Constance Neuhann-Lorenz gewinnt Prix Veuve Clicquot

v.l. Katrin Bauerfeind, Gewinnerin Constance Neuhann-Lorenz und Jens Gardthausen bei der Verleihung des Prix Veuve Clicquot 2014 / Foto: Veuve Clicqout (Michael Tinnefeld)v.l: Katrin Bauerfeind, Gewinnerin Constance Neuhann-Lorenz und Jens Gardthausen bei der Verleihung des Prix Veuve Clicquot 2014 / Foto: Veuve Clicqout (Michael Tinnefeld)

Die Jury wählte die Münchner Chirurgin zur inspirierendsten Frau. Neuhann-Lorenz setzt sich unter anderem für indische Gewaltopfer ein.

In Erinnerung an Namenspatronin Barbe-Nicole Clicquot zeichnet das Champagnerhaus Veuve Clicquot in Deutschland schon seit 1984 inspirierende Geschäftsfrauen aus. Denn auch die Witwe Clicquot war Anfang des 19. Jahrhunderts eine absolute Vorreiterin, Visionärin und eine der ersten Frauen an der Spitze eines Männerbetriebes. Gestern wurde nun im Soho House in Berlin vor 60 geladenen Gästen Dr. Constance Neuhann-Lorenz mit dem Prix Veuve Clicquot ausgezeichnet.

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Die Münchner Chirurgin setzt sich schon seit Jahren besonders für indische Frauen ein, die mit Benzin übergossen und angezündet wurden. Derartig brutale Gewalt gegen Frauen ist in Indien ein großes Problem. Jede Stunde stibt dort eine Frau, nachdem sie angezündet wurde. Meist sind die Täter gierige Ehemänner, die die Brautfamilie zu größerer Mitgiftleistung nötigen wollen. Kann die Familie nicht liefern, kommt es zu diesen barbarischen Attacken.

Neuhann-Lorenz fliegt mit ihrem Team regelmäßig nach Indien, um dort überlebende Frauen zu operieren. 2008 war sie Mitgründerin der Hilfsorganisation »Women for Women«, die diese Frauen kostenlos behandelt. Heute opfern schon 90 Spezialistinnen unter dem Dach dieser Organisation ihren Urlaub, um vor Ort Hilfe zu leisten. »Ich bin Medizinerin aus Leidenschaft, Ärztin mit Leib und Seele. Deshalb helfe ich den Menschen, die unter ihren Entstellungen so leiden, dass nur eine Operation ihr Leben wieder lebenswert macht«, beschreibt die frisch gebackene Preisträgerin ihre Arbeit. Spendeninformationen für ihre Organisation »Women for Women« gibt es unter diesem Link.

25 inspirierende Frauen
In diesem Jahr konnten erstmals bemerkenswerte Frauen über eine eigens eingerichtete Webseite für den Preis nominiert werden. Aus den 25 Kandidatinnen wurden von der hochkarätig besetzten Jury fünf Finalistinnen ausgewählt. Neben Siegerin Constance Neuhann-Lorenz waren dies:

  • Gesche Joost
  • Nelly Kostadinova
  • Ulla Holthoff
  • Feo Aladag

Gesche Joost, Forscherin im Bereich Mensch-Maschine-Interaktion, hat sich als Designprofessorin der Berliner Universität der Künste ihr eigenes Institut für Produkt- und Prozessgestaltung aufgebaut. Sie setzt sich für eine inklusive digitale Gesellschaft ein und hat mit ihrem Team zum Beispiel einen Kommunikationshandschuh für Taubblinde entwickelt.

Die Bulgarin Nelly Kostadinova hat mit nur 50 Mark Startkapital eines der größten deutschen Unternehmen für Übersetzungs- und Dolmetscherdienstleistungen, »Lingua-World«, aufgebaut. Mit dem beruflichen Erfolg wächst bei Nelly Kostadinova auch der Wunsch, sich sozial zu engagieren. So unterstützt sie von Anfang an Projekte für Kinder – immer spielt die Sprache dabei eine Rolle.

Ulla Holthoff war die erste Frau, die im Fernsehen (ZDF) ein Fußballspiel kommentierte. Gegen viele Widerstände schaffte sie es, sich in der männlich dominierten Branche Sportjournalismus durchzusetzen. Die Mutter von Fußball-Superstar Mats Hummels war Chefin des Fußball-Ressorts beim Deutschen Sport Fernsehen und entwickelte dort unter anderem das Format »Doppelpass«. Seit 2001 ist sie Redakteurin beim BR-Fernsehen.

Ein scharfer Blick auf kulturelle Konflikte zeichnet die deutsche Regisseurin Feo Aladag aus. Mutig beschäftigt sie sich am liebsten mit risikoreichen Stoffen: In ihrem preisgekrönten Regiedebüt »Die Fremde« steht ein Ehrenmord im Fokus, ihren zweiten Film »Zwischen Welten« drehte Aladag mit einem afghanisch-deutschen Team und Darstellern in Afghanistan. Dabei musste sie zahllose Hindernisse und Bedenken aus dem Weg räumen, um den Film direkt im Krisengebiet drehen zu können. »Zwischen Welten« ist zudem der erste Kinofilm, der sich intensiv mit dem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan beschäftigt.

Jurymitglieder waren u.a.

  • Karen Heumann (thjnk)
  • Ute Leube (Gewinnerin 2012 und Gründerin der Primavera GmbH)
  • Leyla Piedayesh (Gründerin und Designerin des Modelabels Lala Berlin)
  • Prof. Marion Kiechle (Direktorin der Frauenklinik der TU München)
  • Christoph Teuner (Falstaff-Herausgeber)

Mehr Info:
www.prix-veuve-clicquot.de

Soho-Club, Berlin:



(sb)

Erstellungsdatum: 26.08.2014