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Ihre architektonischen Entwürfe sind voller Poesie. Die Möbel schweben durch Landschaften, die wie Träume wirken. Ihre wundersamen digitalen Welten sehen die Designer Shali und Adam Kelly als Visionen für die Zukunft des Wohnens.

18 . Juni 2020 - By Uwe Killing

Die Inspiration kam beim Blick durch das Fenster – in einer Höhe von mehr als 10.000 Metern. »Es war dieses Gefühl, zwischen den Wolken zu sitzen«, erklärt Shali Kelly. »Man fühlt sich frei, es ist etwas unheimlich und gleichzeitig erhaben.«

Basierend auf dem Erlebnis während einer Flugreise schuf die Designerin mit ihrem Partner Adam ein Bild, das den Titel »She Sails Through The Clouds Brushing« trägt. Es eröffnet dem Betrachter eine spannende Perspektive: Im Fenster tauchen ein Sessel und ein Tisch auf, als wären sie Skulpturen, die ein Künstler in eine mystische Wolkenlandschaft platziert hat. Die Verbindung zur Malerei, etwa zu Bildern von Salvador Dalí oder Giorgio De Chirico, ist unübersehbar. Das in Rotterdam lebende Gestalter-Duo nutzt die Formsprache des Surrealismus, um am Computer die Dimension des Raums anders zu denken. 

Eine Fantasie über den Wolken, eine wasserumspülte Oase, eine Landschaft, die zum Kissen wird: In der digitalen Welt von Shali und Adam Kelly wird wild geträumt: »Es sind Räume, in denen wir völlig loslassen können und die Natur übernimmt.« Organische Formen und überraschende Wohnlandschaften werden dabei zu konkreten Utopien. Shali Kelly: »Unsere Arbeiten sind ein Spiel zwischen Traumwelten und Zukunftsideen.«

Fantasien mit klaren Strukturen

In der Art, wie die gebürtige Südafrikanerin und ihr schottischer Ehemann ihre Raumfantasien inszenieren, sind klare Strukturen und Verweise auf große Architekten der Moderne wie Le Corbusier und Adolf Loos zu erkennen. Es ist eine starke gemeinsame Basis: Das Paar hatte sich beim Praktikum in einem Architekturbüro in Barcelona kennengelernt. Nach dem Abschluss in Architectural and Urban Design an der Universität Edinburgh lebten die beiden eine Zeit lang in Kapstadt, wo sie 2018 ihr Designbüro Visual Citizens gründeten. In Rotterdam ließen sie sich nieder, um sich besser mit der europäischen Designszene vernetzen zu können. 

Haus und Büro zu teilen, das hat bei dem Paar zu einer »simultanen Arbeitsweise« geführt. Shali Kelly: »Wir haben sehr verschiedene Denkansätze. Adam geht sehr rational an die Dinge heran, ich eher intuitiv. Aber es ergänzt sich hervorragend, und in jedem unserer Bilder verschmelzen unsere Ideen.« Eine Komposition starte oft mit einer Skizze auf Papier, bevor sie mit einer 3D-Software realisiert werde. Mit Visual Citizens bewegt sich das Paar inzwischen ausschließlich in der virtuellen Welt. Die Visionen der zwei professionellen Träumer werden sowohl von Herstellern als auch von Messe-Veranstaltern aufgegriffen. Und ihre Arbeiten, balancierend zwischen Kunst und Design, finden auch als Druck­werke von verspielt-romantischer, aber nie kitschiger Ästhetik zunehmend mehr Beachtung. 

Wolken, Wasser und Pflanzen spielen eine große Rolle in diesen Bilderwelten, die unser Auge für die Schönheiten der Natur, aber auch für deren Design-Potenzial schärfen. In einer eigenen Ausstellung mit dem Titel »Lilypad« spielen sie beispielsweise mit der Form des See­rosenblatts als stilbildendes Interior-Element für einladende Liegelandschaften und sinnliche Wohnräume (zu sehen bei der Dutch Design Week in Eindhoven vom 17. bis 25. Oktober).

»Das digitale Design ist ein Medium, das uns viel mehr Freiheiten als in der klassischen Architektur erlaubt«, erklärt der ausgebildete Architekt Adam Kelly. Seine Partnerin Shali ergänzt: »Im konventionellen Design-Prozess wird die Visualisierung in der Regel dazu genutzt, eine bestehende Form zu transformieren. Wir möchten uns von diesem Ansatz befreien und finden es interessanter, ungewöhnliches Material zu entdecken und eine surreale Atmosphäre zu schaffen.«

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