Küchentrends 2013

Peter HämmerleKolumnist Peter Hämmerle weiß Küchenutensilien unterschiedlichster Art nicht nur gekonnt einzusetzen, sondern auch über ihre Qualitäten zu berichten.

Auf der Messe »LivingKitchen« in Köln zeigen nicht nur alle großen deutschen Hersteller ihre Neuheiten. Auch wenn es für 2013 keine echten Sensationen gibt, lassen sich doch zehn interessante Trends erkennen.

Die ganz große Sensation ließ auch­ dieses Jahr wieder auf sich warten. Die »LivingKitchen« zeigte die Evolution des Bestehenden. Was aber keineswegs Stagnation heißt. Gerätehersteller wie Miele, Küppersbusch oder Liebherr erneuerten fast ihre gesamte Einbaugeräteserie. Die Gründe liegen nicht so sehr in techni­schen Neuerungen, ­sondern im konsequenteren Erscheinungsbild. Kombiniert mit weiteren ­Geräten soll die Küche wie aus einem Guss erscheinen. Weiteres wichtiges Thema: die Motorisierung. Gemeint sind automatische Laden, Arbeitsplatten, die sich heben und senken, sowie Küchen, die sich nach Gebrauch selbsttätig »verstecken«.

Auch die Digitalisierung ist inzwischen in der Küche ange­kommen. Menüführung und Bedienungsfreundlichkeit erhalten dadurch eine völlig neue Bedeutung.


Lackober­flächen bei »Team 7« / Foto: beigestelltTREND 1 – Farben und Materialien
Petrol und Kurkuma bleiben die Dauerbrenner, aktueller sind jetzt Farbtöne wie Perlweiß, Magnolie oder Shell. Lediglich der giftgrüne Geschirrspüler von Bosch, ein Publikumsliebling, schlägt etwas aus der Art. Eiche, Walnuss und neuerdings Esche dominieren bei ­Naturholz. Selbst im günstigeren Segment geht der Trend weg von billigen folierten Fronten hin zu Lack. Neu sind Lacke, die Metallpulver enthalten und wie Kupfer- oder Stahloberflächen wirken – und bei ­Bedarf sogar rosten ...
Kürzlich entwickelte Verfahren erlauben es nun auch, Beton oder Keramik als dünne Oberflächen für Fronten aufzutragen. Bei Eggersmann umhüllt man gar mit ­dünnem Kupferblech oder mit dünn geschnittenem ­Kalkstein. Sehr attraktiv ist auch deren Arbeitsplatte aus gebürstetem Marmor.

Hidden Kitchen von Warendorf / Foto: beigestelltTREND 2 – Motorisierung
Vor wenigen Jahren noch als nur halbwegs gelungener Messescherz abgetan, tauchen jetzt vermehrt elektrisch verstellbare Möbelteile auf, und zwar nicht nur Schubladen. Bemerkenswert wird das dort, wo man Arbeitsflächen oder angebaute Esstische der Körpergröße anpassen kann – die Küche könnte also künftig die Fingerprints ihrer Benutzer erfassen, ähnlich wie bei Autos, die den Nutzer heute schon mit vorprogrammierter Sitzposition erwarten. Der Trend könnte vor allem dort interessant werden, wo ­Küchen etwa den Bedürfnissen älterer Benutzer angepasst werden sollen.
Eine Automatik der anderen Art bietet Warendorf mit der Hidden Kitchen. Ein Teil der Front faltet sich ­motorisch nach oben und gibt die Küchenzeile frei, ­während im geschlossenen Zustand nur eine neutrale Wand sichtbar ist. Bei Häcker verdeckt man Herd und Abwasch mit einer Betonplatte, die – weggeschoben – als Esstisch zu verwenden ist.

Siemens Tablet / Foto: beigestelltTREND 3 – totale Vernetzung
Kühlschränke mit eingebauten Displays gibt es schon seit Jahren. Bestenfalls konnte man damit fernsehen oder den Inhalt betrachten, ohne die Tür öffnen zu müssen. Jetzt stellt Siemens erstmals ein System vor, das auch Sinn macht. »Connectivity« erfasst den Inhalt des Kühlschranks, entwickelt daraus Menüvorschläge und bietet dazu auch gleich die passenden Rezepte und die notwendigen Einkaufslisten an. Außerdem sorgt das System für die Übertragung der erforderlichen Einstellungen etwa auf Herd oder Backofen. Alles soll über Internet und ­Tablets zu verwalten sein – selbst das Ausschalten vergessener Herdplatten.

cinqueterre titiano von Schiffini / Foto: beigestelltTREND 4 – politisch korrekter Lichtzauber
Die LED verdrängt in der Küche fast alle anderen Lichtquellen. Die kleinen energiesparenden Lampen findet man nun in allen möglichen Unter- und Oberschränken, bei Sockelleisten, in Kühlschränken und sogar in deren Laden. Als Flächen-LED halten sie Einzug in Abzugshauben oder den Spritzschutz hinter der Spüle. Dabei geht es nicht unbedingt nur um reine Funktion. Ab und zu
entsteht »ambient light« – buntes Stimmungslicht.

