Die Farben der Romantik
Der Hotel- und Gastrokritiker Heinz Horrmann wurde schon als bester Hotelautor weltweit geehrt. Fernsehzuschauern ist er unter anderem als Juror der Sendung »Kocharena« bekannt.
Romantik-Hotels, Romantik-Reisen, Romantik-Event-Kongress, Romantik-Get-together – eine beliebig zu verlängernde Liste. Ich habe die für mich romantischsten Hotels zusammengestellt und ein Farbenspiel inszeniert.
Türkis – St. Regis Hotel auf Bora Bora
Ein Hochamt für Romantiker ist der Blick aus dem »St. Regis Hotel« in der Lagune von Bora Bora in Französisch-Polynesien. So friedvoll und jungfräulich muss unsere Welt am ersten Tag nach der Schöpfung gewesen sein, lange vor dem Sündenfall. So muss unsere Welt ausgesehen haben, unbeschreiblich majestätisch, von göttlicher Perfektion; Bora Bora, diese wohlproportionierte Inselschöne mit dem wei-ßen Gürtel aus Korallen und dem sanften Wimpernschlag des Ozeans. Das Farbenspiel des Wassers wird vom Himmel inszeniert. Die Töne wechseln von durchscheinendem Opal und Perlmutt bis Silber. Dann dominiert nur noch Türkis, draußen in der Lagune und drinnen im Overwater-Bungalow bei den Accessoires.
Rosa – das Giardino in Ascona
Sanfte Lüftchen, fächelnde Palmen und mildes mediterranes Klima, um viele Grade wärmer als im Norden, stimmen auf das romantische Hotel Giardino (»der Garten«) in Ascona am Lago Maggiore ein. Der Empfang ist herzlich – der Hoteldirektor ist bei nur 54 Zimmern, 18 Suiten und fünf Wohnungen jedermanns Gastgeber, das ist der Vorteil gegenüber den »Wohnsilos«. Vor allem aber lebt er seinen 130 Mitarbeitern liebenswerte Servicebereitschaft vor. Die Zimmer und Suiten sind anheimelnd eingerichtet und stimmen fröhlich. Rosa-Töne, wohin das Auge blickt: Stoffe, Illusionsmalerei an den Wänden, Blumen. Und vom Balkon der Blick auf den wunderschönen Garten, der dem Haus den Namen gab – all das ist schon erstklassig und von spielerischer Leichtigkeit. Beim Frühstück an der weißen Balustrade vor dem herrlichen Seerosenteich mit Zierfischen und Schildkröten, eingerahmt von Zitronenbäumchen in opulenten Töpfen, wird einem bewusst, wie geschickt Natur und Design, innere und äußere Schönheit in Einklang gebracht wurden. Steuererklärung, Sparmaßnahmen, Ehekrach: Derartige Banalitäten scheinen Lichtjahre entfernt für den, der in diesem Garten Eden ausspannt. Auf rosa lackierten Fahrrädern rollen wir zum See hinunter, genießen das Umfeld des Relais-&-Châteaux-Hotels.
Gelb – das Al Maha Resort in Dubai
Wochenausklang unterm Sternenhimmel, einmal nicht auf einer Terrasse, sondern mitten in der Wüste zwischen Hatta und Al Ain, im feinsten Naturresort der Welt, im Al Maha – das mag eine ungewöhnliche Romantik-Variante sein. Gut sechs Stunden braucht die Lufthansa bis Dubai. Nach einer Stunde Wüstenfahrt erreichen wir die gelben Beduinenzelte der Ferienstadt zwischen den Sanddünen. Die Sonne steigt hastig hinter dem Horizont hervor. Erst blassgelb, dann immer kräftiger taucht sie die Sandfelder und Hügel in ein warmes Licht. Von meinem erhöhten Standpunkt aus blicke ich auf eine Ebene, die wie ein Präsentierteller wirkt für die kleine Herde arabischer Oryx-Antilopen, die gerade gemächlich zum Wasserloch zieht. »Al Maha«, wie die Beduinen diese sagenumwobene, vom Aussterben bedrohte Tierart nennen, ist zurückgekehrt an den nach ihr benannten Ort, wo sie einst in großer Zahl verbreitet war und sich der Legende nach eine prächtige Oase befand. Die klaren Quellen wurden von riesigen unterirdischen Seen gespeist. Während wir unter einem schützenden Zeltdach auf einer Teak-Terrasse die Herde beobachten, sinniere ich darüber, wie schön es doch ist, dass diese wundervolle Oase wiedergeboren wurde. Profit können die Investoren mit der aufwendigen Anlage gewiss nicht machen. Die einer Beduinensiedlung nachempfundene Zeltstadt in allen Gelbtönen passt sich den Farben der Wüste an. 29 luxuriöse Suiten, wertvoll ausgestattet, thronen auf einer terrassenartigen Anhöhe.
