© igor-grubic

Bildende Kunst ist ein weites Feld. Ganz besonders für Anfänger. Wer Sammeln möchte, steht oft ratlos vor dem boomenden Angebot. Wir haben Experten befragt, wie man sich orientieren und vernetzen kann, um den Kunstrausch möglichst ohne Kater zu genießen.

18 . September 2020

»Wenn man am Beginn steht, das ist herrlich! Ein Jungsammler hat das Abenteuer noch vor sich«, sagt Alexander Giese von Giese & Schweiger. Die Wiener Kunsthandlung, zunächst spezialisiert auf das 19. und 20. Jahrhundert, hat ihr Angebot längst erweitert. Ausgesucht und bezugs­-reich gehängt, trifft hier das 19. Jahrhundert auf Wurm, Kogelnik, Oberhuber, Gelitin. »Das Angebot ist riesig«, sagt die Wiener Galeristin Agnes Reinthaler und rät An­fängern, die sich einen guten Überblick verschaffen wollen, zu »Galerien- und Atelierrundgängen, Museumsbesuchen, Kunst­messen«. Aber »um sich in diesem Wust nicht komplett zu verlieren, ist ein ver­trauens­volles Verhältnis zu Galeristen und Menschen aus dem Kunstsektor besonders wertvoll. Und das Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl«.

Impulse zur Leidenschaft

Sophie Vonier hat 2019 ihre Galerie in Salzburg eröffnet. Kommen junge Kunden, fragt sie nach den Vorlieben, außerdem nach dem Budgetrahmen, »denn es ist ganz wichtig, wenn ich jungen Interessenten etwas zum Kauf vorschlage, dass das nicht ihr Budget übersteigt«. Es gibt junge, bereits geschulte Sammler, die sich viel im Kunstkontext bewegen, und es gibt andere, die einfach ihr Zuhause mit Kunst ausstatten wollen: »Aber das Leben mit Kunst verändert den Blick. Viele kommen dann auf den Geschmack, und das ist der Grundstein für eine Sammlung.« Sammeln erfordert Auseinandersetzung, muss Leidenschaft sein oder »zumindest ein aufwendiges Hobby. Das kann man nicht auslagern«, sagt Alexander Giese.

Galerien und Kunsthandel setzen immer mehr Impulse. Bei konzertierten Eröffnungen, Rundgängen oder Initiativen wie aktuell dem Wiener Galerienfestival »curated by« kann man sich informieren, austauschen, kennenlernen. All das funktioniert auch über das Museum. Sophie Vonier sitzt im Präsidium des Freundes- und Förderkreises Museum der Moderne Salzburg: »Wir sehen uns auch als Plattform für ein kunstbezogenes Netzwerk.

Sammeln erfordert Auseinandersetzung, muss Leidenschaft sein oder »zumindest ein aufwendiges Hobby. Das kann man nicht auslagern«. Kunsthändler Alexander Giese

Das Sammeln ist dabei ein wichtiges Thema, denn Museen sammeln auch. Das möchten wir verstärkt transportieren und zeigen, wie eine Sammlung aufgebaut ist. Museen sind sehr nah am aktuellen Kunstgeschehen, wir versuchen hier eine Brücke zu bauen.« Ein Tool, um sich einen Überblick zu verschaffen sowie Händler und Galeristen kennenzulernen, sind natürlich Kunstmessen.

In Österreich zählen im zeitgenössischen Bereich die viennacontemporary sowie im Kunst- und Antiquitäten-Sektor die Art & Antique-Messen in der Wiener Hofburg und der Salzburger Residenz zu den großen Veranstaltern. Ein besonderes Erlebnis sind dann internationale High-End-Messen wie die TEFAF in Maastricht, die Art Basel oder die Frieze in London, ebenso die Kunstbiennale von Venedig.

Christof Habres, Kunst­markt­journalist mit langer Galerien­er­fah­rung, ini­tiiert für kleine Gruppen von Sammlern geführte Reisen zu solchen Ver­an­stal­tungen: »Es geht dabei darum, über den Tellerrand hinauszuschauen. Auch um Vergleichswerte zu bekommen. Nicht nur bei Kunstmessen, auch in Galerien ist es dabei wichtig, die Schwellenangst zu überwinden und nach­zufragen. Man ist oft auch überrascht, dass vieles durchaus leistbar ist. Es gibt gerade für junge Sammler viele Möglichkeiten, etwa auch Ratenzahlungen. Doch dafür muss man ins Gespräch kommen.«

Spielregeln der Kunst

Auch bei Johannes Faber muss man nicht sofort kaufen: »Ich bin immer gerne bereit, Interessierten Dinge zu zeigen und zu erklären.« Faber ist der große Spezialist für his­torische und klassische Fotografie in Österreich. Ein Bereich mit wiederum etwas anderen Spielregeln. Hier unterscheidet man etwa als wichtiges Kriterium zwischen Vin­tage, für Abzüge aus der Entstehungszeit, und zwischen späteren oder gar postumen Prints, die jeweils eine andere Wertigkeit besitzen: »Es ist aber nicht so kompliziert. Man kann sich einlesen, besucht Ausstellungen oder hat einen Kunsthändler, einen Galeristen, der es einem erklärt«, so Faber.

Zur guten Orientierung empfiehlt er auch Auktionsergebnisse zu vergleichen. Um bei Auktionen selbst mitzubieten, ist dann allerdings etwas Vorbildung gefragt. Große internationale Fotoauktionen erzielen oft exorbitante Preise, doch bei kleineren europäischen Versteigerungen kann man durchaus günstig zuschlagen und bei »Häusern wie Lempertz, Grisebach oder WestLicht auch auf die Expertisen vertrauen«, so Faber. Und Kunst als Geldanlage? Faber: »Ja, aber nur langfristig gesehen. Es ist nicht so, dass man heute etwas um 1.000 Euro kauft und morgen um 5.000 Euro wieder verkauft.

Am Ende ist Sammeln eine sehr persönliche Sache.« »Stark mit Gefühlen verbunden« sieht es auch Agnes Reinthaler, und für Alexander Giese erwirbt man ein Kunstobjekt, »weil man es haben möchte. Jemand, der den inneren Drang spürt, es in sein Leben aufnehmen zu wollen. Das ist der Sammler«.

Genuss – das ist zentrales Thema der Falstaff-Magazine. Nun stellen wir das perfekte Surrounding dafür in den Mittelpunkt. Das Ambiente beeinflusst unsere Sinneseindrücke – darum präsentiert Falstaff LIVING Wohnkultur und Immobilien für Genießer!

JETZT NEU 06/2020