Frühstücken wie ein Kaiser

Heinz HorrmannDer Hotel- und Gastrokritiker Heinz Horrmann wurde schon als bester Hotelautor weltweit geehrt. Fernsehzuschauern ist er unter anderem als Juror der Sendung »Kocharena« bekannt.

Die erste Mahlzeit des Tages ist in Hotels oftmals ein Ärgernis. À-la-carte-Service ist selten geworden, die meisten Vielreisenden wollen ein Büfett. Und da gibt es große Unterschiede.

»Einen schönen guten Morgen, lieber Gast!« – Für viele deutsche Hotels, auch in der Spitzenklasse, gilt das nicht, da hat dieser fromme Wunsch in Wirklichkeit keinerlei Bedeutung. Da ist das Frühstück alles andere als schön, sondern das erste echte Ärgernis des Tages. Ein unwilliger, lustloser Service, schlecht oder gar nicht nachgelegte Büfetts, eine traurige, oft miserabel aufgebackene Brotauswahl, ein dürftiges Früchteangebot. Die Liste könnte ich beliebig verlängern. Auch der Roomservice (für jene, die morgens noch keine anderen Menschen sehen möchten) sorgt leider häufig mit der ersten Mahlzeit für einen Fehlstart in den Tag. Einmal erlebte ich bläulich verschimmeltes Brot am Büfett eines Berliner Fünf-Sterne-Hotels! Als unappetitlich empfinde ich auch den Abfalltopf auf dem Tisch vieler Häuser. Die Liste der Ärgernisse ist lang. Entsprechend beglückend sind die Ausnahmen. Ich verrate Ihnen die Herbergen mit dem meiner Erfahrung nach angenehmsten Frühstück im Lande.

Köche am Büfett

Das Privathotel von Hermann ­Bareiss in Baiersbronn im Schwarzwald ist mein Favorit. Allein die Schinkenauswahl ist etwas Besonderes. Ein Dutzend Sorten der köstlichen Schweinebeine, im ­Katenrauch oder in der Waldluft gereift, vom Pata Negra bis zum Schwarzwälder, werden edel offeriert. Ein Koch steht am Büfett, stets bereit, frisch vom ganzen Schinken wegzuschneiden, ein zweiter Koch in blütenweißer Montur richtet Eierspeisen und Waffeln an. So etwas bekommt man auch in anderen Hotels, ebenso wie das Fischbüfett, nicht aber in dieser Qualität und Ausführung. Auch die Lachssorten werden frisch aufgeschnitten, im Gegensatz zu den bekannten Plas­tikversionen; frisch sind auch die verschiedenen Saucen, die dazu ­gereicht werden. Auf drei Büfettmetern werden sechs Beerensorten und alle nur denkbaren exotischen Früchte offeriert. Das Brot wird nicht in einer eigenen Bäckerei gebacken, sondern in Auftragsproduktion beim Bäcker um die Ecke, dafür ständig in neuen Varianten: vorzügliches Nussbrot, Körnerkombinationen und eine Unzahl von frisch gebackenen, unterschiedlichen Brötchen, keine Rohlinge (vorgebackene Produkte). Schade, dass es dafür noch keinen Preis oder einen Frühstücks-Award gibt.

Frühstück im Privathotel von Hermann Bareiss im Schwarzwald – so sollte der Tag beginnen / Foto: beigestellt

Wiesbadener Pfannkuchen
Nachdem sich rund 80 Prozent der Vielreisenden für das morgendliche Büfett ausgesprochen haben, gibt es nur noch wenige Top-­Hotels mit individuellem À-la-carte-Service, wie ihn das Althoff-Hotel Schloss Lerbach oder Heinz Winklers Residenz in Aschau offerieren. Da wird dann neben den Standards auch Besonderes wie geschmolzene Feigen zum Bündnerfleisch oder Wildlachs mit Ananas-Frühlingszwiebel-Salat aufgetischt. Von den laut Befragungen so beliebten Büfetts im Fünf-Sterne-Bereich haben die Häuser der Selektion Deutscher Luxus­hotels hervorragende Angebote. Ein Beispiel ist der Nassauer Hof in Wiesbaden. Dort wird ­allmorgendlich der Tisch in der Orangerie gedeckt – mit kurzen Wegen zu frischen regionalen Köstlichkeiten wie (hessischer) Grüner Sauce auf Kräuterbasis
zur Eierspeise oder Wiesbadener Pfannkuchen mit Ahornsirup im Panoramapavillon mit schönem Blick auf den elegant gestalteten Hotelvorplatz mit Terrasse.