Violett – Château du Domaine saint-Martin
Am Hang eines Hügels, durch Felsnasen gegen den Mistral geschützt, liegt die Domaine St. Martin mit Orangen-, Zitronen- und Mimosenbäumen und duftenden Lavendelfeldern im Süden Frankreichs. Die Geschichte des Château du Domaine Saint-Martin ist zugleich ein historischer Abriss der Region von der Römerzeit bis heute. Das edle Hotel, das zur feinen Kette von Rudolf August Oetker gehört, besteht aus einem Hauptgebäude mit Turm und mehreren Villen. Tritt man durch das Portal in die hohe Halle, verschlägt einem die Ehrfurcht heischende kathedralengleiche Atmosphäre die Sprache. Auf den Steinfußböden liegen wertvolle Teppiche aus Persien; Gobelins aus Flandern zieren die Wände. Während die manchmal gekünstelte Glitzerwelt der Côte d’Azur nur eine halbe Autostunde entfernt ist, beherrschen hier zurückgenommene Eleganz und Harmonie die Szene. Der große Salon ist im Stil Ludwigs XV. mit provenzalischen Möbeln eingerichtet. Die Bar mit tiefen Sesseln und das Restaurant, an drei Seiten von gewaltigen Fenstern eingerahmt, bieten einen Panoramablick auf die einmalig schöne, lavendelfarbene Landschaft. Das aufregende Violett setzt sich im Tischschmuck mit Kerzen, Lavendelsträußchen und Decken fort.
Grün – Begawan Giri auf Bali
Wenn sich die Sonne über die grünen Wipfel hebt, wird das Begawan Giri in der Nähe der heiligen Quellen nördlich der Künstlerstadt Ubud auf Bali zum romantischen Gemälde. Riesenfarne, Palmen und Blütenzauber – das Aufwachen wird bereits zum Roman. Das Tal dampft, der Wasserfall rauscht, das Licht verwandelt das Grün des Regenwaldes. Helles Vogelgezwitscher, geliehenes Glück. Das Hotel vereinnahmt mich. Traumhafte Natur und elegantes modernes Design, die Kombination ist umwerfend. Die Rangfolge der jeweiligen Elemente wechselt von Augenblick zu Augenblick, von Detail zu Detail. Zur frühen Stunde steht anstelle des alltäglichen Rituals, wenn in Deutschland die Wecker klingeln und die Eieruhren ticken, der Blick ins Paradies. Der Butler und zwei Mädchen der Insel, sanft wie Federn im Spiel des Windes, tragen irdische Köstlichkeiten auf: frische Säfte, Kräuter- und Krustenbrote, gefüllte Croissants, aus Europa importierten San-Daniele-Schinken und Cappuccino. Dazu Früchte aus dem Garten, liebevoll aufgeschnitten und zu Blumen geschnitzt: Papayas, Mangos, Ananas und die balinesische Sternfrucht. Anstelle von Begleitmusik rauscht der Wasserfall, jubilieren die Vögel. Hinterher erfrischt das Bad im dunkelgrünen Becken unter Palmenwipfeln und dem Blau des Himmels. Bei einer Expertenbefragung wurde das 22-Suiten-Hotel zum romantischsten Domizil der Welt gekürt. Leider liegt es beim Übernachtungspreis, der bei 1.500 Dollar pro Nacht und Villa beginnt, ebenfalls an der Spitze. Zwölf Jahre haben die englischen Besitzer an diesem Vorhof zum Himmel gebastelt und Unsummen ausgegeben – wirtschaftliche Kalkulation hat eben mit Romantik nichts zu tun.
von Heinz Horrmann
aus Falstaff Deutschland Nr. 02/2011
Von Unserem Kolumnisten beschrieben:
St. Regis Bora Bora Resort
Motu Ome’e BP 506
98730 Bora Bora
Französisch-Polynesien
T: +689/(0)689/60 78 98
www.starwoodhotels.com
Hotel Giardino
Via del Segnale 10
6612 Ascona, Schweiz
T: +41/(0)91/785 88 88
www.giardino.ch
Al Maha Desert Resort & Spa
Dubai – Al Ain Road
Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
T: +971/(0)4/832 99 00
www.al-maha.com
Château Saint-Martin & Spa
2490 Avenue des Templiers
06142 Vence, Frankreich
T: +33/(0)493/58 02 02
www.chateau-st-martin.com
Como Sahmbhala- Estate
PO Box 54, Ubud 80571
Bali, Indonesien
T: +62/(0)361/97 88 88
www.cse.como.bz


