieblingsfarbe Blau: eine Arbeit von Georges Rousse im Wohnzimmer und ein Meerbild von Caroline Halley des Fontaines im Schlafzimmer.

Die Möbel an sich sind fast ausschließlich modern – weit entfernt vom früheren Stil der Wohnung. Zu den auffälligsten Stücken zählt eine Marmorkonsole des Pariser Jungstars Joris Poggioli, die von Aster ausgesucht wurde. Und das älteste Stück? Ist ebenfalls eine Aster-Entdeckung: eine Vintage-Messingleuchte von Hans-Agne Jakobsson, dem schwedischen Meister der Moderne, aus dem Jahr 1960.

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