© Jacek Kołodziejski

Adieu Tristesse: Immer mehr Unternehmen setzen auf ganzheitliche Farbkonzepte fürs Büro. So macht nicht nur das Arbeiten mehr Spaß, die Farbe unterstreicht auch die Corporate Identity. Wir stellen die neuesten bunten Office-Welten vor.

21 . März 2019 - By Maik Novotny

Grauer Nadelfilz, beige Wandpaneele, farblose Konferenzräume in grellem Neonlicht: So sieht der Büroalltag immer noch für viele aus. Doch was für manche als »seriös« durchgeht, ist nicht selten einfach nur pure Tristesse. Eine Studie der Universität Texas wies schon 2007 nach, dass in Grau, Beige und Weiß gehaltene Büros tendenziell zu Depression und Traurigkeit bei den Mitarbeitern führen. Was ist so falsch an einem farbigen Arbeitsumfeld? Gar nichts ist daran falsch. Vor allem Start-ups und junge Firmen wissen, dass sie ihren Mitarbeitern mehr schuldig sind als steif-graue Alltagsware. Mehr noch: Farbe bietet eine Fülle von Möglichkeiten, die Corporate Identity zu transportieren – viel mehr, als es ein Empfangs-Desk im Firmen­logo-Rot im Foyer zu können vermag.

Junge Firmen wissen, dass sie ihren Mitarbeitern mehr schuldig sind als steif-graue Alltagsware. 

Mehr als Deko

Paradebeispiel: die Headquarters von Playster im kanadischen Montreal. Für das schnell expandierende Entertainment-Unternehmen gestaltete ACDF Architecture eine Bürowelt, in der verschiedene Farben unterschiedliche Bereiche markieren. Jedem Team wird zudem eine eigene Farbe zugeordnet. Als neutrales »Rückgrat« dient ein Korridor, der die Räume miteinander verbindet und in neutralem Weiß gehalten ist. Man lernt: Farbe im Büro ist viel mehr als reine Dekoration – sie kann Identität, Orientierung und Spaßfaktor zugleich sein. 

In Toronto bekam das kalifornische Tech-Start-up Slack ein maßgeschneidertes Konzept, in dem Farbe, Geometrie und Beleuchtung als Teil eines Kommunikationsnetzes gedacht werden. Auch hier sind einzelne Bereiche wie Besprechungsnischen und diskrete Telefonkabinen mit einer eigenen Farbe gekennzeichnet, die zudem mit dem Branding der Firma korrespondiert. Wie es sich für ein echtes Tech-Unternehmen gehört, spielen hier nicht nur Böden, Wände und Möbel farbig mit, sondern auch die bunten Netzwerkkabel, die sich durch die Räume schlängeln. In der Zentrale des Business-Inkubators Tech Wildcatters im texanischen Dallas wiederum sind Wände und Böden in neutralem Graublau gehalten, dafür wirken knallbunte Sitzmöbel als frische Farbtupfer. Sachlich-cool und unverkrampft-bunt: die perfekte Visitenkarte für ein ambitioniertes Start-up. Ein Büro wie ein modernes abstraktes Gemälde.

Magisches U-Boot

Ebenfalls in Blau, aber keineswegs abstrakt wurde der Coworking-Space NEST in Warschau eingerichtet: Sattes Türkis, kombiniert mit Flächen in Marmoroptik und von den Designern maßgefertigten Möbeln, erzeugt eine Welt für sich, deren weiche Formen und üppiges Dekor im Kontrast zur kantigen Nüchternheit des Gebäudes stehen. Als Benutzer fühlt man sich hier wie Kapitän Nemo auf dem Kommandodeck eines magischen Unterseeboots im Ozean. »Unser Ziel war es, Räume zu schaffen, die nicht nach Büro aussehen, sondern wie ein gemütlicher Club, in dem man sich wohlfühlt,« so die Designer von Beza Projekt.

Wer nicht gleich sein ganzes Büro umkrempeln und in eine farbige Märchenwelt verwandeln will, kann das Arbeitsumfeld auch mit einfacheren Mitteln farbenfroh gestalten. Die Wandpaneele »Beetle« aus Textil etwa helfen nicht nur, die Raumakustik zu dämpfen, sie sind auch schmucke Kunstwerke. Zu den geometrischen Formen ließen sich die Designer von Mut Studio bei dem Besuch eines naturhistorischen Museums inspirieren: Sie sind den Formen von Käfern nachempfunden.

Ob Insektenwelt, Untersee-Türkis oder Hightech-Farbexplosion, ob Gesamtkonzept oder Farbtupfer: Bunte Rettungsanker gegen die graubeige Schwermut gibt es genug. Denn warum soll das Büro nicht auch Spaß machen?

 

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AKTUELLES MAGAZIN 06/2019