SieMatic S3 / Foto: beigestelltTREND 5 – der kleine Unterschied
Bei der Vielzahl an Küchenherstellern bleibt vor allem kleineren Anbietern nichts anderes übrig, als sich mit dem Besonderen zu profilieren. ­Eggersmann etwa setzt auf Flexibilität nicht nur bei Formen und Funktionen, sondern insgesamt beim Angebot. Der Hersteller Team 7 verrechnet keine Mehrkosten bei Breiten-, ­Höhen- und Tiefenkürzungen und bietet außerdem ein günstiges und kompaktes Modell inklusive Geräten. Selbst bei SieMatic hat man mit der neuen S3 eine ­Küche aufgelegt, die als Einsteigermodell einen neuen Kundenkreis an­sprechen soll.

Mesa von Alno / Foto: beigestelltTREND 6 – unkonventionelle Stilistik
Unkonventionelle und etwas andere Küchen gab es in Köln ebenfalls zu sehen. Alno, Schüller und Schiffini zeigten Entwürfe mit viel Esprit.
Alnos Mesa etwa präsentiert sich sehr schlicht und dennoch fröhlich. Weil die auskragenden Seitenteile an einen Tisch erinnern, heißt ein ähnlicher Entwurf von Schiffini ebenfalls Mesa (spanisch für »Tisch«) – und ist zugleich tatsächlich ein Tisch. Schüller präsentierte eine sogenannte next 125 mit Kurve, Barazza eine stilsichere Küche aus Edelstahl­platten, nobilia setzt auf dünne Arbeitsplatten mit nur 16 Millimeter Stärke. Ganz an­ders der russische Architekt Sergei Tchoban. Sein Modell Spira zeigt sich in schwarzem Hochglanzlack mit kaskadenförmig versetzter Front und abgerundeten Ecken.

Wasserhahn eUnit von Dornbracht / Foto: beigestelltTREND 7 – digitale Champions League
Nun haben sie also doch die Küche erreicht, die ­Touchscreens – nassen Fingern und Speiseresten zum Trotz. Ausgestattet werden damit in erster Linie Top-Einbau­geräte, denn in Bedienfeldern und ­Bedienknebeln spiegelt sich eben der Status der Geräte wider – je teurer, desto digitaler. Was nicht heißen muss, dass es dabei ­immer bunt zugeht. ­Gaggenaus Displays erscheinen auf den ersten Blick nahezu schwarz-weiß.
Auch ­Leitungswasser wird digital: Dornbracht bringt ­eUnit, den elektronisch regelbaren Wasserhahn. Das mag abgehoben klingen, macht aber spätestens dort Sinn, wo man keinen Messbecher mehr braucht, um ­genau einen halben Liter Wasser zu bekommen.

Mesa von Schiffini / Foto: beigestelltTREND 8 – Metamorphosen der Abzugshauben
Hängte man sich bisher eine möglichst eindrucksvolle Abzugshaube über die Kochinsel, überwiegt nun der Wunsch nach freier Sicht. Die Hauben verschwinden ­entweder hinter Seitenschlitzen oder gleich in der Decke, oder sie sehen nicht mehr wie solche aus. Das noch Sichtbare der Hauben kann bei der neuesten Generation übrigens mit farblich abgestimmtem Glas – oder anderen Oberflächen der benachbarten Küchenmöbel aus­gestattet werden. Selbst Lautsprecher finden künftig ­darin Platz.
Nach der Einsicht, dass Umluftsysteme ökologischer sind, fällt der Fokus nun auf die Lebensdauer kostspieliger Filter. Elica präsentiert dazu ein günstiges Gerät, bei dem der kurzlebige Fettfilter durch einen Ventilator ersetzt wurde, den die Spülmaschine reinigt. Den ­Aktivkohlefilter wiederum regeneriert der Backofen.

Serie 400 von Gaggenau / Foto: beigestelltTREND 9 – das Gesetz der Serie
Noch mehr als bisher legen die Hersteller von Einbaugeräten Wert auf die stilistische Abstimmung und Kombinierbarkeit mit den Küchenmöbeln. Vor allem Miele und Gaggenau haben ihre Serien so überarbeitet, dass keine unnötigen Fugen oder Absätze mehr stören – die eingebauten Geräte erscheinen nun noch passgenauer. Bei Gaggenau hat man sogar das langjährige Credo über Bord geworfen, Geräte stets mit erhabener Front zu bauen. Zwar steht die 400er-Serie auch weiterhin etwas vor, doch die neue 200er lässt sich plan integrieren und der Umgebung anpassen. Sie ist noch mit einem Griff ausgestattet, während sich die Türen der 400er nur noch auf Knopfdruck öffnen lassen und damit dem Konzept einer grifflosen Küche besser gerecht werden.

Küppersbusch Meisterstück / Foto: beigestelltTREND 10 – the semiprofessional chef
Hobbyköche mit Ambition sind mit gewöhnlichen ­Geräten nicht mehr zufrieden. Sie suchen nach dem Besseren. Nun adaptiert Electrolux mit Grand Cuisine eine Linie von Geräten für Cateringküchen für den »normalen« Haushalt. KitchenAid und AEG bieten Geräte fürs Kochen im Vakuum (Sous-vide). Der amerikanische Hersteller Wolf war mit Herden auf der Messe, die er mit dem Titel »heavy duty« versieht. ­Küppersbuschs Meis­terstücke schließlich sind freistehende ­Herd-Unikate mit Reeling.



von Peter Hämmerle
aus Falstaff Deutschland Nr. 02/2013