Breakfasr at Tiffany's
Zu den empfehlenswerten Frühstücksadressen in der Top-Hotellerie zählen für mich darüber ­hinaus im Süden das Seehotel Überfahrt an der schönsten Ecke des Tegernsees, im Norden das Wolfsburger Ritz-Carlton mit feinsten Frischprodukten und Fischvariationen der Extraklasse sowie in der Metropole Berlin Deutschlands Hotellegende, das Adlon. Dort gibt es freilich mit 49 Euro pro Person auch das teuerste Hotelfrühstück. Dafür darf nach Herzenslust geschlemmt werden, wer mag, schon am Morgen Currywurst. Und dann wurde hier noch die originellste Frühstücks­idee geboren: »Breakfast at Tiffany’s«, benannt nach dem Filmklassiker, in einer Welt von glitzernden Diamanten im Tiffany-Shop im KaDeWe, ­wohin die Adlon-Gäste mit einer Luxuslimousine chauffiert und wo sie dann mit einem Glas Champagner begrüßt werden.

Das Hotelfrühstück des Adlon in Berlin  ist das teuerste, aber auch eines der besten in Deutschland / Foto: beigestellt

Köstliche Brotsorten

Dass kultivierte Frühstücksmöglichkeiten aber nicht nur in der Luxushotellerie zu finden sind, wird durch mehrfache Erfahrung in einem Vier-Sterne-Businesshotel belegt, etwa im Regent in Köln (das zur Althoff-Gruppe ­gehört). Ich war angetan von der Atmosphäre und den Produkten im Res­taurant »Bellini«; Deutschland als Hort der köstlichen Brot­sorten spiegelt sich hier im Angebot: Ein Dutzend Sorten, frisch aus der Backstube, duftet, mit Nüssen, Oliven, mit Körnern und Rosinen kombiniert, alle ofenwarm und knusprig, außerdem italienisches Brotkonfekt sowie Brötchen in zehn Varianten. Etliche ­Fische, geräuchert und gebeizt, wunderbar appetitlich präsentierte Schinkensorten neben einem Käsebüfett, dazu die süße Abteilung und perfekt angerichtete Eierspeisen. Dafür werden gerade mal 15 Euro berechnet. Da kann ich ehrlichen Herzens einen »guten Morgen« wünschen.

Continental Breakfast

Wer keine besonderen Ansprüche an die erste Mahlzeit des Tages stellt, begnügt sich mit einem deutschen Normalfrühstück: Kaffee oder Tee, Brötchen plus Butter und Marmelade. Gäste aus Übersee empfanden dieses Frühstück schon um die Jahrhundertwende als derart armselig, dass sie es als »Continental Breakfast« bezeichneten. Das war sarkastisch gemeint, der Begriff hat sich aber bis heute gehalten. Gäste, die damit zufrieden sind, brauchen freilich auch keine diesbezüglichen Hotelempfehlungen. Für mich beginnt der ideale Tag, in welchem Hotel auch immer, mit ein paar Scheiben ­Papaya, mit Beeren oder Ananas (gesund), drei Tassen starkem Kaffee (ungesund) und Schwarzbrot oder Bagel mit Lachs, Frischkäse und Tomaten. In kleineren Domizilen oder Hotels, die ich noch nicht kenne, bestelle ich meinen kulinarischen Start in den Tag ­bereits am Vorabend.

von Heinz Horrmann

aus Falstaff Deutschland Nr. 3/2011

 
Von Unserem Kolumnisten beschrieben:

HOTEL BAREISS

Gärtenbühlweg 14, 72270 Baiersbronn
T: +49/(0)7442/470
www.bareiss.com

NASSAUER HOF
Kaiser-Friedrich-Platz 3–4, 65183 Wiesbaden
T: +49/(0)611/13 36 33
www.nassauer-hof.de

AMERON HOTEL REGENT
Melatengürtel 15, 50933 Köln
T: +49/(0)221/549 90
www.hotelregent.de

HOTEL ADLON
Unter den Linden 77, 10117 Berlin
T: +49/(0)30/226 10
www.kempinski.com/de/berlinadlon